Sie huschen gerade durch die Sommernächte, die kleinen Feenwesen. Glühwürmchen finden die Hitze super. Gärtner haben einen besonderen Grund, die Leuchtkäfer zu mögen.
Das grünliche Blinken der Tiere ist aktuell besonders oft in Gärten und an Wegrändern zu sehen.
Von dpa
Berlin - In lauschigen Nächten steigen die besten Partys – das gilt auch bei Glühwürmchen. Das grünliche Blinken der Tiere ist aktuell besonders oft in Gärten und an Wegrändern zu sehen. Das heiße Wetter der letzten Tage komme den Käfern entgegen, solange nicht abends zur Flugzeit Gewitter niedergehen, sagte Helge May vom Naturschutzbund (Nabu). Zumindest bisher sei von einem guten Glühwürmchenjahr auszugehen.
Glühwürmchen sind vor allem bei dauerhaft warmem und eher feuchtem Wetter aktiv – die vergangenen Tage mit hohen Temperaturen und regionalen Regenschauern dazwischen waren dafür ideal. "Wenn es in der Luft gespenstisch leuchtet, sind das immer Männchen des Kleinen Leuchtkäfers", erklärte May. Die flugunfähigen Mädels sitzen leuchtend am Boden oder auf erhöhten Sitzplätzen und warten auf Bewerber.
Das Leuchtspektakel beginnt dem Nabu zufolge typischerweise gegen 22 Uhr und dauert bis etwa Mitternacht. Wer es erleben will, sollte sich trotzdem beeilen: Üblicherweise lässt die Aktivität im Laufe des Juli deutlich nach, vielerorts ist etwa Mitte Juli der Höhepunkt bereits vorbei.
Lampe am Hinterteil
Glühwürmchen erzeugen ihr Licht durch einen Prozess namens Biolumineszenz. Dabei reagieren unter anderem das Enzym Luciferase und der Stoff Luciferin miteinander – anders als bei einer Flamme entsteht dabei nahezu keine Wärme. Das Leuchtorgan sitzt auf der Bauchseite des Hinterleibs, der Chitinpanzer ist dort ausgedünnt und lichtdurchlässig.
Glühwürmchen-Leben: ein Drei-Jahre-Roadtrip
Bis aus einem Ei ein erwachsener Käfer wird, vergehen bei unseren Leuchtkäfer-Arten im Schnitt rund drei Jahre. Aus dem im Waldboden oder an feuchten Oberflächen abgelegten Ei schlüpft nach einigen Wochen eine asselähnliche Larve. Sie bevorzugt feuchte Wiesen, Waldränder und gehölznahe Bereiche und häutet sich während ihrer Entwicklung mehrfach.
Nach etwa drei Jahren Larvenphase folgt die Verpuppung. Kurz darauf schlüpft der fertige Käfer – und begibt sich rund um die Sommersonnenwende auf Partnersuche. Das Erwachsenenleben dauert nur kurz: Die Männchen leben meist nur wenige Tage bis wenige Wochen und sterben nach der Paarungszeit, die Weibchen etwas später, nachdem sie ihre Eier abgelegt haben. Damit beginnt der nächste Glühwürmchen-Lebenszyklus.
Warum Hobbygärtner Glühwürmchen verehren sollten
Schnecken-geplagte Gartenbesitzer sollten wissen: Glühwürmchen-Larven jagen gezielt Nacktschnecken. Die Larven folgen der Schleimspur, rammen ihren Kiefer in die Schnecke und injizieren eine lähmende, vorverdauende Flüssigkeit – ein Giftbiss, der für die Schnecke tödlich ist.
Wer nun besonders viele Glühwürmchen haben möchte, sollte in seinem Garten einiges beachten:
Fun-Fakt: Glühwürmchen umschwirrten schon die Dinos
Schon Dinosaurier könnten Glühwürmchen-ähnliche Lichter gesehen haben: Biolumineszenz bei Insekten gab es nach heutigem Wissensstand bereits in der Kreidezeit. Ein in Bernstein eingeschlossenes, den Leuchtkäfern (Lampyridae) zugerechnetes Insekt lebte vor etwa 99 Millionen Jahren, wie Forschende 2024 im Fachjournal „Proceedings B“ der britischen Royal Society berichteten. Auch andere leuchtfähige Insekten aus dieser Zeit sind bereits beschrieben worden.
Heute sind weltweit mehr als 2.000 Arten von Leuchtkäfern bekannt, in Mitteleuropa kommen jedoch nur wenige Arten vor – darunter Kleiner Leuchtkäfer, Großer Leuchtkäfer und Kurzflügel-Leuchtkäfer. Bei einigen tropischen Arten blinken ganze Schwärme synchron und erzeugen dabei eindrucksvolle, pulsierende Lichtwellen am Nachthimmel.
Wenn es blinkt und fliegt, ist es hierzulande immer ein Männchen des Kleinen Leuchtkäfers.
Das Leuchtspektakel beginnt meist gegen 22 Uhr und dauert bis Mitternacht.
Ein Glühwürmchen braucht drei Jahre, um von der Larve zum Käfer zu reifen.