Modekonzern aus Metzingen

Hugo Boss stoppt Aktienrückkauf

Die feindliche Übernahme des Metzinger Edelschneiders durch die Frasers Group ist nicht vom Tisch. Weil die Briten bereits 48 Prozent der Aktien besitzen, muss Boss den Rückkauf stoppen, um die Mehrheitsverhältnisse nicht zum eigenen Nachteil zu verschieben.

Hugo Boss stoppt Aktienrückkauf

Die Hugo Boss AG stoppt den bereits begonnenen Aktienrückkauf.

Von Peter Kiedaisch

Die im Juni gestartete Offensive der britischen Frasers Group mit dem Ziel, Mehrheitsaktionär der Hugo Boss AG zu werden, schien vorerst gescheitert. Frasers bot Aktionären den Kauf einer Aktie zum Preis von 38 Euro an, was ein Plus von vier Prozent über dem damaligen Aktienkurs bedeutete. Am Ende konnte Frasers zwar deutlich zulegen, aber die Aktienmehrheit haben die Briten nicht erreicht. Am Ende der Angebotsfrist konnte Frasers den Aktienanteil auf knapp 48 Prozent aufstocken. Zu wenig, um mit einer Aktienmehrheit alles bestimmen zu können.

Der Metzinger Modekonzern startete danach seinerseits ein Programm zum Aktienrückkauf. Nicht als eine Antwort auf die Übernahmebemühungen der Frasers Group. Vielmehr, um eigene wirtschaftliche Ziele verfolgen zu können, die der Vorstandsvorsitzende Daniel Grieder im Zuge des strukturellen Umbaus des Konzerns zuvor bereits angekündigt hatte. Während der Aktionärsversammlung im Mai sprach Grieder von einem Aktienrückkaufprogramm über 200 Millionen Euro.

Frasers möchte Anteile erhöhen

Dieser Aktienrückkauf ist zwar angelaufen, wurde nun aber wieder gestoppt. Der Konzern hat am Mittwoch beschlossen, „das am 24. August 2026 gestartete Aktienrückkaufprogramm der Gesellschaft mit Ablauf des 8. September 2026 bis auf Weiteres zu beenden“, wie es in einer Mitteilung heißt.

Seit Beginn des Programms habe Hugo Boss 124.044 Aktien zu einem Gesamtbetrag von rund 4,8 Millionen Euro zurückgekauft, heißt es weiter.

Als Grund für den Stopp führt der Modekonzern eine Erklärung der Frasers Group an, die am Dienstag veröffentlicht und abends über diverse Kanäle gestreut wurde. So flackerte unter anderem eine Meldung darüber im Liveticker des Fernsehsenders ntv. Die Frasers Group gab bekannt, ihren Anteil an Hugo Boss auf über 50 Prozent erhöhen zu wollen.

Zudem kündigten die Briten an, die Unterstützung für Stephan Sturm, den Vorsitzenden des Aufsichtsrats von Hugo Boss, zu überprüfen. In der Stellungnahme von Hugo Boss heißt es dazu: „Das Unternehmen ist weiterhin von seiner Strategie und seinem langfristigen Wertschöpfungspotenzial überzeugt. Der Kapitalallokationsrahmen bleibt unverändert, und der Vorstand wird die Wiederaufnahme eines Aktienrückkaufprogramms zu gegebener Zeit prüfen.“

Warum diese Kehrtwende in Sachen Aktienrückkauf von Boss? Das ist eine auf mathematischer Logik begründete Vorsichtsmaßnahme. Kauft Boss zu viele Aktien zurück, verschwinden die aus dem Streubesitz. Es befinden sich also weniger Aktien auf dem Markt. Dann aber genügt möglicherweise die bisherige Anzahl jener Aktien, die im Besitz der Frasers Group sind, um prozentual über die 50-Prozent-Marke zu rutschen. „Mit einer Aktienmehrheit können die dann alles bestimmen“, sagt Roland Klose, Vorstandsmitglied und Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), auf Nachfrage unserer Redaktion.

Die Personalie Sturm ist für Frasers offenkundig ein zentrales Anliegen. Klose sieht im bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden Stephan Sturm jemanden, „der die Interessen aller Aktionäre vertritt“. Die Frasers Group aber, so jedenfalls schätzt es Klose ein, möchte allein ihre Interessen vertreten sehen. „Denen geht es um Dinge wie Kapitalerhöhung, Dividendenausschüttung, und sie möchten auch bestimmen, wer im Vorstand sitzt.“

Den Standort Metzingen sieht Klose keineswegs in Gefahr, auch wenn die heimliche Modehauptstadt mit der Enklave Outletcity derzeit im Zentrum eines Wirtschaftskrimis steht. „Die Frasers Group möchte eine Finanzbeteiligung, dazu benötigt sie ein gesundes Unternehmen.“ Wohingegen Vorstandsvorsitzender Daniel Grieder und Mitglieder des Aufsichtsrats, die sich bereits gegen das Übernahmeangebot der Frasers Group ausgesprochen haben, deutlich unentspannter den kommenden Wochen entgegensehen dürften, mutmaßt der Aktienexperte.

Indessen hatte Grieder zuletzt auch versöhnliche Worte gegenüber Frasers gefunden: „Wir schätzen das Vertrauen und die Unterstützung, die uns unsere Aktionäre während der gesamten Angebotsphase entgegengebracht haben, und begrüßen die Unterstützung der Frasers Group für unsere langfristige strategische Ausrichtung“, sagte er Mitte August.

Dass Frasers so viel investiert, zeuge auch vom Vertrauen, das die Briten in das Metzinger Unternehmen haben. „Die sehen unser Potenzial, und das ist gut so“, sagt Konzernsprecherin Carolin Westermann. Die Stimmung im Haus, berichtet sie, ist gut, auch wenn es derzeit aufregende Zeiten sind.