Die britische Königin Camilla lächelt bei einem Besuch im Senedd in Cardiff anlässlich dessen feierlicher Eröffnung.
Von Katrin Jokic
Dass Königin Camilla eine leidenschaftliche Leserin ist, ist längst bekannt. Doch welche Geschichten sie in jungen Jahren besonders fesselten, dürfte manchen überraschen. In der BBC-Dokumentation „The Book That Changed My Life“, die am 14. Oktober ausgestrahlt wurde, erinnerte sich die britische Königin an ihre frühen Leseerlebnisse – und an eine ziemlich düstere Vorliebe.
„Ich war damals irgendwie besessen von der Guillotine“, gestand Camilla. Vor allem Geschichten über die Französische Revolution hatten es ihr angetan.
Grausame Szenen ließen Camilla nicht los
Zu den Büchern, die sie besonders beeindruckten, gehörte „Das scharlachrote Siegel“ von Baroness Emma Orczy. Der historische Abenteuerroman spielt zur Zeit der Französischen Revolution und erzählt von einem geheimnisvollen englischen Helden, der französische Adlige vor der Hinrichtung rettet.
Auch Charles Dickens' Roman „Eine Geschichte aus zwei Städten“ hinterließ bei Camilla bleibenden Eindruck. Darin spielen die blutigen Ereignisse der Französischen Revolution ebenfalls eine zentrale Rolle.
Besonders eine Szene hatte es der heutigen Königin angetan: die strickenden Frauen, die den öffentlichen Hinrichtungen beiwohnten.
„Ich erinnere mich, wie ich ‚Eine Geschichte aus zwei Städten‘ gelesen habe. Ich war geradezu fasziniert von den Tricoteuses, diesen schrecklichen Frauen, die dasaßen und strickten, während allen die Köpfe abgeschlagen wurden“, erzählte Camilla.
Die sogenannten Tricoteuses sind eng mit den Darstellungen der Französischen Revolution verbunden. In Dickens' Roman verkörpern sie die unerbittliche Gewalt und Vergeltung jener Zeit.
Bücher prägten ihre Jugend
Camillas Interesse an diesen düsteren Geschichten entwickelte sich aus einer frühen Begeisterung für Bücher. Schon als kleines Mädchen bekam sie gemeinsam mit ihren Geschwistern regelmäßig vorgelesen.
Ihr Vater Bruce Shand habe damit begonnen, als die Kinder noch sehr jung waren. Diese gemeinsamen Stunden hätten ihre Liebe zum Lesen entscheidend geprägt.
„Wir wurden in alle möglichen anderen Welten entführt“, erinnerte sich Camilla. Ohne Bücher wäre ihre Kindheit ihrer Ansicht nach eine völlig andere gewesen.
Aus der frühen Begeisterung für Abenteuerromane entwickelte sich offenbar auch ihr Interesse an den dramatischen und grausamen Kapiteln der Geschichte. Ihre ungewöhnliche Faszination für die Guillotine ist ihr jedenfalls bis heute in Erinnerung geblieben.