Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer klettert und große Industriebranchen liefern ermutigende Signale. Doch die nächsten Zollankündigungen von US-Präsident Trump bringen neue Turbulenzen.
Die Unternehmen in Deutschland sind zufriedener mit ihren aktuellen Geschäften. (Archivbild)
Von Von Alexander Sturm, dpa
München/Frankfurt - Die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen hellt sich stärker auf als gedacht und schürt die Hoffnung auf eine Erholung der Wirtschaft. Im Februar stieg der Ifo-Index, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, stärker als erwartet und liefert das nächste Signal für ein leichtes Wachstum nach Jahren der Krise. Wäre da nicht Donald Trump: Einmal mehr verunsichert die Zollpolitik des US-Präsidenten, der nach seiner Niederlage vor dem obersten Gerichtshof prompt neue Zölle ankündigte.
Im Februar stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex um 1,0 Punkte auf 88,6 Zähler. Die Unternehmen zeigten sich zufriedener mit ihren aktuellen Geschäften, auch die Erwartungen besserten sich, so das Ifo-Institut. "Die deutsche Wirtschaft zeigt erste Signale einer Belebung", kommentierte Präsident Clemens Fuest das Ergebnis der jüngsten Ifo-Umfrage unter 9.000 Unternehmen. Demnach stieg das Geschäftsklima in der Industrie, bei Dienstleistern und am Bau. Nur im Einzelhandel gab es leicht nach.
"Deutschland klettert aus dem Konjunkturtal"
"Die Zahlen untermauern die Trendwende in der Industrie", meint Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Natürlich dürften Trumps jüngste Zolleskapaden die Unternehmen belasten. Dennoch zeigten die Frühindikatoren nach oben, schrieb er mit Blick etwa auf die jüngst gestiegenen Industrieaufträge.
Die deutsche Wirtschaft, die 2025 nur ein Mini-Wachstum verzeichnete und in den beiden Vorjahren geschrumpft war, wird nach Einschätzung der Bundesregierung 2026 um ein Prozent zulegen. Nach Ansicht der Bundesbank geht es im ersten Quartal verhalten aufwärts.
"Deutschland klettert aus dem Konjunkturtal" schrieb Christoph Swonke, Konjunkturanalyst bei der DZ Bank. Pünktlich zu den milderen Temperaturen laufe sich auch Deutschlands Wirtschaft warm – "zumindest in Mini-Schritten". Der Aufwärtstrend liege vor allem an den Fiskalpaketen für Infrastruktur und Verteidigung. "Trotzdem bleibt die weltweite Lage äußerst fragil."
Robin Winkler, Deutschland-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, sieht dagegen Grund für mehr Optimismus als allgemein angenommen. "Wir sehen immer deutlichere Anzeichen, dass die Konjunktur ordentlich Schwung aufnimmt."
Exportrekord in der Elektroindustrie
Positive Nachrichten liefert die deutsche Elektro- und Digitalindustrie, die 2025 ihre Exporte auf den Rekordwert von fast 258 Milliarden Euro steigerte - trotz Zollstreits mit den USA. Dabei halfen laut Branchenverband ZVEI ein starkes Europageschäft und sprunghaft wachsende Ausfuhren im Dezember.
Höhere Exporte zum Jahresende 2025 meldete auch der Maschinenbauverband VDMA. In der Jahresbilanz sanken die weltweiten Ausfuhren von Maschinen und Anlagen aber um 1,8 Prozent gegenüber 2024, das Geschäft mit den USA brach wegen der Zölle um acht Prozent ein.
Nächstes Kapitel im Zollstreit mit Trump
Und der Zollstreit geht bereits in die nächste Runde: Trump kündigte nach seiner Schlappe vor dem obersten Gerichtshof am Wochenende neue weltweite Zölle vorübergehend von zehn und dann 15 Prozent auf Importe in die USA an.
Der Supreme Court hatte Trump untersagt, unter Berufung auf ein Notstandsgesetz aus den 1970er Jahren Zölle gegen den Import von Waren aus vielen Ländern zu verhängen. Unklar ist nun, ob Unternehmen zu viel gezahlte Milliardenbeträge zurückbekommen.
Die US-Zollbehörde hat nach der Gerichtsentscheidung die Erhebung von Abgaben schon teilweise gestoppt. Zölle auf Grundlage von Notstandsbefugnissen würden ab Dienstag nicht mehr erhoben. Andere Importzölle bleiben unberührt, etwa solche aus Gründen der nationalen Sicherheit oder wegen unlauterer Handelspraktiken.
Kippt der Zolldeal mit Washington?
Auch ist unklar, was die neuen Zollankündigungen von Trump für den Handelsdeal zwischen Brüssel und Washington von vergangenem Sommer bedeuten. Dieses sah eine Zollobergrenze von 15 Prozent für die meisten EU-Importe in den USA vor.
Am Montag legte das Europäische Parlament, wo die Annahme des Abkommens noch ausstand, die Umsetzung formell auf Eis. Man wolle von den USA die klare Zusicherung, dass sie das Abkommen einhalten, sagte der Vorsitzende des Handelsausschusses, Bernd Lange (SPD). Später hieß es aus US-Regierungskreisen, der amerikanische Zoll auf EU-Importe solle 15 Prozent betragen.
"Rüstungsaufträge machen noch keinen Aufschwung."
Ulrich Kater, Chefvolkswirt bei der Dekabank meint, die Zollkapriolen der USA sollten nicht überbewertet werden. "Für die Unternehmen ist jetzt Planungssicherheit wichtiger, als ob es mit den Zöllen noch einmal etwas herauf oder herunter geht."
Viele Experten sehen die größten Baustellen für die deutsche Wirtschaft ohnehin zu Hause. Das Ifo-Geschäftsklima zeige anders als in der ersten Hälfte 2025 noch nicht klar nach oben, schrieb Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Das Ausbleiben der notwendigen breiten Wirtschaftsreformen belastet die Stimmung. Rüstungsaufträge allein machen noch keinen Aufschwung."
Die Elektroindustrie erzielte 2025 einen Exportrekord (Archivbild)
Trump bei der Vorlage seines globalen Zollpakets im April 2025. Er kündigte schon neue weltweite Abgaben an (Archivbild)