Im Rems-Murr-Kreis unterwegs auf den Spuren der Zeit

Historische Orte sind ideale Ausflugsziele für alle geschichtsinteressierten und architekturbegeisterten Menschen. In Backnang und der Umgebung gibt es so einige Plätzchen zu entdecken, die von einer anderen Zeit erzählen. Auf dieser Seite stellen wir fünf Beispiele vor.

Im Rems-Murr-Kreis unterwegs auf den Spuren der Zeit

Der Limesturm in Grab.

Vor rund 1800 Jahren errichteten die Römer eine Grenze, die auch durch Großerlach-Grab führte. Zunächst bestand sie aus einer Holzpalisade, nach etwa 30 Jahren wurde sie durch einen Wall und einen Graben ersetzt. Alle 600 bis 800 Meter standen steinerne Wachtürme, die die Sichtverbindung zu den Kastellen in Murrhardt und Mainhardt sicherstellten. In Grab befindet sich eine Rekonstruktion des Wachpostens 9/83. Dort waren zusätzliche

Truppen stationiert, um etwaige germanische Räuberbanden abzuwehren. Auseinandersetzungen mit den Germanen waren eher selten, sodass es an der Grenze zu Handel und einem kulturellen Austausch kam. Als 260 nach Christus die Römer ihre Gebiete östlich des Rheins aufgeben mussten, geriet der Wachturm von Grab bis zu seiner Rekonstruktion im Jahr 1981 ins Dunkel der Geschichte.

In der warmen Jahreshälfte betreuen die Limes-Cicerones in der Regel an den Sonn- und Feiertagen von Mai bis Oktober von 13 bis 16 Uhr den Wachturm. Wer außerhalb dieser Zeiten den Turm besichtigen möchte, erhält den Schlüssel im Landhaus Noller beim nahe gelegenen Golfplatz Marhördt.

Am Totenkirchle war ein Friedhof

Das Totenkirchle an der Sulzbacher Straße gehört zu den ältesten Gebäuden Backnangs. Eingeweiht wurde die Marienkirche im Jahr 1452. Den Namen Totenkirchle erhielt sie später im Volksmund, weil sich bei ihr bis 1841 der erste Friedhof außerhalb der Stadtmauern befand. Die innerstädtischen Begräbnisstätten waren im 15. Jahrhundert zu klein geworden. Jenseits der kleinen Kirche gab es damals nur drei Gebäude: ein Haus an der Sulzbacher Brücke und zwei an der Kirche. „Nach dem Stadtbrand von 1693 diente sie wieder regelmäßig für Gottesdienste, da die anderen Kirchen in der Stadt ausgebrannt waren“, steht im Backnang-Lexikon.

1837 verkaufte die Stadt das Totenkirchle an den Gerber Matthias Breuninger, der unter Verwendung der alten Mauern in das Kirchenschiff ein Wohnhaus einbaute. Den Chor nutzte er als Lederlager. Ab 1905 fanden dort wieder sporadisch Bibelstunden und Gottesdienste statt. Der Chor des Totenkirchles wurde in den Jahren 1987/88 grundlegend renoviert und mit einer neuen Einrichtung und Orgel versehen. Im Inneren der Kirche befindet sich ein schönes Rippengewölbe.

Ein Familiengrab in der Stiftskirche

Bis heute prägend für das Stadtbild ist die Backnanger Stiftskirche – und in ihr kann man eine Krypta besichtigen, die auf die ältesten Bauphasen der Kirche zurückgeht. Die Krypta befand sich ursprünglich unter dem Hauptchor der romanischen Kirche und ist stark überarbeitet noch heute vorhanden. Vermutlich im zweiten Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts wurde die reich dotierte Pfarrkirche durch Markgraf Hermann von Baden und seine Frau Judit in ein Augustiner-Chorherrenstift umgewandelt.

Bis Mitte des 13. Jahrhunderts, über fünf Generationen lang, diente die Stiftskirche als Hausstift und Grablege der Markgrafen von Baden und ihrer Familien. Ursprünglich befanden sich die Gräber im Kirchenschiff, später wurden sie in den spätgotischen Chor verlegt. Seit 1929 sind die Gräber der badischen Markgrafenfamilie in der Krypta untergebracht, als diese im Rahmen von Arbeiten im Kircheninneren ausgegraben, tiefer gelegt und in neuen Formen rekonstruiert wurde. Die Krypta ist seitdem vom Kirchenschiff aus begehbar und kann zu den Öffnungszeiten der Stiftskirche besichtigt werden.

Alte Traditionen der Bauern

In Weissach im Tal befindet sich ein vollständig erhaltenes Bauern- und Weberhaus aus dem Jahr 1781. Dort können die Besucher das traditionelle, dörfliche Leben bestaunen. Originale Alltagsgegenstände, bäuerliche Arbeitsgeräte, Handwerksstuben, ein Bauerngarten und ein Traditionsweinberg sind zu sehen, aber auch eine funktionsfähige Küche, eine urige Backstube, eine Leinenweberstube, ein Plumpsklo und mehr. Von der letzten Bewohnerin des Hauses, Frieda Heller, stehen sogar noch etliche Gläser mit eingemachten Früchten und Gemüsesorten im Keller.

Das Bauern- und Heimatmuseum Weissacher Tal steht in der Brüdener Straße 7 und ist von April bis Oktober immer am ersten und dritten Sonntag des Monats geöffnet, jeweils von 14 bis 17 Uhr. An ausgewählten Terminen finden Erlebnistage statt, dann werden beispielsweise alte Werkzeuge vorgeführt. Führungen außerhalb der Öffnungszeiten sind möglich, die per E-Mail an info@heimatverein-weissacher-tal.de, über das Kontaktformular auf der Website oder per Telefon unter 0 71 91 / 5 39 82 angefragt werden können. Der Eintritt ist kostenlos.

Backnang wurde zur Industriestadt

Die Gründung der „Oberen Spinnerei“, später „J. F. Adolff“, im Jahr 1832 gilt als Beginn der Industrialisierung in Backnang. Später wurde die Adolff-Firmengruppe, die auch mehrere Tochterfirmen umfasste, zur größten Spinnerei im Deutschen Reich. Das Unternehmen führte unter der Leitung von Eugen Adolff ein für Backnang einzigartiges Bauprogramm durch, das die Größe der Fabrikanlage bis 1910 mehr als verdreifachte. Ein Teil der Gebäude steht auch heute noch, darunter das Backsteingebäude im industriellen Charme, in welchem heute das Finanzamt untergebracht ist. Neben diesem befindet sich auch noch das Marienheim, das Eugen Adolff 1907 als Wohnheim für ausländische Arbeiterinnen errichten ließ. Im Speisesaal gab es dort täglich ein preiswertes Mittagsessen.

Heute nutzt das Jobcenter die Räumlichkeiten. Im Backnanger Hauptwerk wurden im Jahr 1939 rund 1650 Mitarbeiter beschäftigt. Im August 1989 gab die Firma Adolff die Schließung des Produktionsstandorts bekannt.

In unserer interaktiven Karte sind die historischen Orte und weitere empfehlenswerte Ausflugsziele gesammelt. Zu der Karte gelangt man auch hier.