Der Iran und die USA haben sich kurz vor Ablauf eines Ultimatums von Donald Trump auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt. Das schreiben „New York Times“, „La Repubblica“, und Co. dazu
Der Iran und die USA haben sich kurz vor Ablauf eines Ultimatums von Donald Trump auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt (Symbolfoto).
Von red/dpa
Der Iran und die USA haben sich kurz vor Ablauf eines Ultimatums von US-Präsident Donald Trump auf eine zweiwöchige Waffenruhe und die Öffnung der für den globalen Öl- und Gasmarkt wichtigen Straße von Hormus geeinigt. Dazu schreibt die internationale Presse:
USA
„New York Times“: „Zweifellos war es ein taktischer Sieg in letzter Minute, der zumindest vorübergehend den Öl-, Düngemittel- und Heliumtransport durch die Straße von Hormus wieder in Gang bringen und die Märkte beruhigen dürfte (...). Doch keine der grundlegenden Fragen, die zum Krieg geführt hatten, wurde dadurch gelöst.“
IRAN
„Keyhan“: „Die optimistischste Möglichkeit, die sehr unwahrscheinlich und unmöglich erscheint, ist, dass die Gegenseite alle unsere verkündeten Bedingungen akzeptiert (!). (...) Zwei militärische Angriffe auf dem Höhepunkt von Verhandlungen sind beispielhafte Fälle, die nicht vergessen werden können und dürfen. Anders gesagt: Waffenstillstand, Einigung und Verhandlungen sind ein Geschenk an den Feind!“
GROSSBRITANNIEN
„The Times“: „Eine drängende Frage ist, ob (US-Präsident Donald) Trump akzeptieren wird, dass der Iran Transitgebühren für die Meerenge erhebt, womit er inzwischen bereits begonnen hat – und was vor Beginn des Krieges noch undenkbar war. (...) Trump hat sich seit Tagen darauf vorbereitet, den Konflikt zu beenden und die neue Führung im Iran anzuerkennen, was er als "Regimewechsel" bezeichnet, obwohl alles darauf hindeutet, dass es sich um eine radikalisierte, militantere Version des Regimes handelt, das vor dem Krieg bestand.“
SCHWEIZ
„NZZ“: „Mit seinem Rückzieher gesteht Trump im Grunde ein, dass eine Öffnung der Meerenge mit militärischen Mitteln kaum zu erreichen ist. Auch wenn es den USA unter beträchtlichen Verlusten gelingen sollte, iranische Küstengebiete mit Bodentruppen zu besetzen, wäre das Regime womöglich immer noch in der Lage, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus mit Drohnen und Raketen aus größerer Entfernung zu torpedieren. (...) Es dürfte schwierig werden, für Trump am Verhandlungstisch zu erreichen, was er nun im Krieg nicht erreichen konnte. (...) Zudem ist das Regime weiterhin im Besitz von über 400 Kilogramm an hochangereichertem Uran.“
POLEN
„Polityka“: „Aus den Erklärungen der Führung in Teheran geht hervor, dass sie in ihrem Zehn-Punkte-Plan unter anderem Reparationen für die von den USA und Israel verursachten Zerstörungen fordert. Außerdem die Zustimmung der USA zur weiteren Anreicherung von Uran sowie die Aufhebung aller Sanktionen. Teheran will zudem "iranische Kontrolle über die Straße von Hormus". Wenn Washington auch nur einen Teil dieser Forderungen akzeptiert, dann bedeutet dies den Sieg des Irans - und offenbart gleichzeitig die Sinnlosigkeit des Kriegs.“
„Rzeczpospolita“: „Seit Beginn seiner ersten Amtszeit hat Donald Trump einen neuen Nahen Osten aufgebaut. Manchmal tauchte in diesem Projekt auch der Iran auf: ohne Atomwaffen, ohne moderne Waffen, ohne regionale Ambitionen und – im Gegenzug – ohne Sanktionen. Als ein Land, das sich anpasst, aber niemals als der Hauptakteur. Jetzt ist das nicht mehr sicher.“
SPANIEN
„La Vanguardia“: „Niemand weiß mit Sicherheit, was in dem Kopf von Trump vorgeht und welche endgültige Entscheidung er in zwei Wochen treffen wird. (...) Wir werden sehen. Was man sich jedoch nie hätten vorstellen können, ist, dass wir auf die Uhr schauen und gespannt darauf warten würden, ob eine ganze Zivilisation ausgelöscht wird oder nicht. Die Welt entwickelt sich ganz offensichtlich nicht in die richtige Richtung.“
ITALIEN
„La Repubblica“: „Wenn dies die Grundlage der Vereinbarung ist, wird es schwierig zu verstehen sein, warum Trump den Krieg überhaupt wollte und wie Israel dieses Ergebnis akzeptieren kann. Der Chef des Weißen Hauses wird antworten, dass die Verhandlungen auch von seinen 15 Punkten ausgehen werden, die für die Islamische Republik deutlich strenger sind, und dass die Angriffe wieder aufgenommen werden, falls kein Kompromiss gefunden wird. Während wir abwarten, ob die nächsten zwei Wochen diese Lösung hervorbringen, steht fest, dass der US-Präsident derzeit einen Waffenstillstand akzeptiert hat, der ihm im Gegenzug wenig oder nichts von dem bietet, was er in der Nacht zu Beginn der Bombardierungen eigentlich gefordert hatte.“
NIEDERLANDE
„de Volkskrant“: „Beide Seiten gewinnen kurzfristig etwas. Trump kann seinen Landsleuten versichern, dass er auf ein Ende seines unpopulären Krieges hinarbeitet. Von einer weiteren Eskalation kann er vorerst absehen. Und die wiedereröffnete Schifffahrtsroute durch den Nahen Osten wird die Kraftstoffpreise nach wochenlangem unaufhaltsamem Anstieg wohl wieder drücken. Der Iran bekommt derweil die Gelegenheit, sich von Tausenden von Bombenangriffen zu erholen. Zudem stellt diese Waffenruhe eine gewisse Anerkennung des derzeitigen Regimes durch die USA dar, zumindest als legitimer Verhandlungspartner.“
AUSTRALIEN
„Sydney Morning Herald“: „Mit der Waffenruhe – sofern sie hält – dürfte ein Teil des Öls wieder fließen, vorausgesetzt, die Iraner halten ihr Versprechen ein, sichere Geleite durch die Straße zu gewährleisten. Bislang wurden dem Markt rund 40 Tage an Ölversorgung entzogen – mindestens 400 Millionen Barrel –, so dass es Monate dauern könnte, bis der Markt wieder normal funktioniert. Das setzt allerdings voraus, dass der Konflikt dauerhaft endet und die freie Durchfahrt durch die Meerenge möglich ist. (...)
„The Age“: „Für diejenigen, die glauben, dass "Trump am Ende immer kneift", ist dies der bislang größte TACO-Moment (Trump Always Chickens Out, deutsch: Trump macht immer einen Rückzieher) des US-Präsidenten (...). Gleichzeitig ist jede Analyse dessen, was diese angebliche Waffenruhe bedeutet, weitgehend müßig – weil wir nicht wissen, ob sie Bestand haben wird, und weil alle drei Parteien – die USA, Iran und Israel – so sehr zu Meinungsmache, Hysterie, leeren Drohungen und patriotischem Getöse neigen, dass es schwerfällt zu wissen, was der Realität entspricht und was nicht.“