Nach ENHYPEN-Aus

K-Pop-Protest eskaliert: Fans attackieren Rentenbehörde

Der Ärger über eine personelle Veränderung bei ENHYPEN hat in Südkorea überraschend den nationalen Rentenfonds getroffen. Nachdem Fans den Ausstieg von Heeseung kritisiert hatten, gingen innerhalb kurzer Zeit massenhaft Anrufe und E-Mails bei der Behörde ein – mit spürbaren Folgen für den Betrieb.

K-Pop-Protest eskaliert: Fans attackieren Rentenbehörde

Heeseung (3.v.l.) verließ die Band ENHYPEN überraschend.

Von Katrin Jokic

Der Protest von K-Pop-Fans gegen eine umstrittene Veränderung bei ENHYPEN hat in Südkorea für ungewöhnliche Folgen gesorgt. Nicht das Management der Gruppe stand im Mittelpunkt der Aktion, sondern der staatliche Rentenfonds National Pension Service (NPS). Nach dem gemeldeten Ausstieg von Mitglied Heeseung sollen vor allem internationale Fans die Behörde mit Anrufen und E-Mails überhäuft haben, wie "The Korea Times" berichtet.

Kim Sung-joo, Vorsitzender des NPS, erklärte demnach am 18. März in sozialen Netzwerken, dass das International Pension Service Center der Behörde plötzlich mit einer großen Zahl von Anfragen konfrontiert gewesen sei. Demnach seien internationale Anrufe zeitgleich eingegangen und hätten den Betrieb zeitweise lahmgelegt. Zudem habe die Behörde innerhalb von nur zwei Stunden rund 1500 E-Mails erhalten.

Auslöser war demnach eine Fan-Kampagne im Netz. Dort sollen Unterstützer dazu aufgerufen worden sein, ihren Protest an den NPS zu richten. Hintergrund ist, dass der Rentenfonds ein bedeutender Anteilseigner von HYBE ist. Zu dem Konzern gehört auch BELIFT LAB, die Agentur von ENHYPEN. Offenbar hofften einige Fans, über diesen Weg Druck auf das Unternehmen auszuüben.

K-Pop-Fans sind für große Protestaktionen bekannt. 2024 hatten sie beispielsweise gegen den Ausschluss eines Mitglieds aus der Band RIIZE demonstriert - unter anderem mit Trauerkränzen vor dem Gebäude der Plattenfirma. Auch gegen die Rückkehr der Band NewJeans zum Label HYBE wurde vehement protestiert. Fans organisieren dafür extra Trucks mit LED-Anzeigen, um ihre Botschaften zu übermitteln.  

Der NPS stellte im Fall von Heeseung und ENHYPEN jedoch klar, dass die Behörde keinen Einfluss auf Personal- oder Managemententscheidungen einzelner Unternehmen nehme. Kim Sung-joo betonte, der Rentenfonds investiere in zahlreiche Firmen in mehr als 80 Ländern, mische sich aber nicht in deren operative Entscheidungen ein. Das gelte auch für Fragen rund um die Zusammensetzung von K-Pop-Gruppen oder einzelne Mitglieder.

Besonders problematisch war der Vorfall offenbar deshalb, weil das betroffene Zentrum eigentlich für Rentenangelegenheiten von ausländischen Arbeitnehmern in Südkorea und von Koreanern im Auslandzuständig ist. Reguläre Nutzer hätten durch die Welle an Protestanrufen und E-Mails erhebliche Einschränkungen erlebt.

BELIFT LAB hatte den Abschied von Heeseung am 10. März bekanntgegeben. Die Entscheidung löste bei einem Teil der Fangemeinde heftige Reaktionen aus. In sozialen Netzwerken verbreiteten sich Forderungen, die Änderung rückgängig zu machen. Der Fall zeigt, wie weitreichend und schwer vorhersehbar die Dynamik internationaler K-Pop-Fankulturen inzwischen geworden ist.