Nach iranischen Angriffen auf Flüssiggasanlagen in Katar und der Androhung von Vergeltung durch US-Präsident Trump wächst die Sorge vor einem folgenreichen Energiekrieg.
Rauch steigt am 8. März aus dem Shahran Oil Depot bei Teheran nach einem israelischen Luftangriff auf.
Von Markus Brauer/AFP
Im Iran-Krieg sind bislang zahlreiche Öl- und Gasanlagen getroffen worden, darunter das weltgrößte Erdgasfeld im Persischen Golf und die weltgrößte Flüssiggasanlage in Katar. Der Flugzeugträger USS Gerald R. Ford ist außer Gefecht.
Angst vor einem Energiekrieg
Nach iranischen Angriffen auf Flüssiggasanlagen in Katar und der Androhung von Vergeltung durch US-Präsident Donald Trump wächst die Sorge vor einem folgenreichen Energiekrieg. Das US-Militär werde das bedeutende Gasfeld „South Pars“ massiv attackieren, sollte der Iran weiter Katars Gasindustrie angreifen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Der Preis für europäisches Erdgas stieg daraufhin in der Spitze um mehr als 30 Prozent.
Israel hatte „South Pars“, das vom Iran und Katar ausgebeutet wird, bereits am Mittwoch (18. März) angegriffen. Laut Trump ohne sein Wissen und seine Genehmigung. US-Medienberichte legten am Donnerstag (19. März) aber nahe, dass der US-Präsident sehr wohl eingeweiht war. Trump habe den Angriff demnach ausdrücklich gebilligt, um den Druck auf den Iran zu erhöhen, die für den Ölmarkt bedeutende Straße von Hormus freizugeben.
„South-Pars“-Unstimmigkeiten zwischen Trump und Israel?
Trump schrieb, Israel habe das Gasfeld „aus Wut über die Ereignisse im Nahen Osten“ angegriffen. In Versalien äußerte er, es werde keine weiteren israelischen Angriffe auf dieses „äußerst wichtige und wertvolle“ Gasfeld geben. Es sei denn, „der Iran beschließt unklugerweise, einen völlig Unschuldigen anzugreifen, in diesem Fall Katar“.
Ein Überblick über die Anlagen, die seit dem Beginn der US-israelischen Angriffen auf den Iran am 28. Februar getroffen wurden:
South-Pars-/North-Dome-Field – Iran und Katar
Das Gasfeld South Pars im Persischen Golf ist das größte bekannte Gasvorkommen der Welt. Auf der Liste der weltweit größten Gasfelder hat es mehr gewinnbare Reserven als die dreizehn nächstkleineren Felder zusammengenommen.
Der Iran teilt es sich mit dem auf der gegenüberliegenden Küste gelegenen Katar, das seinen Teil des Vorkommens unter dem Namen North Dome ausbeutet und das 2/3 des gesamten Gasfeldes ausmacht. South Pars liefert rund 70 Prozent des im Iran verbrauchten Erdgases.
Iranisches Gasfeld brennt
Nach iranischen Angaben geriet ein Teil des Gasfeldes nach dem jüngsten israelischen Angriff in Brand. US-Präsident Donald Trump kündigte am Mittwoch (18. März) an, sollte der Iran den katarischen Gaskomplex Ras Laffan erneut angreifen, werde die US-Armee „das gesamte Gasfeld South Pars in die Luft sprengen“.
Der von Katar ausgebeutete Teil des Gasfeldes umfasst nach Schätzungen des Staatskonzerns Qatar Energy etwa zehn Prozent der weltweit bekannten Erdgasreserven. Katar hat eine Reihe langfristiger LNG-Verträge abgeschlossen, unter anderem mit dem französischen Konzern Total, dem britischen Unternehmen Shell, dem indischen Konzern Petronet, dem chinesischen Unternehmen Sinopec und dem italienischen Konzern Eni.
Ras Laffan – Katar
In Ras Laffan im Norden Katars befindet sich die weltweit größte Produktionsstätte für Flüssigerdgas (LNG). Die Anlage wurde seit Beginn des Kriegs mehrfach Ziel iranischer Angriffe. Am frühen Donnerstag sprach der Staatskonzern Qatar Energy nach mehreren aufeinanderfolgenden Angriffen von „erheblichen Schäden“.
Kharg – Iran
Die Insel Kharg liegt im Persischen Golf rund 30 Kilometer von der Küste entfernt. Über das dortige Öl-Terminal werden etwa 90 Prozent der iranischen Rohölexporte abgewickelt. Die Insel wurde Ende vergangener Woche von der US-Armee angegriffen. Die iranischen Behörden teilten später mit, die Ölausfuhren liefen normal weiter. Es habe keine Opfer gegeben.
US-Präsident Donald Trump drohte, die Infrastruktur auf der Insel zu zerstören, sollte der Iran weiter die Straße von Hormus blockieren. Durch die Meerenge verläuft für gewöhnlich rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports.
Ruwais – Vereinigte Arabische Emirate (VAR)
Die Raffinerie in Ruwais im Emirat Abu Dhabi ist nach Angaben des staatlichen Ölkonzerns Adnoc die viertgrößte der Welt. Sie stellte in der vergangenen Woche den Betrieb „vorsorglich“ ein, nachdem es in der Nähe einen Drohnenangriff gegeben hatte. Das verlautete aus informierten Kreisen ohne Angaben dazu, ob die Raffinerie selbst getroffen wurde. Adnoc äußerte sich nicht zu dem Thema.
Ras Tanura – Saudi-Arabien
Auf der saudiarabischen Halbinsel Ras Tanura am Persischen Golf befindet sich eine der größten Raffinerien der Region. Mit einer Kapazität von 550.000 Barrel pro Tag ist sie ein wesentlicher Pfeiler der Energiebranche in Saudi-Arabien. Die Raffinerie wurde mehrfach angegriffen, unter anderem bei einem iranischen Drohnenangriff zu Beginn des Iran-Krieges. Wegen eines dadurch ausgelösten Brandes wurde der Betrieb vorübergehend eingestellt.
Yanbu – Saudi-Arabien
Drohnenangriff auf Yanbu am Roten Meer – Gefahr für Suez
In Yanbu in Saudi-Arabien befindet sich die Raffinerie Samref, die dem saudiarabischen Ölriesen Aramco und einer Tochtergesellschaft des US-Konzerns ExxonMobil gehört. Die Raffinerie in einem Industriegebiet am Roten Meer – also weit vom Persischen Golf entfernt – wurde am Donnerstag von einer Drohne getroffen. Nach Angaben des saudiarabischen Verteidigungsministeriums lief „die Bewertung der Schäden“ am Morgen.
Ob Iran oder seine Huthi-Verbündeten im Jemen die Drohne gestartet haben, war zunächst unklar. Der Weg durch das Rote Meer gilt als kritisch für die weltweite Ölversorgung, da eine saudische West-Ost-Pipeline hochgefahren wurde, um die Straße von Hormus zu umgehen. Über vier Millionen Barrel täglich werden seitdem auf dem Landweg Richtung Yanbu und Suez-Kanal umgeleitet, um sie von dort zu verschiffen. Sollte es hier zu Engpässen kommen, wären noch höhere Ölpreise wohl vorprogrammiert.