Kaufbeuren im bayerischen Allgäu führt das neue Blitz-Ranking an, doch die Zahl der Einschläge ist 2025 ungewöhnlich niedrig. Das gilt besonders für den Norden.
Auch wenn dieser Blitz über Dresden beeindruckend aussieht - die Stadt liegt im Ranking nur auf Platz 331. (Archivbild)
Von dpa
Kaufbeuren/Wien - Deutschland hat eine neue Blitzhauptstadt: Mit einer Dichte von 1,23 Blitzen pro Quadratkilometer liegt Kaufbeuren im Allgäu auf Platz eins des vom Blitz-Informationsdienst Aldis/Blids erstellten Rankings der Landkreise, Kreise und kreisfreien Städte, das der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlag. Das sind außergewöhnlich wenige Blitze. Der Spitzenreiter des vergangenen Jahres - das oberbayerische Rosenheim - war da noch auf fast drei Blitze pro Quadratkilometer gekommen.
Auch dieses Jahr finden sich unter den blitzreichsten Städten und Kreisen vor allem solche aus dem Süden - insbesondere dem bayerischen Alpenvorland. Auf Platz zwei liegt Landsberg am Lech mit 1,09 Blitzen pro Quadratkilometer, auf Rang drei Fürstenfeldbruck mit 1,03. Das Alpenvorland gilt als blitzreich - in den meisten Jahren findet sich dort die Blitzhauptstadt, weil das dortige Gelände die Entstehung von Gewittern begünstigt.
Nur eine wirklich alpenferne Stadt in der Spitzengruppe
In den Top Ten des Rankings findet sich dabei nur eine einzige wirklich alpenferne Stadt: das nordrhein-westfälische Mönchengladbach mit 0,98 Blitzen auf Rang vier. Dahinter folgen mit Dachau (0,93), Ostallgäu (0,86), Oberallgäu (0,84) und Rosenheim (0,83) weitere bayerische Landkreise auf den Rängen fünf bis acht. Neun und zehn gehen mit Sigmaringen (0,77) und dem Alb-Donau-Kreis (0,74) an Baden-Württemberg.
Wer Angst vor Blitzen hat, war dagegen 2025 in Kiel am sichersten. Dort zählten die Experten insgesamt nur sechs Blitze - also 0,05 pro Quadratkilometer. Ebenfalls sehr blitzarm waren Magdeburg, Neumünster, Wilhelmshaven und Plön mit je 0,06 Blitzen pro Quadratkilometer. Auf 0,07 Blitze kamen Segeberg, Witmund, Schwerin und Herne. Vier der neun blitzärmsten Städte und Kreise finden sich damit in Schleswig-Holstein, zwei in Niedersachsen und je einer in NRW, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt.
Auch auf Ebene der Bundesländer liegt der Süden vorne: Bayern hat die höchste Blitzdichte mit 0,43 pro Quadratkilometer und mit rund 30.000 Blitzen auch die absolut höchste Zahl an Erdblitzen. Platz zwei ging an Baden-Württemberg mit knapp 15.000 Blitzen. Deutschlandweiter Durchschnitt bei der Blitzdichte waren 0,28 Erdblitze pro Quadratkilometer.
Der Blitz mag Feuchtigkeit und Hitze
2025 war insgesamt ein ungewöhnlich blitzarmes Jahr. Deutschlandweit waren es nur rund 100.000 Erdblitze - etwa halb so viele wie 2024. Diese Zahl war allerdings schon im Januar bekanntgeworden. Wärme und Feuchtigkeit machen Blitze wahrscheinlicher, weswegen sie vor allem im Sommer auftreten, in besonders trockenen Jahren aber tendenziell seltener sind. 2025 war es dabei oft entweder zu kalt oder zu trocken für starke Blitzaktivität.
Die von Aldis/Blids erhobenen Zahlen unterscheiden sich von anderen Blitzstatistiken, die daher teilweise zu deutlich anderen Ergebnissen kommen. In der hier genannten Statistik zählen nur Erdblitze - also Einschläge und keine Entladungen in den Wolken. Zudem kommt es häufig vor, dass durch einen Blitzkanal in kürzester Zeit mehrere Entladungen fließen. Für Beobachter sieht das wie ein Flackern des Blitzes aus. Fachleute unterscheiden hier zwischen einem "Flash" und mehreren "Strokes". Die Aldis/Blids-Statistik zählt in diesem Fall einen Blitz, also "Flash".
Das Alpenvorland ist in der Regel besonders gewitterreich. (Archivfoto)
Das Alpenvorland gilt generell als blitzreich. (Archivfoto)