Beim Weltweihnachtscircus treten nach Protesten keine Tiere mehr auf. Die Aktivisten wollen aber mehr.
Gegen Veranstaltungen mit Tieren wurde auf dem Schlossplatz demonstriert.
Von Jürgen Bock
Stuttgart - Es ist nur eine kleine Gruppe, die am Samstagmittag im Regen auf dem Schlossplatz in Stuttgart Plakate in die Höhe hält und danach lautstark durch die Innenstadt zieht. Vielleicht 50 Menschen sind gekommen, um für Tierrechte auf die Straße zu gehen. Allerdings haben die Aktivistinnen und Aktivisten zuletzt mehrfach auf sich aufmerksam gemacht, Erfolge erzielt – und eine Diskussion entfacht, die kaum jemanden kalt lässt.
Nach massiven Protesten ging zuletzt die Führung des Stuttgarter Weltweihnachtscircusses in die Knie. Künftig wird es dort keine Tiernummern mehr im Programm geben. Keine Pferde, keine Tauben, erst recht keine Wildtiere – für die gilt auf dem Cannstatter Wasen bereits seit 2019 ein Verbot. Ein Thema, das die Besucher durchaus spaltet. Auf dem Weihnachtsmarkt ist im vergangenen Jahr die lebendige Krippe mit Esel und Schafen abgeschafft worden. Im zuständigen Ausschuss des Gemeinderats hatte es eine entsprechende Mehrheit gegeben.
Doch das geht den Tierschützern nicht weit genug. Vor Kurzem gab es Proteste vor der Schleyerhalle – und kurzzeitig im Inneren – gegen die Pferdeshow Cavalluna. Die soll es künftig nicht mehr geben, wenn es nach Animal Rights Watch Stuttgart oder dem Kollektiv Tierbefreiung geht. „Wir wollen keine Unterhaltung mit Tieren mehr in Stuttgart sehen“, sagt dessen Sprecherin Emilia Schüler auf dem Schlossplatz. Es brauche ein umfassendes Tierschauverbot für die Stadt. Das hätte Folgen. Volksfestumzug, Cavalluna, Zirkusse oder die Messe Animal – all dies dürfte gar nicht mehr oder nur noch ohne Tiere stattfinden. Und die Wilhelma? „Wir wollen realistisch bleiben und nur Dinge angehen, die man problemlos beenden kann. Wie die Tiernummern im Weltweihnachtscircus“, sagt Schüler.
Dabei gehen die Tierschützer zweigleisig vor. Zum einen soll über die Tierschutzpartei noch in diesem Monat das Thema in den Gemeinderat eingebracht werden. Zum anderen sollen alle Veranstalter und beteiligten Unternehmen weiterhin direkt angegangen werden. „Es wird keine solche Veranstaltung in Stuttgart mehr ungestört sein“, kündigt Schüler an. Und dafür reichen schließlich auch wenige Mitstreiter aus.