Jedes Jahr im Mai wird vor Spätfrost gewarnt: Schuld sollen die Eisheiligen sein. Doch wer steckt hinter den Namen – und wie zuverlässig sind die alten Regeln?
Die Eisheiligen sollen im Mai noch einmal Frost bringen.
Von Katrin Jokic
Als Eisheilige werden mehrere Gedenktage katholischer Heiliger im Mai bezeichnet. Nach alten Bauernregeln markieren sie eine Zeit, in der es noch einmal zu Kälteeinbrüchen und Nachtfrost kommen kann.
Die Tradition geht auf den julianischen Kalender zurück. Durch die Kalenderreform von 1582 haben sich die tatsächlichen Wetterphasen jedoch um etwa eine Woche verschoben. Trotzdem sind die Eisheiligen bis heute ein fester Bestandteil landwirtschaftlicher Erfahrung und populärer Wetterregeln.
Namen und Daten der Eisheiligen
Die klassischen fünf Eisheiligen sind:
Regional gibt es Unterschiede: In Norddeutschland beginnt die Reihe meist mit Mamertus, in Süddeutschland gilt oft Pankratius als erster Eisheiliger. Häufig werden nur die drei „Eismänner“ (Pankratius, Servatius, Bonifatius) gezählt – ergänzt um die „Kalte Sophie“.
Mamertus (11. Mai): Ein Bischof aus dem 5. Jahrhundert und Schutzpatron unter anderem gegen Feuer und Krankheiten. In Norddeutschland gilt er als Auftakt der Eisheiligen.
Pankratius (12. Mai): Ein frühchristlicher Märtyrer, der als Jugendlicher in Rom hingerichtet wurde. Er zählt auch zu den Vierzehn Nothelfern und gilt als Schutzpatron für Saat und Pflanzen.
Servatius (13. Mai): Ein Bischof, dessen historische Figur nicht eindeutig ist. Ihm werden Vorhersagen von Katastrophen zugeschrieben. Er wird häufig bei Frostschäden angerufen.
Bonifatius (14. Mai): Ein Märtyrer, der der Überlieferung nach durch sein Bekenntnis zum Christentum hingerichtet wurde. Sein Name bedeutet „Wohltäter“.
Sophia (15. Mai): Bekannt als „Kalte Sophie“. Sie ist die letzte Eisheilige und steht symbolisch für das Ende möglicher Spätfröste. Nach ihr soll das Wetter stabil bleiben.
Sprichwörter und Wissenswertes
Zahlreiche Bauernregeln haben sich rund um die Eisheiligen entwickelt. Einige der bekanntesten:
Diese Regeln stammen aus dem Mittelalter und spiegeln regionale Erfahrungen wider. Damals war das Klima kühler (Stichwort: Kleine Eiszeit), und Spätfröste konnten Ernten ernsthaft gefährden.
Aus heutiger Sicht gilt:
Trotzdem behalten die Eisheiligen ihre praktische Bedeutung: Wer empfindliche Pflanzen schützt oder erst nach Mitte Mai ins Freie setzt, reduziert das Risiko von Frostschäden.