Der Soulsänger Xavier Naidoo, der sich 2022 von seinen Verschwörungstheorien distanzierte, irritiert nun erneut mit extremen Äußerungen – und will ein Treffen mit Merz.
Sänger Xavier Naidoo bei seinem Konzert in der Schleyerhalle Ende Januar.
Von Julia Hawener/dpa
Es gab eine Zeit, da schien keine Verschwörungstheorie verrückt genug für den Mannheimer Soulsänger Xavier Naidoo. Seine Äußerungen zu Migration, Corona oder „unterirdischen Organisationen“ sorgten für deutlich mehr Schlagzeilen als sein musikalisches Talent. 2022 entschuldigte er sich für seine Aussagen – doch nun polarisiert er wieder.
Im Internet sind Videos im Umlauf, in denen Naidoo bei einer Demonstration in Berlin am Dienstag seinem Unmut über die in den Epstein-Files auftauchenden Personen Luft macht. Der 54-Jährige nannte Missbrauchstäter „Kinderfresser“ und „Dämonen“. Sie seien seiner Ansicht nach keine Menschen, aber ihnen sei es das Wichtigste, „dass wir alle Kannibalen werden, damit wir alle in die Hölle runterfahren“.
Hey @LAYS hier ist jemand, der aufs übelste verklagt werden möchte. Imagine du stehst da drumherum und brichst nicht in LAUTESTES Gelächter aus und verpisst dich.#Naidoopic.twitter.com/gxyEQjcblY — Robert B. #taxtherich #niemehrCDUCSU (@RobertBoni6) February 17, 2026
Worauf Xavier Naidoo mit seinen Aussagen konkret anspielte, ließ der Sänger offen. In den bisher veröffentlichten Unterlagen zum Fall Jeffrey Epstein existieren laut Faktenprüfern keine bestätigten Belege oder konkreten Anklagepunkte, die Epstein oder sein Umfeld unmittelbar mit Kannibalismus in Verbindung bringen.
Xavier Naidoo entschuldigt sich öffentlich
Jahrelang stand der Sänger Xavier Naidoo wegen rechtspopulistischer Äußerungen in der Kritik, spekulierte unter anderem öffentlich darüber, dass eine globale Elite im Untergrund Kinder missbraucht und leugnete den Klimawandel sowie die Corona-Pandemie. Im Jahr 2022 kam dann die vermeintliche Kehrtwende: In einem rund dreiminütigen Video distanzierte sich der Soulsänger von früheren Aussagen: „Ich habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich teilweise befunden habe, und dass ich in den letzten Jahren viele Fehler gemacht habe“, sagte er. Rassismus sei mit seinen Werten nicht vereinbar.
Bereits damals wurden von Kritikern Zweifel darüber geäußert, wie aufrichtig seine Entschuldigung und damit seine Abkehr von der Szene der Verschwörungstheoretiker ist. Sie sahen es eher als strategischen Schritt zur Wiederbelebung seiner Karriere statt tatsächlicher Reue.
Viele Fans hatten Naidoo jedoch augenscheinlich vergeben. Im Dezember vergangenen Jahres feierte der umstrittene Sänger in der voll besetzten Kölner Lanxess-Arena sein Comeback und startete seine Tour unter dem Titel „Bei meiner Seele“. Auch in Stuttgart begeisterte der Musiker aus Mannheim Ende Januar in der vollen Schleyerhalle die Besucherinnen und Besucher – ganz ohne kontroverse Äußerungen oder Liederzeilen.
Xavier Naidoo will in Berlin Bundeskanzler Merz sprechen
Am Dienstag vor dem Kanzleramt sah die Situation dann anders aus. Nicht nur die Missbrauchstäter nannte Xavier Naidoo Kannibalen. Der Sänger sei sich zudem sicher, dass wir „unwissentlich alle schon einen Menschen gefressen“ hätten. Die Firma Lays mache laut dem Musiker „embryonales Gewürzmittel“ auf ihre Chips. Keiner solle sich wundern, wenn „morgen eine Flut käme oder Feuer vom Himmel regnen würde“, denn es seien „alle schuld“. Vor Ort sagte er außerdem noch, er wolle mit Friedrich Merz (CDU) über die Epstein-Files diskutieren. Zu einem Treffen mit dem Bundeskanzler kam es allerdings nicht.
Antisemitismusbeauftragte bewertet Naidoos Wortwahl als radikalisierend
Der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte bewertet Naidoos Wortwahl als radikalisierend. „In der Vergangenheit hat Xavier Naidoo mit sehr deutlichen Anspielungen wie „Tothschild“ die Spur zum Antisemitismus gelegt und dies leider nicht glaubwürdig aufgearbeitet“, sagte Michael Blume. „Ein großer Teil seiner Anhängerschaft wird daher auch die Begriffe „Kinderfresser“ und „Menschenfresser“ als antijüdische Verschwörungsmythen aufnehmen.“ Dies sei sehr gefährlich.
Seit Jahrhunderten gibt es die antisemitische Verschwörungserzählung, die besagt, dass Juden aus rituellen Gründen kleine Kinder töteten. Naidoos Management äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht.