Kleines Paradies für tausend Arten

Bürgerpreis Rems-Murr Der Nabu Backnang hat an der Tausschule den naturnah gestalteten Tausendartengarten geschaffen. Er soll Insekten und Kleintieren als Rückzugsort dienen und zugleich Modell und Inspirationsquelle für den Naturschutz vor der Haustür sein.

Kleines Paradies für tausend Arten

Beim Zaunbau packen die Ehrenamtlichen tatkräftig an. Foto: Alexander Becher

Backnang. Tausend Arten sollen auf dem 300 Quadratmeter großen Grundstück an der Tausschule in Backnang vorkommen können. So zumindest legt es der Name des Projekts nahe. Genau Buch führen kann man natürlich nicht, aber in einer Whatsapp-Gruppe des Nabu Backnang werden schon eifrig Bilder geteilt, die verschiedene Tierchen zeigen. Wann immer jemand im Garten ein neues Insekt sieht, wird das Handy gezückt. Und so finden sich darin Fotos von Schmetterlingen wie dem Zitronenfalter, dem Hummelschwärmer oder dem Großen Ochsenauge genauso wie von Gichtwespen oder Schwebfliegen.

„Wir wollten Insekten und Kleintiere anlocken. Da sehen wir erste Erfolge“, freut sich Nabu-Sprecherin Anja McGrath. Seit Frühjahr 2025 gestaltet die Ortsgruppe die ehemals einfache Wiese in ein Paradies für die heimische Flora und Fauna um. Vieles hat sich verändert: „Die Erdbewegungen sind alle gemacht, die Strukturen sind fertig, die Pflanzen sind gepflanzt“, blickt Anja McGrath zurück. Trotzdem ist die Arbeit noch nicht zu Ende.

An diesem Abend bauen die Ehrenamtlichen den Staketenzaun um das Grundstück herum. Dieser soll keinesfalls Interessierte von einem Besuch abhalten. Das Tor hat kein Schloss, lässt sich also jederzeit öffnen. Vielmehr soll der Zaun verhindern, dass kleine Kinder selbstständig auf das Gelände gelangen und womöglich in den Teich fallen, erklärt die Nabu-Sprecherin.

Also packen acht Personen an, setzen das Tor ein, schrauben es in der Verankerung fest und rollen dann den Zaun aus. Zwar hat ein Fachbüro das Projekt betreut, doch ein Großteil der Arbeit wird im Ehrenamt erbracht. „Wir haben die Grasnarbe abgestochen und Steine eingesetzt“, erklärt Grit Spielhagen, eine der Verantwortlichen für den Tausendartengarten, die Vorarbeiten. Die Steine waren eine Spende, sie stammen aus einem Abrisshaus. Auch das Material für die Totholzhecke habe man in Teilen von der Stadt Backnang und von Privatpersonen gestellt bekommen. Wer für das Projekt 100 Euro oder mehr spendet, dem wird eine Schieferplakette mit seinem Namen im Garten gewidmet. Der Verein hat auch bereits Firmen angeschrieben, um sie als Sponsoren zu werben.

Später soll wenig Pflege nötig sein

Gerade am Anfang macht der Tausendartengarten noch viel Arbeit. Klar, es muss schließlich alles gebaut, hergerichtet und gepflanzt werden. „Die ersten zwei bis drei Jahre ist der Garten etwas pflegeintensiver“, erklärt Anja McGrath. Danach soll das naturnah gestaltete Grundstück mit möglichst wenig Einflussnahme von außen gedeihen. Man wolle bewusst etwas Wildnis zulassen. Und auch gegossen wird nur so viel wie nötig – schließlich sollen die Pflanzen tief wurzeln und so klimarobust sein.

Momentan ist allerdings noch manches an Pflege zu leisten. Isolde Spitzer, Grit Spielhagen und Ulrike Suttka entfernen beispielsweise Ampfer, Ackerdisteln und Spitzwegerich. Gerade Letzterer sei an sich eine gute Pflanze, sagt Isolde Spitzer. Doch sie sei ein wenig zu dominant – man wolle schließlich, dass auch andere Stauden gedeihen können. „Es gibt so vieles, was man noch machen könnte“, sagt sie und nennt beispielsweise einen Käferkeller oder einen eigenen Komposthaufen. „Aber irgendwann ist der Platz auch weg“, musste Isolde Spitzer feststellen. Mit den geschaffenen Strukturen ist sie sehr zufrieden: „Die Wiese ist so toll geworden, das hätte ich nicht gedacht.“ Mit der Naju-Gruppe, welche sie betreut, sei ein Besuch vorgesehen. Anja McGrath fügt hinzu, dass auch die Schulen für Kooperationen willkommen sind – „wenn es in den Lehrplan reinpasst“. Und auch Führungen für Vereine sollen angeboten werden. Isolde Spitzer, die auch bei den Landfrauen in Maubach aktiv ist, hat diesbezüglich schon einen Anfang gemacht.

Das Interesse sei groß bei allen, die am Tausendartengarten vorbeikommen, hat Grit Spielhagen bemerkt. Und auch die Nachbarn seien dem Projekt gegenüber aufgeschlossen. Das ist wiederum bei den Nabu-Mitgliedern gern gesehen. „Er ist eine Art Schaugarten“, sagt Antje Schlosser über den Garten. Der Bevölkerung werde gezeigt, welche heimischen Stauden es gibt. „Es braucht Trittsteinbiotope“, betont sie. Jeder Beitrag auf Balkonen, im Garten oder auf einer Wiese helfe. Der Tausendartengarten zeigt: Es gibt für alle Voraussetzungen geeignete Pflanzen.

Nahrung und Rückzugsort für viele verschiedene Arten

Ziel Der Tausendartengarten soll ein Trittsteinbiotop sein, also ein Teil der Vernetzung von Lebensräumen für Insekten, Vögel und andere kleine Tiere. Zusätzlich dient er aber auch als Inspirationsquelle für die naturnahe Gestaltung von Flächen.

Strukturen Laut Nabu wurden auf dem Grundstück fünf Bäume, 80 heimische Sträucher, 250 Stauden und rund 1500 Zwiebeln von Frühlingsblühern gepflanzt. Darüber hinaus findet sich im Garten ein Senkgarten mit Teich, ein Sandarium, eine Totholzhecke, eine Trockenmauer sowie eine nährstoffreiche Kräuterwiese. Diese Strukturen bieten Nahrung und Rückzugsort.

Link Mehr zum Projekt gibt es unter www.nabu-backnang.de/naturgarten.