Der Ex-Bundestrainer kritisiert die deutsche Haltung gegenüber WM-Gastgeber USA und der Fifa.
Von Thomas Bachmann
Huntington Beach - Der frühere Bundestrainer und Ex-VfB-Stürmer Jürgen Klinsmann sieht in der Debatte um die Kritik an WM-Gastgeber USA und dem Fußball-Weltverband Fifa eine deutsche Vorverurteilung. „Wir haben leider die Tendenz entwickelt, andere Länder zu beurteilen, obwohl wir sie in Wahrheit gar nicht kennen. Wir spielen uns auf als oberster Richter der Welt“, sagte der 61-Jährige der Funke Mediengruppe. Man solle sich bei der WM auf den Fußball konzentrieren und Respekt gegenüber den Gastgebern zeigen.
Klinsmann, der selbst schon lange in den USA lebt, betonte, dass er die Kritik verstehe und die Probleme sehe. Dennoch empfahl er, unbedingt als Fan in die USA zu reisen. „Wer sich ein Bild von einem Land machen will, sollte das vor Ort tun. Aus dem heimischen Sessel alles beurteilen zu wollen, ist ja genau das, was mich so stört“, sagte der Ex-Nationalspieler. Amerika sei trotz aller derzeitigen Probleme ein großartiges Land.
Vor allem an den USA war zuletzt Kritik aufgekommen, was vor allem mit dem Krieg des Co-Gastgebers gegen den Iran zu tun hat. Klinsmann riet der Nationalmannschaft, sich nicht wie in Katar politisch zu positionieren. Damals hielten sich die Spieler aus Protest gegen das Fifa-Verbot der One-Love-Kapitänsbinde die Münder zu. „„Da wusste ich schon, dass diese WM brutal in die Hose gehen wird. Das war absolut respektlos gegenüber dem Gastgeber“, sagte Klinsmann.