Smartwatch mit Pulsmesser sind in der Lage, die elektrische Aktivität des Herzens aufzuzeichnen - wie bei einem EKG.
Von Regine Warth
Herzrhythmusstörungen gehören zu den häufigsten Herzerkrankungen der Bundesbürger: Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung wird jeder dritte 55-Jährige im Laufe seines weiteren Lebens ein Vorhofflimmern – eine der häufigsten Formen dieser Rhythmusstörung – entwickeln. Eine solche Störung kann sich in Beschwerden wie Luftnot, Herzklopfen, Schmerzen in der Brust, Schwindel und Angstzustände äußern. Und manchmal spüren die Betroffenen auch einfach nichts.
Das kann aber gefährlich enden, warnen Kardiologen: „Herzrhythmusstörungen können harmlos sein oder lebensgefährliche Komplikationen wie Schlaganfall, Herzschwäche oder einen plötzlichen Herztod verursachen“, sagt Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Es ist daher hilfreich, dass Menschen ab 50 Jahren sich zur Gewohnheit machen, regelmäßig selbst ihren Puls zu fühlen, fordert der Kardiologe. „Sollten Unregelmäßigkeiten auftauchen, sollten diese ärztlich abgeklärt werden.“
Erst den Herzschlag checken und dann zum Arzt gehen
Wearables wie beispielsweise Smartwatches oder Fitnessarmbänder können dabei einen wichtigen Beitrag leisten: „Auf diese Weise ist es allen Bürgern niederschwellig möglich, solche Rhythmusstörungen sichtbar zu machen“, sagt Stefan Blankenberg, Kardiologe und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Er erlebe es häufig, dass Patienten damit Hinweise auf Unregelmäßigkeiten erkennen und daraufhin einen Arzt aufsuchen, weshalb er den Trend zur Selbstmessung zumindest in dieser Hinsicht als begrüßenswert bezeichnet.
Die Daten, die Wearables liefern, können je nach Modell Pulskurven und die elektrische Aktivität des Herzens (EKG) aufzeichnen. Die Daten können auf ein Smartphone oder ein Tablet übertragen werden und lassen sich etwa per E-Mail weiterschicken, beispielsweise an den behandelnden Arzt.
Vorhofflimmer wird von der Smartwatch erkannt
Experten der Herzstiftung wie Christian Veltmann, Kardiologe und Elektrophysiologe in der Elektrophysiologie Bremen am Klinikum Links der Weser, haben den Geräten schon im Jahr 2023 eine hohe Treffsicherheit bei der Erkennung von Herzrhythmusstörungen zugesprochen: „Beide für die EKG-Funktion von Wearables genutzten Verfahren – ob mit Elektroden oder Photoplethysmographie – sind in der Lage, Vorhofflimmern mit einer Sensitivität von über 90 Prozent zu erkennen“, heißt es in einem Bericht für die Deutsche Herzstiftung.
Das heißt: „Weniger als zehn Prozent der Vorhofflimmervorkommnisse werden von Wearables fälschlicherweise als normal diagnostiziert.“ Auch die Spezifität – also die Zuverlässigkeit, einen normalen Rhythmus zu erkennen, wenn dieser auch wirklich vorliegt – liegt bei mehr als 90 Prozent.
Dennoch wird aktuell eine medizinisch anerkannte Überwachung mit Wearables von der deutschen Leitlinie nicht empfohlen, da dieses Screening noch nicht flächendeckend umgesetzt werden kann und die therapeutische Konsequenz noch Gegenstand von klinischen Studien ist, zieht Veltmann sein Fazit. Auch der Präsident der Kardiologischen Fachgesellschaft sieht Schwachstellen: „Das Problem ist, dass die Wearables derzeit hauptsächlich von Menschen getragen werden, die ohnehin sehr gesundheitsbewusst sind und regelmäßig Arzttermine wahrnehmen“, sagt Blankenberg. „Wir müssen vielmehr dafür Sorge tragen, dass Wearables auch der Bevölkerungsgruppe zugute kommen, die keine zuverlässigen Arztkontakte hat.“