Kommentar: Alles hängt am Strom
Von Rainer Pörtner
Stuttgart - Wenn es um das Wettrennen bei Künstlicher Intelligenz, Clouddiensten und Großrechnern geht, steht Deutschland im europäischen Vergleich gar nicht so schlecht da. Im globalen Maßstab jedoch sind die USA und China weit enteilt. Vermutlich sogar uneinholbar enteilt. Angesichts der amerikanisch-chinesischen Übermacht muss der unbedingte Anspruch Europas sein, zumindest Reste einer digitalen Autonomie zu bewahren. Dazu braucht es eine große, konzertierte Offensive der Europäer. Mit ihrer „Nationalen Rechenzentrumsstrategie“ zeigt die Bundesregierung immerhin den Ehrgeiz, hier vorne mit dabei sein zu wollen.
Die allgemeinen Rechenkapazitäten in Deutschland sollen bis 2030 verdoppelt, die Kapazitäten für KI sogar vervierfacht werden. Das sind ambitionierte Ziele. Ob sie termingerecht erreichbar sind, sei dahingestellt: Entscheidend sind die Anreize zum Bau der Rechenzentren, die jetzt von Seiten des Staates gegeben werden. Ansiedlung auf Brachflächen ehemaliger Industriebetriebe, beschleunigte Planungsverfahren, Vorteile für Kommunen bei der Gewerbesteuer – das sind alles Maßnahmen, die in die richtige Richtung gehen. Entscheiden wird sich die Attraktivität des Standorts Deutschland für große Rechenzentren aber über die zuverlässige Versorgung mit bezahlbarem Strom. Die Voraussetzungen dafür zu schaffen, ist die eigentliche Aufgabe dieser Regierung. Und da sieht sie bisher nicht gut aus.