Kommentar: Beitrittsversprechen und Beitrittshürden
Von Ellen Hasenkamp
Es ist eigentlich ein Wahnsinns-Vorhaben: Die EU, in der sich schon jetzt 27 so unterschiedliche Staaten wie Bulgarien, Schweden und Spanien tummeln, soll noch größer werden. Die Ukraine begehrt aus Angst vor Russland ebenso Einlass wie die Republik Moldau. Und die sechs Staaten des Westbalkan stehen ohnehin schon seit rund zwei Jahrzehnten in der Warteschlange.
Aber für die Balkan-Länder wird es, mal abgesehen vom ehrgeizigen und ohnehin nur 600.000 Einwohner großen Montenegro, so bald wohl nichts werden mit dem Beitritt. Die Zielstrebigkeit in Richtung EU lässt vielfach auch zu wünschen übrig: Serbien beispielsweise flirtet lieber mit Moskau, Bosnien und Herzegowina kämpft gegen die internen Abspaltungswünsche, Kosovo hat noch nicht mal Kandidatenstatus.
Eigentlich sollte sich Europa solche Probleme besser vom Hals halten. Wenn da nicht die Konkurrenz aus dem Osten wäre. China und Russland umwerben den Westbalkan mit Geld und Versprechen. Wendet sich Europa ab, füllen sie die Lücke. So kommt es zum Schwebezustand zwischen Beitrittsversprechen und Beitrittshürden. Ewig lässt sich das nicht ausdehnen.
Es sind aber nicht nur die Kandidaten gefordert. In ihrer jetzigen Form wären die EU und ihre komplizierten Formate mit sechs oder gar acht neuen Mitgliedern überfordert. Selbst wenn der Westbalkan bereit wäre: Die EU ist es nicht.