Kommentar: Beunruhigender Vorgang
Von Bettina Hartmann
Es ist ein beispielloser Vorgang: Dass ein Krankenhaus in der Größenordnung des Stuttgarter Marienhospitals in die Zahlungsunfähigkeit rutscht, ist beunruhigend. Die Klinik hat eine lange Tradition, einen hervorragenden, weit über Stuttgart hinausreichenden Ruf und ist für ihre hohe Spezialisierung etwa auf Brandopfer bekannt. Wenn also selbst das 1890 von den Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Untermarchtal gegründete Haus ein Sanierungsfall wird, was bedeutet das dann für weniger gut aufgestellte Kliniken?
In der deutschen Kliniklandschaft brodelt es. Jedes dritte Haus ist Experten zufolge vom Aus bedroht. Als Gründe gelten etwa unzureichende, staatlich fixierte Fallpauschalen, gestiegene Sach- und Personalkosten sowie der Trend zu ambulanten Behandlungen. Hinzu kommt der Fachkräftemangel, der durch teure Leiharbeiter eher schlecht als recht ausgeglichen wird. So genannte freigemeinnützige Kliniken, etwa mit kirchlichen Trägern wie das Marienhospital, können obendrein bei Defiziten nicht mit kommunalen Zuschüssen rechnen.
Nicht jede Insolvenz führt gleich zur Schließung – auch beim Marienhospital besteht Hoffnung. Dennoch sollte der Fall ein Weckruf an die Politik sein. Sicher, ein Krankenhaus sollte wirtschaftlich arbeiten. Doch müssen Hospitäler wirklich Gewinne machen? Profit sollte jedenfalls nicht über der Gesundheit der Bevölkerung stehen.