Kommentar: Eine Frage der Menschlichkeit

Kommentar: Eine Frage der Menschlichkeit

Von Knut Krohn

Europa ist ein Stück unmenschlicher geworden, sagen die einen. Die EU passt sich der Realität an, betonen die anderen. Die Verschärfung der Asylregeln und der geplante Aufbau von Rückkehrzentren in Drittstaaten lassen tatsächlich beide Sichtweisen zu. Aber selbst die Kritiker der umstrittenen Reform müssen einräumen, dass die chaotische europäische Migrationspolitik dringend überholt werden muss. Das wird nun getan.

Dazu zählt auch eine gewissen Härte gegenüber jenen Menschen, die das System ausnutzen. Aus diesem Grund ist es richtig, straffällig gewordene Asylbewerber schneller abzuschieben. Es ist jedoch ein Armutszeugnis, dass die Demokraten erst von den bedrohlich steigenden Sympathiewerten für die Rechtspopulisten zum Handeln gedrängt werden mussten. Deutlich wird dies am Beispiel Deutschland. Nach den lähmenden Ampeljahren kann es Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) im Kampf gegen die illegale Migration nicht schnell genug gehen.

Mit der Verschärfung der Asylregelungen werden die Probleme aber nur verlagert. Verzweifelte Menschen machen sich weiter auf den Weg, in der Hoffnung auf Schutz und ein besseres Leben. Europa kann davor nicht die Augen verschließen. Die EU muss vielmehr verstärkt daran arbeiten, das Leid in den Herkunftsländern zu lindern. Am Ende steht die entscheidende Frage, wie viel Hartherzigkeit eine demokratische Gesellschaft erträgt, ehe sie ihre Menschlichkeit verliert.