Kommentar: Hysterische Reflexe hemmen Reformen

Kommentar: Hysterische Reflexe hemmen Reformen

Von Armin Käfer

Ein Gespenst geht um in Deutschland: die Rente mit 70. Manche reagieren schon hysterisch, wenn auch nur das Gerücht die Runde macht, es könne sie einmal geben – wie am Donnerstag. Es gab Berichte, wonach die Experten, die demnächst ein Reformkonzept für die Rentenversicherung vorlegen sollen, angeblich auch über die Rente mit 70 nachdächten. Es wäre ein Ausweis eigener Unfähigkeit, wenn sie das nicht täten. Wie und wann es dazu kommt, ist damit noch lange nicht gesagt. Aber es war ohnehin nur ein Gerücht, das letztlich dementiert wurde.

Dennoch reagierten einschlägig Verdächtige wie der sprichwörtliche Pawlowsche Hund: Sowohl aus dem Deutschen Gewerkschaftsbund als auch vom Arbeitnehmerflügel der CDU tönte reflexhaft Protest. In diesem Punkt hat aber der Kanzler recht: Demografie und Mathematik sprechen dafür, das Renteneintrittsalter der Lebenserwartung anzupassen – behutsam über Jahrzehnte. Die Alternativen wären: weniger Geld für die Rentner oder höhere Beiträge. Soweit die Mathematik. Nun zur Demografie: Die Lebenserwartung ist in den vergangenen 20 Jahren schneller gestiegen als das Renteneintrittsalter. Das ist einer der Gründe für die Reformbedürftigkeit der Rente.

Die allseits für notwendig erachtete Reform ist aber von vornherein zum Scheitern verurteilt, wenn jede angedachte Veränderung niederprotestiert wird. Diese Unsitte macht Deutschland reformunfähig.