Kommentar: Keine Frage der Wirtschaftlichkeit
Von Norbert Wallet
Mehr als 3000 Angriffe auf Bahnmitarbeiter meldet die Deutsche Bahn für das vergangene Jahr. Es war also längst fällig, dass sich die Bahn am Freitag mit Vertretern von Bund, Ländern und Gewerkschaften zusammengesetzt hat, um zu beraten, wie die Sicherheit der Bahnmitarbeiter erhöht werden kann.
Das konkreteste Ergebnis ist die Ausstattung aller Mitarbeitenden im Fern- und Nahverkehr sowie an Bahnhöfen mit Bodycams, sofern sie Kundenkontakt haben. Wirklich neu ist das nicht, denn im Nahverkehr waren sie auf freiwilliger Basis auch jetzt schon verfügbar. Nun wird das auf Fernverkehr und Bahnhöfe ausgeweitet. Das ist gut so. Alle Erfahrungen zeigen, dass die Bodycams eine deeskalierende Wirkung haben.
Nur ist vor falschen Hoffnungen zu warnen: Bodycams schützen nicht vor spontanen Kurzschluss-Taten. Sie sind deshalb eine Ergänzung, kein Ersatz für mehr Personal. Dass Zugbegleiter in Regionalzügen meist alleine unterwegs sind und sich auch buchstäblich alleine gelassen fühlen, muss nicht sein. Da sind Vorwürfe an die Bahn falsch adressiert. Die entscheidet nur im eigenwirtschaftlichen Fernverkehr. Bei den Regionalbahnen sind die Länder in der Pflicht. Doppelbesetzungen scheitern zumeist an den Verträgen der Länder mit der Bahn. Sie bestellen, was die Bahn im Regionalverkehr zu liefern hat – und sie zahlen dafür. Sicherheit kostet, und sie ist eine politische Frage. Keine wirtschaftliche.