Kommentar: Stilfragen und Wahrheiten

Kommentar: Stilfragen und Wahrheiten

Von Guido Bohsem

Häme, Spott und Boshaftigkeit, das sind in etwa die Reaktionen, die Friedrich Merz (CDU) derzeit erntet. In einem Interview hatte er gesagt: „Kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen.“ Eine gute Überschrift, dachten die Kollegen vom „Spiegel“. Tatsächlich reichte anderen Medien eben diese Überschrift aus, um aus vollen Rohren gegen den ach so wehleidigen Regierungschef zu schießen. Merz darf sich bestätigt fühlen. Schließlich war genau das sein Punkt. Er hatte – ohne großes Wehklagen übrigens – auf die Wirkungsmechanismen der Medienwelt hingewiesen. Die wachsende Aufgeregtheit, die fast schon wollüstige Freude an der Empörung, das Ergötzen an der Zerstörung des demokratisch gewählten Führungspersonals.

Dieser unheilvolle Geist hat die Flasche längst gesprengt, und auch ein Bundeskanzler kann ihn nicht mehr einfangen. Die Politik muss lernen, damit umzugehen. Sie muss vielleicht auch das politische Handwerk reformieren, den Gesetzgebungsprozess und den etablierten Weg zum Kompromiss.

Dieser politische Ansatz wird in der dauerpräsenten Öffentlichkeit ironischerweise künftig klandestiner sein müssen, heimlicher und geheimer. Auf diese Weise ließe sich das Störfeuer umgehen. Den anderen Ansatz repräsentiert Donald Trump, der die Öffentlichkeit von Empörung zu Empörung treibt, um von seinen eigentlichen Absichten abzulenken. Was davon wollen wir?