Kommentar: Thema Palmer wird den Grünen bleiben

Kommentar: Thema Palmer wird den Grünen bleiben

Von Reiner Ruf

Jetzt werden wieder alle sagen, es sei doch von vornherein klar gewesen, dass Boris Palmer nicht in die Landesregierung wechsle. Der Tübinger Oberbürgermeister habe mit seinen Andeutungen nur das getan, was er am besten könne: sich wichtig machen. Die andere Variante lautet: Logisch, dass der wahrscheinliche Ministerpräsident Cem Özdemir sich diesen Egomanen nichts ins Kabinett hole. Özdemir habe schließlich keine Lust, sich von Palmer die Show stehlen zu lassen. Und die grüne Partei hätte den Tübinger, der seit fast drei Jahren nicht mehr deren Mitglied ist, ohnehin nicht geduldet.

An alledem mag etwas dran sein. Sehr viel sogar. Dennoch ist die Debatte um Palmer, die sich nun an der Frage des Kabinettseintritts kristallisierte, keine reine Luftnummer. Die Landtagswahl hat in verschärfter Form gezeigt: Wahlen werden immer mehr zu Persönlichkeitswahlen. Und da sieht es bei den Südwest-Grünen hinter Winfried Kretschmann, Cem Özdemir und Danyal Bayaz mau aus. Palmer zieht auch bei Menschen, die den Grünen und überhaupt den demokratischen Parteien eher fern stehen.

Palmers Schwäche und Stärke zugleich besteht darin, das er gern gegen den Strich bürstet. Das verschafft Aufmerksamkeit. Für eine Selbstfindung der Landespartei als „CSU der Grünen“, so sie das tatsächlich will, wäre er ein glaubwürdiger Repräsentant. Das Thema Palmer, so scheint es, ist auch nach seinem neuerlichen Rückzug nicht erledigt.