Kommentar: Verhandlungen mit Iran – reine Show?

Kommentar: Verhandlungen mit Iran – reine Show?

Von Stefan Kegel

Fast genau drei Monate ist es her, dass der Krieg der USA und Israels gegen den Iran begonnen hat, und nun fliegen während der Verhandlungen wieder Bomben. In normalen Zeiten würde sich unwillkürlich die Frage aufdrängen, ob da etwas als Ablenkung inszeniert ist. Sind also die Verhandlungen Show – oder die Angriffe?

Natürlich ist es zynisch, die Frage von Krieg oder Frieden als Teil einer Show einzuordnen. Aber wir leben nicht in normalen Zeiten. Sowohl die US-Regierung als auch die führenden Köpfe des Irans sind geübt darin, Scharaden aufzuführen, die nicht immer auf den ersten Blick zu durchschauen sind. Hinzu kommt, dass Trump Diplomatie nicht als Ausgleich von Interessen begreift, sondern als Durchsetzung der eigenen. Deshalb unterlegt er Verhandlungsschritte gern mit Machtgebärden.

Beim Thema Iran spielt auch der Faktor Zeit eine Rolle. Denn die Drohkulisse, die Trump seit drei Monaten aufbaut, ist nicht auf Dauer aufrechtzuerhalten. Sie kostet Geld und Ressourcen. Trump käme es daher gelegen, sich in möglichst vielen Streitfragen möglichst früh durchzusetzen. Das angepeilte Rahmenabkommen, das binnen 60 Tagen so wichtige Fragen wie eine Lösung für das iranische Atomprogramm und die Zukunft der freien Schifffahrt durch die Straße von Hormus festlegen soll, würde hingegen vor allem dem Iran Zeit kaufen. Trump braucht aber vorher eine Trophäe.