Rente mit 63

Kommt jetzt die „Hacklerrente“ wie in Österreich?

Erleichterungen für Schichtarbeiter und andere schwer schuftende Menschen könnten kommen. Eine „1:1-Umsetzung“ der Rentenpläne von Merz scheint vom Tisch.

Kommt jetzt die „Hacklerrente“ wie in Österreich?

Körperlich anstrengende Arbeit wie hier auf dem Bau könnte begünstigt werden.

Die Diskussion um die gesetzliche Rente gehört zu den emotionalsten und heikelsten Debatten der deutschen Politik. Im Zentrum des aktuellen Koalitionsstreits steht die sogenannte „Rente mit 63“ (offiziell: Altersrente für besonders langjährig Versicherte). Nachdem die von der Regierung eingesetzte Alterssicherungskommission eine Abschaffung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren empfohlen hatte, formiert sich spürbarer Widerstand.

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Nun bahnt sich ein Koalitionskompromiss zwischen Union und SPD an. Berichten von Medien wie n-tv und „Bild“ zufolge stehen weitreichende Veränderungen im Raum – bis hin zu einer Härtefallregelung für schwere körperliche Berufe, die an das österreichische Modell der  Schwerarbeitspension erinnert – im Volksmund auch „Hacklerrente“ genannt.

„Hacklerrente“ für Deutschland?

Statt eines abrupten Endes der abschlagsfreien Frührente beraten die Fraktionsspitzen nun über Anpassungen und Verschärfungen. Wie die „Bild“ unter Berufung auf Koalitionskreise berichtet, liegen konkrete Optionen auf dem Verhandlungstisch:

So funktioniert die „Hacklerrente“ in Österreich

In der Debatte um Ausnahmen für Menschen mit schweren Jobs blickt die SPD vermehrt nach Österreich. Dort hat der Begriff „Hacklerrente“ (vom umgangssprachlichen Wort „hackeln“ für hart arbeiten) Tradition.

Genau dieses Prinzip – wer Jahrzehnte körperlich schwer geschuftet hat, darf früher raus, Bürobeschäftigte hingegen nicht – wird nun auch für das deutsche Rentensystem als möglicher Härtefall-Ausweg diskutiert.

Streit um die Rente mit 63

Die Kritik an der aktuellen Regelung basiert vor allem auf zwei Faktoren: Die Zahl der Bezieher ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Was ursprünglich als Ausnahmeregelung für langjährig Beschäftigte gedacht war, kostet die Rentenkasse mittlerweile Milliarden Euro zusätzlich. Unternehmen und Wirtschaftsverbände beklagen zudem, dass durch die abschlagsfreie Frührente gut ausgebildete, erfahrene Fachkräfte dem Arbeitsmarkt vorzeitig entzogen werden.

Gleichzeitig verweisen Gewerkschaften und Handwerksvertreter jedoch darauf, dass Berufe wie Maurer, Bäcker oder Pflegekräfte selten bis zur Regelaltersgrenze von 67 Jahren durchgehalten werden können.

Merz muss Rentenpaket aufschnüren

Klar ist: Die bisherige Form der abschlagsfreien Altersrente nach 45 Beitragsjahren steht vor einer Zäsur. Ein kompletter, ersatzloser Wegfall gilt politisch jedoch nicht mehr als durchsetzbar, nachdem Kanzler Merz ein Mangel an Empathie vorgeworfen wird, und die CDU die Landtagswahlen in Ostdeutschland krachend verloren hat. Eine 1:1-Umsetzung der Vorschläge aus der Rentenkommission, in der kein einziges Mitglied gesetzlich versichert ist, wird es nicht geben.

Vieles deutet jetzt auf einen Kompromiss hin: Eine Kombination aus längeren Wartezeiten sowie Übergangsfristen und Vertrauensschutz für rentennahe Jahrgänge und einer Sonderregelung für körperlich schwer arbeitende Berufsgruppen nach dem Vorbild der österreichischen Schwerarbeitspension. Wie trennscharf und bürokratiearm sich „harte körperliche Arbeit“ im deutschen Rentenrecht am Ende definieren lässt, ist die spannendste Frage.