Im Rems-Murr-Kreis sollen neue Unterstützungsangebote für Pflegebedürftige und Fachkräfte entstehen. Symbolfoto: Adobe Stock/pattilabelle
Rems-Murr. Die Kommunale Pflegekonferenz ist kürzlich zu ihrer Vollversammlung im Landratsamt in Waiblingen zusammengekommen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2024 hat diese es sich auf die Fahne geschrieben, verlässliche Strukturen für eine kontinuierliche Vernetzung zu schaffen. Sie versteht sich als sektorenübergreifende Verantwortungsgemeinschaft.
Die diesjährige Kommunale Pflegekonferenz bot eine Plattform zur Information, zum Austausch und zur Ideenentwicklung. Auch Fördermöglichkeiten und sogenannte Best-Practice-Beispiele wurden vorgestellt. So ist etwa aus einem Zusammenschluss des interkommunalen Pflegeplanungsnetzwerks Schorndorf/Welzheim, der Sozialplanung des Landkreises und den Rems-Murr-Kliniken das Modellvorhaben „Pflege im Takt der Region“ hervorgegangen. Land und Pflegekassen fördern das Vorhaben mit insgesamt rund 1,19 Millionen Euro. Ziel ist es, die ambulante Pflege besser zu vernetzen, das Ehrenamt zu stärken sowie pflegenden Angehörigen Unterstützung anzubieten. Auch die neuesten vom Land geförderten Quartiersprojekte in den Kreiskommunen Fellbach (Begegnungsräume 2.0 mit 85000 Euro) und Burgstetten (Präventionsnetzwerk Burgstetten, 73000 Euro) wurden als Beispiele aufgezeigt, dass Impulse aus der Pflegekonferenz ihre Wirkung zeigen.
Immer größere Herausforderungen
„Die Herausforderungen in der Pflege werden größer. Steigende Bedarfe, Fachkräftemangel und wachsende Belastungen für Pflegebedürftige, Angehörige und Kommunen verlangen nach tragfähigen Antworten. Die Kommunale Pflegekonferenz bringt alle wichtigen Akteurinnen und Akteure aus unserem Kreis an einen Tisch, damit wir Verantwortung gemeinsam übernehmen und dort, wo es möglich ist, konkrete Lösungen für eine wohnortnahe, verlässliche Pflege entwickeln“, sagte Landrat Richard Sigel. „Es freut mich besonders, dass wir ganz aktuell am Modellvorhaben ‚Pflege im Takt der Region‘ sowie an den beiden Quartiersprojekten in Fellbach und Burgstetten die Wirkung unseres gemeinsamen Engagements sehen können.“
Auch mit dem Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG), das sich gerade im Gesetzgebungsverfahren befindet, hat sich die Kommunale Pflegekonferenz intensiv beschäftigt. Der Gesetzentwurf enthält der Pressemitteilung des Landratsamts zufolge „wichtige Verbesserungen bei Pflegebegleitung, Krisenversorgung, Prävention, Digitalisierung und kommunaler Planung“. Gleichzeitig werde die Pflegeversicherung vor allem durch strengere Zugangsvoraussetzungen, die Streichung beziehungsweise Bündelung bisheriger Leistungen und eine verzögerte Leistungsanpassung stabilisiert. Dadurch bestehe das Risiko, dass finanzielle und organisatorische Belastungen teilweise auf Pflegebedürftige, Angehörige und Kommunen im Bereich der Sozialhilfe verlagert würden und zu höheren Ausgaben in der Sozialhilfe „Hilfe zur Pflege“ führten.
Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit verschiedenen Themen
Im Rahmen der diesjährigen Veranstaltung wurden in vier Workshops aktuelle Themen bearbeitet: neue Rollen und Verantwortlichkeiten in der Langzeitversorgung, kirchliche Räume als „dritte Orte“ für Begegnung und Sozialraumentwicklung, der Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen und Quartieren sowie die zukünftigen Pflegebedarfe und die gemeinsame Gestaltung der Versorgung im Rems-Murr-Kreis bis 2040.
Pflege braucht laut Landratsamt angesichts der steigenden Bedarfe und des Fachkräftemangels verbindliche sektorenübergreifende Zusammenarbeit. Die Arbeitsgruppe „Fachkräftesicherung in der Pflege“ der Kommunalen Pflegekonferenz hat im Mai den ersten Fachtag Pflege im Rems-Murr-Kreis bei den Rems-Murr-Kliniken und dem Zentrum für Psychiatrie in Winnenden mit thematischen Workshops organisiert. Unter dem Titel „Für die Pflege von der Pflege“ standen an diesem Tag die professionell Pflegenden und die Wertschätzung ihrer Arbeit im Mittelpunkt. Die dort gesetzten Impulse sollen in der Pflegekonferenz weiterbearbeitet werden.
Weiter schreibt das Landratsamt: „Mit dem Neubau des Pflege-Campus ‚Haus D‘ am Klinikum Winnenden stärken Land, Landkreis und Rems-Murr-Kliniken gezielt die Pflegeausbildung und die Fachkräftesicherung.“ Bis 2028 entstünden für rund 35 Millionen Euro moderne Ausbildungsräume sowie digitale Lernlabore. Das Land fördert das Projekt mit 21,06 Millionen Euro. „Die Gesundheitsversorgung der Zukunft hängt von ausreichend qualifizierten Pflegekräften ab. Deshalb setzen wir verstärkt auf eigene Ausbildung statt auf die Anwerbung oder den Einsatz teuren Leihpersonals. Mit dem Neubau der Pflegeschule machen wir die Ausbildung und damit auch die Pflege im Landkreis insgesamt attraktiver, können Ausbildung und Praxis enger verknüpfen und langfristig Fachkräfte für die regionale Versorgung sichern“, erklärte Sigel. lra