Kreis ruft zum Wassersparen auf

Die anhaltende Trockenheit setzt Flüsse, Bäche und Grundwasser im Rems-Murr-Kreis zunehmend unter Druck. Das Landratsamt überlegt, die Wasserentnahme einzuschränken.

Kreis ruft zum Wassersparen auf

Auch der Pegel der Murr ist aktuell sehr niedrig. Archivfoto: Alexander Becher

Rems-Murr. Das Landratsamt warnt vor einer Niedrigwasserlage im Rems-Murr-Kreis und bittet die Bürgerinnen und Bürger, sparsam mit Wasser umzugehen. Grund sind seit dem Winterhalbjahr ausbleibende Niederschläge sowie sinkende Pegelstände in Flüssen und Bächen.

Laut dem Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) verzeichnen landesweit 17 Prozent der Messstellen sehr niedrige Wasserstände, weitere sieben Prozent sogar extrem niedrige. Besonders betroffen ist aktuell der Südosten Baden-Württembergs.

Niederschläge in den nächsten Tagen helfen nur kurzfristig

Am Neckar werden derzeit moderat niedrige Abflüsse gemessen. Die Donauzuflüsse und die südöstlich angrenzenden Einzugsgebiete verzeichnen bereits deutliche Defizite. Sollte die trockene Wetterlage anhalten, dürfte sich die Lage auch in den nördlichen Landesteilen verschärfen. Niederschläge in den kommenden Tagen würden voraussichtlich lediglich zu kurzfristigen Anstiegen der Wasserstände führen. Aufgrund des trockenen Winterhalbjahrs sinken die Abflüsse bei ausbleibendem Regen rasch wieder auf ein niedriges Niveau.

Auch das aktuelle hydrologische Jahr (1. November 2025 bis 31. Oktober 2026) fällt bislang deutlich zu trocken aus. Bis Ende April fielen 305 Millimeter Niederschlag, wobei das langjährige Mittel bei 431 Millimetern liegt. Im April wurden lediglich 18 Millimeter gemessen, wodurch rund 77 Prozent weniger als das Monatsmittel erreicht wurden. Der April 2026 zählt damit zu den trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch der diesjährige Mai blieb bisher mit 50 Millimetern Niederschlag deutlich unter dem üblichen Wert von rund 96.

Aktuell liegen für Ende Mai die Wassertemperaturen an allen Gütemessstationen im Land im überdurchschnittlichen Bereich. Teilweise wurden bereits neue Rekordwerte erreicht. Das gilt unter anderem für die Murr, den Kocher und die Donau. Die Gewässerökologie wird in Kombination mit geringen Abflüssen zusätzlich belastet.

Die klimatische Wasserbilanz vergleicht Niederschlag und potenzielle Verdunstung und zeigt damit, wie viel Wasser in einem Gebiet zur Verfügung steht. Von November bis April beträgt sie in diesem hydrologischen Jahr nur rund 119 Millimeter und liegt damit deutlich unter dem Durchschnitt. Im Bezugszeitraum 1991 bis 2026 war der Wert bis Ende April noch nie so niedrig, teilt das Landratsamt mit.

Einschränkung der Wasserentnahme steht im Raum

Die Grundwasserstände und Quellschüttungen bewegten sich landesweit im April 2026 auf mittlerem bis leicht unterdurchschnittlichem Niveau. Die seit März zu beobachtenden Rückgänge haben sich in der zweiten Aprilhälfte deutlich verstärkt. Die Sickerwasserraten nahmen ab, die Grundwasserneubildung blieb unterm Durchschnitt. Während der Oberboden im April zunehmend austrocknete, verfügen tiefere Bodenschichten Anfang Mai noch über Reserven. Exemplarisch sanken die Grundwasserstände um 1,55 Meter in der Heilbronner Mulde und um 2,26 Meter in den Ellwanger Bergen. Die öffentliche Wasserversorgung gelte derzeit als gesichert. Dennoch erhöhen geringe Niederschläge, fallende Grundwasserstände und steigende Wassertemperaturen die Anfälligkeit für sommerliche Trockenphasen. Sollte sich die Situation weiter verschlechtern, wird das Landratsamt auch dieses Jahr die Wasserentnahme einschränken müssen. Darüber wird es zu einem späteren Zeitpunkt informieren. pm