Scheidender Ministerpäsident

Kretschmann über nervige Fragen von Journalisten

Winfried Kretschmann gilt als jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt und auch mal grantelt. Zum Abschied verrät er, was ihn an der Presse nervte – und was er vermissen wird.

Kretschmann über nervige Fragen von Journalisten

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) während seiner letzten Landespressekonferenz.

Von red/dpa/lsw

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat sich nach seiner letzten Kabinettssitzung mit gemischten Gefühlen von der medialen Öffentlichkeit verabschiedet. Ihn habe die wöchentliche „Fragerei zu allem und jedem“ genervt, räumte der 77-Jährige vor Journalisten auf Nachfrage bei der wöchentlichen Landespressekonferenz ein. Aber er habe auch von diesem Format profitiert - dadurch sei er jede Woche unglaublich präsent gewesen in der Öffentlichkeit, was ihn bekannt gemacht habe. Trotzdem sei es nervig, jede Woche „durch den Fleischwolf“ gedreht zu werden. 

„Das ganze Ding vermisse ich natürlich nicht, sonst hätte ich ja nicht aufgehört“, sagte der Noch-Regierungschef. Aber ihm würden die Journalisten fehlen, die er teils sehr lange kenne. Am 13. Mai soll Cem Özdemir (Grüne) zu Kretschmanns Nachfolger gewählt werden.

Kretschmann leitete seit 2011 nach Angaben des Staatsministeriums mehr als 500 Kabinettssitzungen. Nach der Sitzung begab sich der Ministerpräsident in die wöchentliche Landespressekonferenz, um sich den Fragen der Journalisten zu stellen - das gibt es anderswo in der Republik in dieser Form so nicht. Er müsste lügen, wenn er sagen würde, er sei immer entspannt in die Landespressekonferenz gegangen, sagte Kretschmann. „Die Fettnäpfchen sind gut verteilt.“ 

Er könne sich nicht erinnern, dass er mal „innerlich ausgerastet“ wäre angesichts einer Frage der Presse, sagte Kretschmann. Es habe ihn aber geärgert, wenn Sachen aus dem Regierungsbetrieb durchgestochen worden seien und er dann dazu Fragen beantworten musste. „Das kann gutes Regieren behindern.“