Mit ihrer Krankheit lebt Norwegens Kronprinzessin schon lange. Doch in den vergangenen Monaten hatte sich ihr Zustand dramatisch verschlechtert. Jetzt bekam sie überraschend schnell eine neue Lunge.
Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit leidet unter einer schweren Lungenfibrose. (Archivbild)
Von Von Julia Wäschenbach und Christoph Meyer, dpa
Oslo - Erst nach der erfolgreichen Operation kommt die gute Nachricht aus dem norwegischen Königshaus: Die schwer kranke Kronprinzessin Mette-Marit (52) hat eine neue Lunge bekommen. "Die Lungentransplantation ist so weit erfolgreich verlaufen", zitiert der Hof den Chirurgen Arnt Fiane vom Universitätskrankenhaus in Oslo.
Die Zeichen dafür, dass bald etwas passieren würde, hatten sich in den letzten Wochen gemehrt. Immer wieder hatte Kronprinz Haakon (52) Termine abgesagt, um bei seiner Frau sein zu können. Die Tochter des Paars, Ingrid Alexandra (22), war von ihrem Studium in Australien nach Hause zurückgekehrt. Der älteste Sohn der Kronprinzessin, Marius Borg Høiby (29), hatte mit Verweis auf den Gesundheitszustand seiner Mutter mehrfach vergeblich versucht, aus der U-Haft freizukommen. Der Hof sprach kürzlich plötzlich von einem "lebensbedrohlichen" Zustand der Kronprinzessin. Und erst vor zwölf Tagen kam Mette-Marit auf die Warteliste für eine Transplantation.
Ohne neue Lunge nur noch ein Jahr zu leben
Die Kronprinzessin leidet bereits seit Jahren an der unheilbaren Krankheit Lungenfibrose. Dabei bilden sich Narben im Lungengewebe, was Atemnot, Kurzatmigkeit und Husten verursachen kann. Zunächst konnte Mette-Marit nach der Diagnose 2018 relativ normal weiterleben - im letzten halben Jahr ging es ihr aber immer schlechter. Am norwegischen Nationalfeiertag im Mai winkte sie dem Volk in Tracht und mit Sauerstoffgerät zu. Dann muss sie sich zurückziehen. Jeder öffentliche Termin ist eine große Belastung für die Kronprinzessin. Zuletzt sieht man sie fast gar nicht mehr.
Ohne den Eingriff, so die Ärzte, hätte sie nur noch rund ein Jahr zu leben gehabt. Mit der Transplantation stehen Mette-Marits Chancen nun besser - aber ein Risiko bleibt: Mit einer neuen Lunge überleben dem Krankenhaus zufolge 85 bis 90 Prozent das erste Jahr nach der Transplantation. Nach fünf Jahren leben demnach noch 70 bis 75 Prozent, nach zehn Jahren nur noch etwa die Hälfte der Patienten.
In jedem Fall werde das Leben nach der Operation ein anderes für Mette-Marit, hatte Lungenspezialist Olav Kåre Ref NTB schon Anfang Juni gesagt: "Man muss vorsichtig sein und gegen mögliche Abstoßungsreaktionen sowie Infektionen kämpfen, die jederzeit auftreten können." Lebenslang wird die Kronprinzessin Medikamente nehmen müssen. Ihren Job als künftige Königin werde sie wohl kaum voll wahrnehmen können, meinen Königshaus-Experten.
Überraschend schneller Termin: "Normalerweise ist das nicht so"
Auch der Eingriff selbst ist kompliziert und risikoreich. Dass es jetzt damit so schnell ging, dürfte viele überrascht haben. Und auch das Timing: Erst vor zwei Tagen war Marius Borg Høiby zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Der 29-Jährige, den Mette-Marit als Kleinkind mit in die Ehe mit Haakon gebracht hatte, hat einem Gericht zufolge unter anderem zwei Frauen nach norwegischem Recht vergewaltigt sowie zwei Ex-Freundinnen in der Beziehung misshandelt.
Mit so einer raschen Transplantation hatten auch die Experten von der Stiftung Organspende in Norwegen nicht gerechnet. "Normalerweise ist das nicht so", kommentierte Informationschef Aleksander Sekowski in der Zeitung "Aftenposten". "Das war früh." Andererseits: Wenn man auf der Liste stehe, könne jederzeit das Telefon klingeln. "Es ist fantastisch, dass sie eine Lunge gefunden haben, die so gut passt." Nur vergleichsweise wenige Menschen warten in Norwegen auf eine neue Lunge: Nach Angaben der Nachrichtenagentur NTB waren es vergangene Woche zehn.
In einer Mitteilung bedankte sich die Familie der Kronprinzessin für das Mitgefühl aus der Bevölkerung in den vergangenen Wochen. "Die Anteilnahme bedeutet viel in ihrer schwierigen Situation", hieß es vom norwegischen Hof. Die Sympathie für ihre Kronprinzessin war unter den Norwegern in den vergangenen Monaten nicht immer gleich groß.
Skandale um Mette-Marit und ihren Sohn erschütterten die Royals
Neue Details über Mette-Marits enge Freundschaft mit dem US-Sexualverbrecher Jeffrey Epstein hatten das Königshaus Anfang des Jahres erschüttert. Der Druck auf die Kronprinzessin, Stellung zu beziehen, wuchs. Doch erst im März gab sie ein ausführliches Interview dazu. Epstein habe sie manipuliert und getäuscht, erzählt sie da. Viele Pluspunkte kann sie damit bei ihren Landsleuten nicht sammeln. Immer mehr Norweger halten sie als künftige Königin nicht für geeignet. Auch der Skandal um ihren straffällig gewordenen Sohn Marius färbt auf die Kronprinzessin ab.
Mitleid haben viele nun trotzdem mit ihr - vor allem, nachdem die Bilder mit Sauerstoffgerät zeigen, wie schlecht es ihr geht. Bei einem Besuch im Gefängnis habe seine Mutter sich hinlegen müssen und nur geschlafen, sagte Marius Borg Høiby laut norwegischen Zeitungen kürzlich vor Gericht. Er habe große Angst um sie: "Jeder Besuch könnte der letzte sein."
Nach der geglückten Transplantation dürfte die Kronprinzenfamilie wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft blicken. Auch Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre und das schwedische Königshaus zeigten sich erleichtert und schickten Genesungswünsche.
"Wir freuen uns sehr, dass bisher alles gut verlaufen ist", sagte Are Holm vom Osloer Universitätskrankenhaus laut der Mitteilung des Königshauses. "Wie alle anderen frisch transplantierten Patienten wird auch die Kronprinzessin für einige Wochen im Krankenhaus bleiben." In dieser Zeit könnten Medikamente angepasst, eventuelle Komplikationen behandelt und die Rehabilitation eingeleitet werden.
Wer hat der Kronprinzessin seine Lunge gespendet?
Wem Mette-Marit ihre neue Lunge zu verdanken hat, wird sie womöglich nie erfahren. In Norwegen dürfen Spender und Empfänger die Identität des anderen nicht kennen. Um den Spender zu schützen, verrät das Königshaus auch den genauen Zeitpunkt der Transplantation nicht.
Die Nachricht, dass die Kronprinzessin eine neue Lunge braucht, hatte für einen Boom bei den Registrierungen für eine Organspende gesorgt. Zwar gilt in Norwegen ohnehin die Widerspruchslösung - das heißt, eine gestorbene Person wird automatisch zum Organspender, wenn sie zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. Allerdings werden die Angehörigen stets mit in die Entscheidung einbezogen und können die Entnahme ablehnen.
Auch wie es mit der Kronprinzessin nun weitergeht, wird die Öffentlichkeit zunächst wohl nicht erfahren. Erst bei Mette-Marits Entlassung sei das nächste Update zu erwarten, kündigte der Hof bereits vorsorglich an. Kronprinz Haakon werde sein Programm derweil in den nächsten Wochen weiter anpassen. Für ihn zählt jetzt nur eins: Er will bei seiner Frau sein.
Kronprinz Haakon (rechts) sagte zuletzt immer wieder Termine ab wegen des Gesundheitszustands seiner Frau. (Archivfbild)
Neben den Sorgen um ihre Gesundheit dürften auch die Skandale um ihren Sohn Marius Borg Høiby der norwegischen Kronprinzessin zusetzen. (Archivbild)
Nicht immer sah man der Kronprinzessin ihre schwere Erkrankung an. Doch Mette-Marits Zustand verschlechterte sich in den vergangenen Monaten zusehends. (Archivbild)
Für die norwegische Königsfamilie dürfte die Sorge um Mette-Marit eine große Belastung sein. (Archivbild)
Schlagzeilen machten neben dem Skandal um Sohn Marius Borg Høiby auch frühere Kontakte Mette-Marits zum inzwischen verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. (Archivbild)