Die Konkurrenz insbesondere aus China setzt dem Maschinenbau in Baden-Württemberg immer mehr zu, warnt der VDMA-Vorsitzende Mathias Kammüller die Regierenden.
Wenig Hoffnung in umfassende Reformen der Bundesregierung: Mathias Kammüller, Vorsitzender des VDMA Baden-Württemberg.
Von Matthias Schiermeyer
Der Maschinenbau, Standbein der Industrie im Südwesten, ist nicht mehr ausreichend konkurrenzfähig – sagt Mathias Kammüller, Vorsitzender des VDMA Baden-Württemberg. Der Hauptkonkurrent für die meisten Betriebe komme aus China. „Wir müssen wettbewerbsfähiger werden, damit wir gegen die Chinesen bestehen können“, mahnt er. In „absoluten Hightech-Bereichen“ mache sich noch die sehr gute Ausbildung an Universitäten und im Betrieb bezahlt. „Bei Tätigkeiten, die man im Ausland genauso machen kann, sind wir abgehängt.“
„Chinesen arbeiten 800 Stunden mehr im Jahr“
Die Schuld sieht er unter anderem bei der Bürokratie. Da hätten Firmen noch Ausbaupläne, doch dauere es ewig, bis sie eine Genehmigung bekämen. „Das ist wirklich katastrophal – in einer Zeit, in der die Wirtschaft wachsen muss, werden die Pflänzchen, die wachsen, abgewürgt.“ Auch die Rahmenbedingungen des Arbeitsrechts und der Tarifverträge sind ihm ein Dorn im Auge. Beispiel Arbeitszeit: In Deutschland werde im Durchschnitt ungefähr 1430 Stunden pro Kopf im Jahr gearbeitet, in der Schweiz mindestens 200 Stunden mehr, in den USA 400 Stunden, in Polen 600 Stunden und in China 800 Stunden mehr pro Jahr. Wenn ein Unternehmen Arbeiten in ein polnisches oder chinesisches Werk verlagern könne, wo auch gute Fachkräfte leichter verfügbar seien, „dann ist es die wesentlich wirtschaftlichere und bessere Entscheidung, das so zu tun“.
Der VDMA wünscht sich daher dringend, „mehr Flexibilität über das hinaus, was derzeit im Arbeitsrecht steht, mit einer entsprechenden tarifvertraglichen Umsetzung“, ergänzt der Geschäftsführer Dietrich Birk. Es gebe zwar schon flexible Möglichkeiten in den Tarifverträgen, „aber im Grunde können wir über die gesetzlichen Restriktionen nicht hinausgehen“. Die Regierungskoalition arbeitet derzeit an einem Umbau des Arbeitszeitgesetzes mit einer Ausweitung des Acht-Stunden-Tags – ein heißes Eisen auch für die Gewerkschaften. Kammüller, der der Trumpf-Geschäftsführung angehört, hält es für „dringend erforderlich, dass man mal über zehn Stunden arbeiten kann, ohne dass da ein Fallbeil fällt“. Wenn ein Servicetechniker seines eigenen Unternehmens am Nachmittag ein Maschinenproblem fast schon gelöst hat, dürfe er keine elfte Stunde an dem Tag arbeiten. „Was glauben Sie, wie sich da ein Kunde aufregt, wenn er dringend die Maschine braucht und der Servicetechniker sagt: Sorry, das ist Gesetz, ich darf das nicht.“
USA bleiben wichtigster Einzelmarkt – trotz der Zölle
Angesichts der angekündigten großen Reformen hat Kammüller „keine große Hoffnung, dass die notwendigen Veränderungen schnell kommen“. Für möglich hält er allenfalls eine Verringerung der Bürokratie mit vereinfachten Genehmigungen und weniger Berichtspflichten. Die Bilanz zur Umsetzung der vielen industriepolitischen Ankündigungen „fällt bisher aus Sicht des Mittelstands ernüchternd aus“.
Das Exportgeschäft war im Vorjahr besonders stark belastet. Die Maschinenausfuhren gingen um 4,2 Prozent auf 46 Milliarden Euro weiter zurück. Besonders deutlich fiel das Minus in den USA aus – die Exporte dorthin sanken um 12,8 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro. Laut einer VDMA-Blitzumfrage ist die durchschnittliche Zollbelastung von zuvor rund 21 Prozent auf 26 Prozent gestiegen. Trotz allem bleiben die USA wichtigster Einzelmarkt mit einem Anteil von 15 Prozent, gefolgt von China mit 8,5 Prozent.
Beschäftigung geht stetig zurück
Die Beschäftigung im Maschinenbau ging um fast 10 000 Personen auf 323 300 zurück. Dieser Trend dürfte anhalten. Kammüller: „Ohne verbesserte Standortbedingungen wird es immer schwieriger, Beschäftigung und Wertschöpfung im Land zu halten.“