Schluss mit langweiligen Geschenken! Entdecken Sie Kochbücher, die Geschichten erzählen, neue Welten eröffnen und selbst Gemüsereste in Delikatessen verwandeln.
Ein gutes Kochbuch wird zum ständigen Begleiter im Alltag.
Von Anja Wasserbäch
Mit Weihnachtsgeschenken ist es so eine Sache. Man möchte etwas Treffendes finden, landet aber erstaunlich oft daneben. Dabei gibt es ein Präsent, das überraschend viele Menschen glücklich macht – abgesehen von jener seltenen Spezies, die nie kocht oder Rezepte ausschließlich aus dem Internet zieht: ein Kochbuch. Eines, das von Menschen geschrieben wurde, die wissen, wie ein Hühnchen riecht, das im Ofen brutzelt. Solche Bücher begleiten einen manchmal ein Leben lang.
Hier gibt es eine Auswahl der spannendsten Herbstneuerscheinungen – zusammengestellt für Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Kochbuch für den philosophischen Genießer
Wer lieber liest als kocht, dem der Genuss aber nicht fremd ist, dem sollte man Nigel Slaters „Tausend kleine Freuden“ (Dumont) schenken. Niemand kann schöner übers Essen, Reisen und Gärtnern schreiben als der eloquente Brite. Feine Beobachtungen und flüchtige Momentaufnahmen sind das, an denen Nigel Slater einen teilhaben lässt. Es ist kein Kochbuch, es könnte aber sein, dass man nach der Lektüre sogar Lust bekommt, einen Kuchen zu glasieren.
Kochbuch für den coolen Städter
Jeder hippe Hauptstadt-Hopper war schon einmal in einem Laden von The Duc Ngo, jeder Kitchen-Impossible-Gucker kennt ihn, der mit seinen Asia-Fusion-Restaurants nicht nur die Kantstraße in Charlottenburg in der Hand hat. Mit diesem Kochbuch „The Duc Ngo – Neue asiatische Küche“ (DK Verlag) kann man sein Universum quasi zuhause nachkochen: die Sake Ume Summer Roll aus dem Kuchi, eine vegetarische Variante der Miso Black Cod aus dem 893 Ryotei, Szechuan Aubergine aus dem Golden Phoenix, Bouillabaisse aus dem Funky Fisch – dieses Kochbuch war schon lange überfällig.
Das richtige Geschenk für den Kochbuch-Fan
Wenn es ein Kochbuch gibt, auf das die Kochbuch-Fan-Elite schon sehr lange wartet, dann ist es das neueste Werk von Samin Nosrat. Die Amerikanerin kann kochen (lernte im legendären Restaurant Chez Panisse von Alice Waters) und schreiben (studierte Schreiben bei Michael Pollan an der Universität Berkeley) . Ihr neuestes Werk, das unfassbare sechs Jahre nach dem Erfolg von „Salz. Fett. Säure. Hitze“ erscheint, heißt „Etwas Gutes“ (Kunstmann Verlag) und darin teilt sie vor allem sehr gute Rezepte, die man ganz einfach in seinen Alltag integrieren kann. Wie etwa ihr cremiges Sesam-Ingwer-Dressing. Dass Nosrat Nigel Slater in ihrem Hühnchen-Kapitel (ja, ein ganz eigenes Kapitel) zitiert, spricht ebenfalls für sie. Dieses Kochbuch ist ein sehr gutes.
Kochbuch für den Gemüsefan
Esther Kern ist eine Connaisseurin der Küche, die sich mit Gemüseabschnitten befasst, die manche als Abfall bezeichnen würden, Kern aber zeigt, was man mit Blättern und Wurzeln, mit Schalen und Kernen alles machen kann. Ihr Vorgängerwerk ist Inspiration für die Sterneküchen, dieses hier taugt in der heimischen Küche. Wassermelonenschalen? Rote-Bete-Blätter? Kräuterstengel? Das ist so inspirierend, die Biotonne wird sich bald beschweren, dass sie nicht mehr gefüllt wird.
Kochbuch für die Yoga-Indien-Ayurveda-Freundin
Essen ist für viele mehr als nur satt zu werden. In der ayurvedischen Küche ist Essen Medizin und Gewürze sind Heilmittel. Und auch, wenn die indische Küche in Deutschland so langsam mehr zu bieten hat als Chicken Curry, sucht man immer wieder die wirklich guten Adressen. Asma Khan ist eine der bekanntesten Köchinnen Großbritanniens. „Monsoon“ heißt ihr Kochbuch und ist ihre liebste Jahreszeit mit dem unablässigen Regen, zu der es wärmende Gerichte gibt. Und auch wenn hier Chicken im Buch eine Rolle spielt, so sind es doch die vielfältigen vegetarischen Gerichte, über die man sich ganz besonders freut. Zurecht wurde das Buch jüngst als bestes indisches Kochbuch beim deutschen Kochbuchpreis ausgezeichnet.
Kochbuch für den, der schon alles hat
Ralph Schelling ist Privatkoch. Der Schweizer kocht für Reich und Schön, für Hollywood und Marina Abramovic. Mit „Simple is Best“ (AT Verlag) lässt er uns an den einfachen, guten Gerichten teilhaben. Wie schreibt er so schön in seinem Vorwort: Das hat wenig mit Sterneküche, Starköchinnen und -köchen oder mit der Pinzette arrangierten Blümchen zu tun. Aber viel mit buttrigen Guetsli, über dem Feuer geköcheltem Eintopf oder knusprigen Kartoffelschalen, die normalerweise auf dem Kompost landen würden. Moderner Comfort Food mit dem besten aus der Region und der Saison.“ Wenn man durch die Seiten blättert, bekommt man sofort Lust, Milchbrötchen oder Bananenbrot zu backen, Salbeiblätter in Tempurateig zu frittieren, Auberginen schwarz zu grillen und endlich wieder Spaghetti Cacio e Pepe zu servieren. Alles essen, die vor allem der Seele gut tun. Comfort Food eben.
Kochbuch für die guten Vorsätze
Nach Weihnachten kommt der Januar, und mit ihm die guten Vorsätze. Jamie Oliver ist immer eine Bank, wenn es um Kochbücher geht. Dass er mit „Eat Yourself Healthy“ (DK Verlag) mal wieder einen Bestseller geschaffen hat, verwundert nicht. Er ist Profi. Die Rezepte sind für Laien. Jedem Rezept liegt ein Nährwertparameter zugrunde, jedes besteht aus wenigen Zutaten und ist einfach umsetzbar. Ein Jamie-Oliver-Kochbuch ist die Wollsocke unter den Kochbüchern: eigentlich unspektakulär – aber warm, zuverlässig und garantiert das Einzige, das man im Januar wirklich benutzt.