Schaffen wir das noch?

Mehr CO2: Erde heizt sich immer stärker auf

Die Erde nimmt so viel Wärme auf wie nie zuvor seit Messbeginn: Der aktuelle Klimabericht zeigt, wie schnell sich Ozeane und Atmosphäre weiter aufheizen und warum das Gleichgewicht ins Wanken gerät.

Mehr CO2: Erde heizt sich immer stärker auf

Überhitzte Meere: Seit den 1970er Jahren haben die Ozeane laut IGCC-Report etwa 90 Prozent der überschüssigen Wärmeaufnahme gespeichert.

Von Simone Humml (dpa)/Markus Brauer

Der Ausstoß an Treibhausgasen steigt weiterhin, die Erde nimmt immer mehr Energie auf und die Tage mit Meereshitzewellen werden häufiger. Das geht aus dem jüngsten Report Indicators of Global Climate Change (IGCC) hervor, den führende Wissenschaftler zur derzeit tagenden UN-Klimakonferenz in Bonn präsentieren. Die jährlich erscheinende Auswertung gilt als Zwischenbilanz für die Berichte des Weltklimarats IPCC, die nur im Abstand mehrerer Jahre herauskommen.

Mitautor Thomas Frölicher von der Universität Bern fasst die Datenlage in drei Grundsätzen zusammen: „Wir stoßen mehr Treibhausgase als je zuvor aus. Dies führt zu einem Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen wie CO2, Methan oder Stickstoff in der Atmosphäre. Und dadurch speichern wir mehr Wärme im Erdsystem und bringen die Welt aus dem Gleichgewicht.“

Treibhausgasausstoß steigt weiterhin

Die gesamten globalen Emissionen entsprachen im Jahr 2024 dem Effekt von rund 56,8 Milliarden Tonnen CO2. Davon entfielen 38,6 Milliarden Tonnen (Gigatonnen CO2/GtCO2) auf CO2 aus fossilen Brennstoffen und Industrie. Im Durchschnitt der Jahre 2015-2024 waren es 54,6 GtCO2 – davon 36,7 aus fossilen Brennstoffen und Industrie.

Entsprechend ist die globale mittlere Konzentration wichtiger Treibhausgase in der Atmosphäre 2025 im Vergleich zu 2019 – den jüngsten Daten des Weltklimareports – weiter gestiegen. Bei CO2 um 15,6 auf 425,6 ppm (Teile pro Million), bei Methan um 70,2 auf 1936,3 ppb (Teile pro Milliarde).

Erde im Ungleichgewicht

Als Folge nimmt das Energie-Ungleichgewicht der Erde zu. Dieses entsteht, weil etwa durch die Treibhausgase mehr Energie in das Erdsystem kommt als es verlässt. Das zeigt, wie schnell sich Wärme im Klimasystem ansammelt. Laut Report hat der Wert sich von 0,40 Watt pro Quadratmeter im Zeitraum 1976–1995 auf 1,04 Watt pro Quadratmeter im Zeitraum 2006–2025 mehr als verdoppelt.

Als Ursachen nennt der Report die steigenden Konzentrationen langlebiger Treibhausgase, aber auch Rückgänge beim Ausstoß kühlender Aerosole wie Schwefeldioxid und eine erhöhte Aufnahme der Erde von Sonnenstrahlung durch geringere Reflexion an Wolken und kleiner werdende Meereisflächen.

Die globale Erwärmung der Erde setzt sich demnach mit hoher Geschwindigkeit fort: Im Zeitraum 2010–2019 waren es noch 0,23 Grad pro Jahrzehnt. Für 2016-2025 berechneten die Forscher 0,27 Grad pro Jahrzehnt. Das entspricht der Rate von 2015-2024.

Ozeane erwärmen sich drastisch

Seit den 1970er Jahren haben die Ozeane laut Report etwa 90 Prozent der überschüssigen Wärmeaufnahme gespeichert. Der verbleibende Anteil verteilt sich auf die Erwärmung der Landflächen und der Atmosphäre sowie das Abschmelzen von Eis.

So ist im Ozean laut Report seit den 1990er Jahren „eine robuste Zunahme der Erwärmung in Tiefen zwischen 700 und 2000 Metern zu beobachten“. Die Temperaturen über den Landflächen sind vom Zeitraum 1850 bis 1900 bis zum Jahrzehnt 2016 bis 2025 um 1,81 Grad angestiegen.

Neu aufgenommen im Report wurden die Tage mit Meeres-Hitzewellen, deren Anzahl sich von 1991 bis 2025 mehr als verdreifacht habe. Im Jahr 2025 gab es im Durchschnitt an jedem Ort der Ozeanoberfläche an 65 Tagen Meereshitzewellen. Dabei ist die Temperatur um einen bestimmten Wert erhöht.

Bei zwei wichtigen Klimaindikatoren wurde nach Angaben der Mitautorin Karina von Schuckmann eine Beschleunigung über längere Zeit nachgewiesen: Das sei neben dem Energie-Ungleichgewicht der Erde der Meeresspiegelanstieg, der durch die Erwärmung der Ozeane und das Abschmelzen von Eis auf Land entsteht.

Von 1971 bis 2018 waren es laut Report rund 2,33 Millimeter pro Jahr, von 2018 bis 2025 bereits 3,84 Millimeter pro Jahr. Schuckmann ist Beraterin bei der Forschungsorganisation Mercator Ocean International in Toulouse.

CO2-Emissionsbudget in drei Jahren aufgebraucht

Wenn der Mensch die Erderwärmung mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit auf 1,5 Grad begrenzen möchte, darf er laut IGCC nur noch 130 GtCO2 produzieren. Bei den derzeitigen Emissionen werde das Budget in drei Jahren aufgebraucht sein. Bei einer Begrenzung auf 1,7 Grad seien es noch 500 GtCO2 und damit zwölf Jahre.

Für den Report haben mehr als 70 Forscher über 40 Datensätzen ausgewertet, von denen viele den Autoren zufolge nun durch Entscheidungen über die öffentliche Finanzierung gefährdet seien. Nötig sei ein abgestimmtes internationales Vorgehen, um die Kontinuität der Klimabeobachtungen zu gewährleisten.

Emissionen nehmen trotz Alternativen weiter zu

Dem Report zufolge steigt der Ausstoß an Treibhausgas-Emissionen zwar nicht mehr so schnell wie in den 2000er Jahren, er erhöht sich aber immer noch. Die Menschheit sei demnach sehr weit davon entfernt, „jetzt auf einem abnehmenden Pfad zu sein“, konstatiert Mitautorin Sonia Seneviratne von der ETH Zürich.

Die Zunahme der Emissionen „finde ich sehr schwierig zu verstehen, wenn wir wissen, dass es das Pariser Abkommen 2015 gegeben hat“, erklärt sie. „Man sieht, dass die Emissionen einfach weiter zunehmen, obwohl wir sehr viele Alternativen haben.“

CO2-Menge in der Atmosphäre so stark gestiegen wie nie zuvor

Auch nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) ist die Konzentration von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre in den vergangenen Jahrzehnten drastisch gestiegen. Die jährliche Zunahme habe sich seit den 1960er Jahren verdreifacht, berichtet die Weltwetterorganisation (WMO) in ihrem Treibhausgas-Bulletin. Auch die Treibhausgase Methan (CH4) und Lachgas (Distickstoffoxid, N2O) sind auf Rekordwerte gestiegen.

In den 1960er Jahren lag der CO2-Anstieg pro Jahr demnach bei 0,8 ppm (parts per million – Teilchen pro Million Teilchen). Zwischen 2011 und 2020 betrug er durchschnittlich 2,4 ppm pro Jahr. Von 2023 auf 2024 stieg die Konzentration nun um 3,5 ppm. Damit erreichte die CO2-Konzentration in der Atmosphäre 2024 den Wert von 423,9 ppm.

Planetarischer Teufelskreis

Die CO2-Konzentration hat über Jahrhunderte Auswirkungen auf das Klima, weil das Gas dort so lange verbleibt. Nach 1000 Jahren seien noch etwa 15 bis 40 Prozent davon in der Atmosphäre, schätzen Experten. CO2 entsteht etwa bei der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas – zum Beispiel bei der Strom- und Wärmeerzeugung, im Verkehr, in der industriellen Produktion sowie in Haushalten.

Ursache für den Anstieg der Konzentration seien neben den von Menschen verursachten Treibhausgasen auch Wald- und Buschbrände, schreibt die WMO. Gleichzeitig sinke die Aufnahmefähigkeit von CO2 in Wäldern und Ozeanen. Dies selbst sei eine Folge des Klimawandels. Die WMO spricht von einem drohenden Teufelskreis.