Wie unabhängig ist ein Film über die First Lady, wenn sie zugleich Co-Produzentin ist? «Melania» hat viel mit PR zu tun. Und zugleich erzählt das Kinoprojekt so viel über das Weiße Haus.
Filmpremiere mit den Trumps.
Von Von Anna Ringle und Andrej Sokolow, dpa
Washington - Ein Filmprojekt rückt die Frau des omnipräsenten und mächtigsten Mannes der Welt in den Mittelpunkt: die First Lady der USA, Melania Trump. Im Vorfeld hatten sich viele gefragt, wie unabhängig das sein wird, was die Kinobesucher zu sehen bekommen: Denn die 55-Jährige war selbst als Co-Produzentin beteiligt.
Am Freitag startete "Melania" weltweit. Es wird spannend, ob das ein Flop wird oder ob das Filmprojekt die Menschen in die Kinos zieht. Medienberichten zufolge war die Auslastung zu Beginn eher gering.
Viel Sonnenbrille, telefonieren mit Brigitte Macron
"Melania" soll einen Eindruck von den 20 Tagen bis zu Trumps Amtsantritt am 20. Januar 2025 vermitteln. Natürlich beginnt der Streifen, den Melania Trump als "kreatives Erlebnis" verstanden wissen will, in Mar-a-Lago in Florida. Das prunkvolle Privatanwesen, das der Präsident am Wochenende quasi als Außenstation des Weißen Hauses nutzt. Dort halten sich die Trumps viel und gerne auf.
Stöckelschuhe, die langen Haare der First Lady liegen perfekt, viel Sonnenbrille. Als sie aus einem Flieger steigt, wird Michael Jacksons Song "Billy Jean" unterlegt - den finde sie toll, sagt sie. Manchmal sieht man Melania beim Aussuchen von Kleidung, ein anderes Mal bekommt man einen Video-Call mit Frankreichs First Lady Brigitte Macron mit. Das ist bemerkenswert: Zuletzt hatten ihre Männer ein eher angespannteres Verhältnis.
Immer wieder gibt es kurze Einblicke in Räume, Gänge oder Wagen, in die Melania steigt. Es bedient das Bedürfnis, einmal hinter die Kulissen schauen zu wollen - was aber allein aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen für den Präsidenten der Vereinigten Staaten kaum möglich erscheint.
Man fragt sich tatsächlich, was genau das ist: Ist die First Lady Hauptdarstellerin in einem Film? Dann wirken manche Szenen mehr wie eine Doku, wenn Melania mit Designern spricht. Sie fungiert auch als Erzählerin.
Melanias Welt: Ästhetik und Design
Die gebürtige Slowenin Melania legt als Ex-Model viel Wert auf elegante Mode. Am Tag der Amtseinführung in Washington sprach man zeitweise gefühlt nur über Melanias Hut. Die breite Krempe verdeckte ihr Gesicht so sehr, dass man hätte meinen können, sie verstecke sich. Der Film streicht dies immer wieder heraus: Melanias Sinn für Ästhetik.
"Hi Honey"
Melania ist ein ruhiger Typ. Selten äußert sie sich in der Öffentlichkeit. Sie wirkt jederzeit höflich. Und auch deshalb fragt man sich: Wie funktioniert die Partnerschaft zu ihrem Mann, der in der Öffentlichkeit so anders wirkt. "Hi Honey" - so begrüßen sich die beiden in einer Szene. Trump macht ihr ein Kompliment: Sie sehe wie ein Movie-Star aus. Das Paar hat einen gemeinsamen Sohn, Barron Trump.
Das Projekt zeigt einmal mehr, wie Trump Politik macht. Sie ist mit Entertainment verknüpft. Das ist Trumps Spezialität. Er baute mit Truth Social ein eigenes Soziales Netzwerk auf, über das er direkt mit der Welt kommuniziert und Debatten treibt. Und er weiß, wie TV funktioniert. Wie Bildsprache funktioniert.
Mehr Sichtbarkeit für Melania
Die First Lady ist in der zweiten Amtszeit von Donald Trump nur spärlich in der Öffentlichkeit. Am bemerkenswertesten war bislang ein Part in der Diplomatie. Während des andauernden russischen Angriffskriegs auf die Ukraine setzte sie sich für die Rückkehr von ukrainischen Kindern aus Russland ein, die aus ihren Familien gerissen wurden.
Das Filmprojekt und zuvor schon ein Buch, in dem sie ihren Weg beschrieb, seit sie in den 90er Jahren nach Amerika kam, um ihre Modelkarriere in New York voranzutreiben und dann Donald Trump kennenlernte, könnten ein Versuch sein, Melania im Weißen Haus mehr Sichtbarkeit zu geben.
Wie kam der Film zustande?
Regisseur des Films ist Brett Ratner, dessen Karriere schon vor Jahren nach Vorwürfen mehrerer Frauen vorbei schien. Unter anderem die drei "Rush Hour"-Filme und ein Streifen aus der "X-Men"-Reihe hatten den einstigen Musicvideo-Spezialisten zuvor zu einem der bestbezahlten Filmemacher in Hollywood gemacht. Doch 2017, auf dem Höhepunkt der MeToo-Enthüllungen, beschuldigten ihn mehrere Frauen, darunter auch bekannte Schauspielerinnen, sexueller Übergriffe. Ratner bestritt die Vorwürfe, doch das Hollywood-Studio Warner Bros. kappte alle Verbindungen zu ihm.
Der "Los Angeles Times" zufolge wurde Ratners Comeback von Melania Trumps Agenten Marc Beckman eingefädelt. Die beiden kennen sich seit fast zwei Jahrzehnten. Ratner soll nun auch bei einem potenziellen Blockbuster Regie führen - einem vierten "Rush-Hour"-Film. Der gefallene Hollywood-Star wollte den Streifen schon seit Jahren machen, doch ein Studio nach dem anderen winkte ab, wie das "Wall Street Journal" berichtete. Erst im vergangenen Jahr gab es grünes Licht von Paramount - nachdem die Familie des als Trump-Unterstützer bekannten Tech-Milliardärs Larry Ellison die Kontrolle beim Hollywood-Urgestein übernahm.
Der weltgrößte Online-Händler Amazon, dem das traditionsreiche Hollywood-Studio MGM gehört, zahlte 40 Millionen Dollar für die Rechte an der Dokumentation. Kritische Kommentatoren wie Late-Night-Moderator Jimmy Kimmel verrissen den Betrag als "Schmiergeld", mit dem sich der Konzern von Gründer Jeff Bezos in Donald Trumps Weißem Haus einschmeicheln wolle. Dem gut informierten Hollywood-Journalisten Matt Belloni zufolge steckt Amazon noch weitere 35 Millionen Dollar in die Vermarktung inklusive des Kinostarts in mehr als zwei Dutzend Ländern. In der Branche werde mit Erlösen von rund fünf Millionen Dollar am ersten Wochenende in den USA und Kanada gerechnet, schrieb Belloni.
Der neue Film über und mit Melania Trump ist in die Kinos gekommen. (Archivbild)
Silvester feierten die Trumps in Mar-a-Lago. (Archivbild)