Ein deutlich sichtbarer Lichtstreifen ist am Montagabend über den Nachthimmel gewandert. Was war die Ursache?
Der Lichtstreifen ist auch am Nachthimmel der Region Stuttgart zu sehen gewesen.
Von Eberhard Wein
Ein ungewöhnlicher Lichtstreifen hat am späten Montagabend die Aufmerksamkeit auf den nächtlichen Himmel gelenkt. Auch im Raum Stuttgart war das Schauspiel zu beobachten. Meldungen kamen aber auch aus der Ukraine oder Frankreich. Der Streifen sei mit relativ hoher Geschwindigkeit von West nach Ost gewandert, sagte Tim Reinert, der den Lichtschein um 22.36 Uhr von seinem Balkon in Asperg (Kreis Ludwigsburg) beobachten und fotografieren konnte.
Demnach sei der Streifen zunächst relativ kurz und klar gewesen. Als er etwa zehn Minuten später am östlichen Horizont verschwand, sei er hingegen länger, aber weniger deutlich erschienen, sagte der 30-Jährige, der im Bereich Öffentlichkeitsarbeit bei einer Non-Profit-Organisation arbeitet.
Grok tippt auf Elon Musk
Die Erscheinung sorgte zunächst für Spekulationen, da es sich augenscheinlich nicht um einen normalen Kondensstreifen und auch nicht um einen Meteor handelte. Auf der Kurznachrichten-Plattform X wurde deshalb darüber spekuliert, dass es sich um eine Kette von Starlink-Satelliten aus dem Weltraumprogramm von Elon Musk handeln könnte, die kurz nach einem Space-X-Start sichtbar werden. Das wurde auch von Musks Künstlicher Intelligenz Grok zunächst so verbreitet.
Französische Quellen meldeten hingegen, dass das Phänomen auf den Lichtschein auf eine chinesische Trägerrakete zurückzuführen ist. Demnach handele es sich um Spuren von Gasen, die von der Oberstufe einer Chang-Zheng-8-Rakete (Lange-Marsch-8-Rakete) herrührten, erklärte beispielsweise der Wetterdienst der Bretagne. Sie war um 21.09 Uhr nach mitteleuropäischer Sommerzeit am chinesischen Weltraumbahnhof Xichang gestartet.
„Wir wissen definitiv, dass dieser Lichtstreifen von einer Long March 8 Rakete ausgelöst wurde“, sagte auch Hansjürgen Köhler von der UFO-Meldestelle Cenap. Nach dem Aussetzen der Satelliten zündete die letzte Stufe kurzzeitig ihre Triebwerke. Die noch von der Sonne beleuchtete Gaswolke, die in der Kälte des Alls zu Kristallen gefror, dürfte die Spur am Abendhimmel erzeugt haben. Nach wenigen Minuten war das Schauspiel vorbei.