Union ringt mit sich selbst

Merkel wirbt für Frau als Bundespräsidentin – und kritisiert CDU

Schon seit Monaten wird über die Steinmeier-Nachfolge debattiert. Angela Merkel ist damit nicht zufrieden und scheint bestimmte Vorstellungen zu haben.

Merkel wirbt für Frau als Bundespräsidentin – und kritisiert CDU

CDU und CSU bekommen immer wieder Ratschläge von Angela Merkel – muss Merz erneut mit Personaldebatten rechnen?

Von Michael Maier

Ex-Kanzlerin Angela Merkel wünscht sich für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Frau. „Es gibt 77 Jahre Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, und es gab noch nie eine Frau als Bundespräsidentin“, beklagte Merkel in einem Interview bei MagentaTV. Da müsse sich jeder fragen, „ob es jetzt nicht mal an der Zeit wäre“, sagte die CDU-Politikerin in der Talksendung „Bestbesetzung“ mit Johannes B. Kerner. „Ich kenne Menschen, die sind schon geboren und die sind weiblich und die könnten's“, betonte Merkel. Namen wollte sie allerdings keine nennen.

Am 30. Januar entscheidet die Bundesversammlung über das künftige Staatsoberhaupt. Der CSU-Vorsitzende Markus Söder macht sich seit Monaten für die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner stark. In der CDU werden unter anderen Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien und die frühere Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer gehandelt. Prien, die im Merz-Lager eher unbeliebt ist, hatte eine Entscheidung für den 9. November in Aussicht gestellt.

„Mini-Merkel“ als Bundespräsidentin?

Merkel bezeichnete die derzeitige Diskussion als „seltsam“ und beklagte einen „schlechten Unterton“. Kritisch äußerte sie sich auch über den derzeitigen Kurs ihrer eigenen Partei. „CDU pur ist nicht Wirtschaftspolitik“, betonte die langjährige Parteivorsitzende. „CDU pur war immer Brückenbauen in alle Richtungen der Gesellschaft – und das muss wieder in den Vordergrund gestellt werden.“

Wäre ihre Vertraute Annegret Kramp-Karrenbauer sozusagen eine Lösung als eine Art „Mini-Merkel“, die Friedrich Merz ins Gewissen reden könnte? Angela Merkel selbst hatte eine Kandidatur als Bundespräsidentin stets ausgeschlossen. Einerseits gibt es dafür Alters- und Gesundheitsgründe, andererseits weiß sie wohl ein Stück weit um ihre polarisierende Wirkung in der Öffentlichkeit.