Kunstausstellung eröffnet

Mette-Marit berührt mit persönlichen Worten

Nach Wochen der Trauer kehrt im norwegischen Königshaus langsam wieder der Alltag ein. Eine Ausstellung öffnet nun wieder ihre Türen.

Mette-Marit berührt mit persönlichen Worten

Norwegens Königin Mette-Marit bei einem früheren Auftritt.

Von Katrin Jokic

Der Tod von König Harald V. am 28. August 2026 hat Norwegen tief erschüttert. Der beliebte Monarch starb im Alter von 89 Jahren. Nach seinem Tod wurde eine offizielle Trauerzeit ausgerufen, während der auch kulturelle Einrichtungen des Königshauses geschlossen blieben. Dazu gehörte die Dronning Sonja KunstStall in Oslo. Nun dürfen Besucher die Ausstellung „Tråder i tid – Fra Riksteppene til Kongeteppet“ (deutsch: „Fäden der Zeit – Von den Reichsteppichen zum Königsteppich“) wieder besichtigen.

Im Mittelpunkt stehen historische Bildteppiche aus den königlichen Sammlungen, die zwischen 1899 und 1955 entstanden sind. Die Werke erzählen von Norwegens Geschichte, seinen kulturellen Traditionen und der jahrhundertealten Kunst des Webens. Einige der ausgestellten Stücke waren bislang ausschließlich in privaten königlichen Räumlichkeiten zu sehen und werden erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Eine besondere Bedeutung erhält die Ausstellung durch persönliche Worte von Königin Mette-Marit. In ihrem Vorwort beschreibt sie das Weben als einen Moment der Entschleunigung: Sobald sie sich an den Webstuhl setze, kehre Ruhe ein und die Zeit scheine langsamer zu vergehen. Das Handwerk schenke ihr etwas, das im hektischen Alltag selten geworden sei: Zeit und Raum, einen Rückzugsort.

Die Worte bekommen angesichts der gesundheitlichen Situation der 53-Jährigen eine besondere Bedeutung. Mette-Marit leidet seit Jahren an einer chronischen Lungenerkrankung und musste sich im Juni 2026 einer Lungentransplantation unterziehen. Seither befindet sich die Ehefrau des neuen Königs Haakon VIII. in der Rehabilitation. Wie der norwegische Palast Anfang Oktober mitteilte, wird sie voraussichtlich bis zum Sommer 2027 keine offiziellen Termine wahrnehmen.

Damit muss König Haakon vorerst weitgehend ohne seine Frau an seiner Seite auskommen. Der 53-Jährige trat nach dem Tod seines Vaters die Thronfolge an und steht nun vor der Aufgabe, die Monarchie durch eine schwierige Übergangszeit zu führen. Unterstützung erhält er unter anderem von seiner Mutter Sonja, die auch künftig offizielle Aufgaben für das Königshaus übernehmen wird. Größere Staatsbesuche und offizielle Reisen sind für Herbst und Winter zunächst nicht vorgesehen.

Die Wiedereröffnung der Kunstausstellung ist damit auch ein kleines Zeichen der Rückkehr zur Normalität. Gerade für Königin Sonja, die nach fast sechs Jahrzehnten Ehe Abschied von ihrem Mann nehmen musste, dürfte die Kunst weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Die 89-Jährige engagiert sich seit Jahrzehnten für die Förderung von Kunst und Kultur.

Die Ausstellung „Tråder i tid“ ist noch bis zum 6. Dezember 2026 in der Dronning Sonja KunstStall in Oslo zu sehen. Sie erinnert nicht nur an Norwegens textile Geschichte, sondern steht in diesen Wochen auch sinnbildlich für eine königliche Familie, die nach schweren persönlichen Schicksalsschlägen langsam wieder nach vorne blickt.