Neues KI-Zentrum, historische Kulisse: Was Google, Politik und Wissenschaft in Berlin zusammenbringen – und warum das wirtschaftliche Potenzial gigantisch ist.
Google hat in Berlin ein Zentrum für Künstliche Intelligenz eröffnet.
Von dpa
Berlin - Der US-Technologiekonzern Google hat in Berlin ein Zentrum für Künstliche Intelligenz eröffnet. Das neue "Google AI Center" ist zentraler Bestandteil eines großangelegten Investitionsprogramms von 5,5 Milliarden Euro, mit dem der Konzern bis 2029 seine Infrastruktur in Deutschland ausbaut und die hiesige Wirtschaft bei der KI-Nutzung unterstützen will. Das Zentrum soll weiterhin eine vertiefte Zusammenarbeit mit Vertretern der Wissenschaft und der Politik fördern.
In den historischen Räumen des Forums an der Museumsinsel im Berliner Ortsteil Mitte bündelt Google künftig Teams von Google DeepMind, Google Research und Google Cloud unter einem Dach. Das Zentrum umfasst nun auch einen "AI-Demo-Space" zur Präsentation neuester KI-Technologien. Philipp Justus, Google-Chef für Zentraleuropa, sagte, das Zentrum sei ein Ort für Zusammenarbeit und Debatten, der den KI-Standort Deutschland voranbringen solle.
"Entscheidung für den KI-Standort Deutschland"
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) sagte: "Das ist ein guter Tag für Deutschland - für den KI-Standort Deutschland." Die Entscheidung von Google zeige, dass die Bundesrepublik ein attraktiver Hightech-Standort sei. "Hier vor Ort entstehen neue Ideen, Kooperationen und Produkte, von denen Start-ups, Mittelstand und Industrie profitieren."
Wildberger ging auch auf Bedenken ein, die Vormachtstellung von US-Konzernen wie Google gefährde digitale Souveränität Deutschlands. "Digitale Souveränität ist außerordentlich wichtig für Deutschland, für Europa. Aber digitale Souveränität heißt nicht, dass man alles alleine macht. Wir arbeiten weiterhin in Partnerschaften auf Augenhöhe."
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sieht in dem neuen Zentrum einen Vertrauensbeweis in die Stärke und Zukunftsfähigkeit der Hauptstadt. Berlin sei auf dem Weg zum Innovationsstandort Nummer 1 in Europa.
Medikamente schneller entwickeln
Flankiert wird die Eröffnung von neuen Kooperationen: Gemeinsam mit der Technischen Universität München (TUM) und der wissenschaftlichen Einrichtung Helmholtz Munich sollen verantwortungsvolle KI-Anwendungen für Medizin und Forschung – etwa in der Einzelzellforschung – entwickelt werden.
Prof. Fabian Theis, Leiter des Helmholtz Computational Health Centers, sagte: "Medikamentenentwicklung dauert immer noch 10 Jahre, kostet Milliarden und dann funktionieren 90 Prozent der klinischen Tests nicht." Die entscheidende Frage beim Einsatz der KI sei, wie man schneller und verlässlicher herausfinden könne, welches Modell funktionieren könne, bevor man viele Jahre unter großem Ressourceneinsatz investiere.
Hohes wirtschaftliches Potenzial der KI
Google verwies zur Eröffnung des KI-Zentrums auf das enorme wirtschaftliche Potenzial der Künstlichen Intelligenz. Eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag von Google zeige, dass der flächendeckende Einsatz generativer KI bis zum Jahr 2034 in Deutschland eine zusätzliche Bruttowertschöpfung von rund 440 Milliarden Euro pro Jahr generieren könnte.
Google wird über die kommenden vier Jahre 5,5 Milliarden Euro in den Standort Deutschland investieren. Das bislang größte Investitionsprogramm des Internetriesen für Deutschland umfasst neben dem neuen KI-Zentrum in Berlin auch den Bau eines neuen Rechenzentrums in der hessischen Kreisstadt Dietzenbach. Außerdem sollen die Google-Standorte in München und Frankfurt ausgebaut werden.
Google hat in Berlin ein Zentrum für Künstliche Intelligenz eröffnet.
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger bei der Eröffnung des KI-Zentrums von Google in Berlin.