Große Digitalbank in Paraguay ist pleite

Millionen Kunden bangen um ihr Geld

In Paraguay ist eine der größten Digitalbanken des Landes pleite gegangen. Kunden fürchten um ihre Gelder.

Millionen Kunden bangen um ihr Geld

Vor den Banken haben sich Schlangen gebildet.

Von Lukas Böhl

Für Millionen Bankkunden ist es ein Schock: Die Digitalbank Ueno Bank in Paraguay wird abgewickelt. Die Zentralbank des südamerikanischen Landes hat das Verfahren am 2. November 2026 eingeleitet, nachdem sich die finanzielle Lage des Geldhauses erheblich verschlechtert hatte.

Die Bank gehört zu den großen Finanzinstituten des Landes und zählt nach eigenen Angaben rund drei Millionen Kunden. Ihre Schließung hat weitreichende Folgen: Kontoguthaben wurden vorerst eingefroren, Zahlungen unterbrochen und zahlreiche Menschen vom Zugriff auf ihre Ersparnisse abgeschnitten.

Zentralbank greift nach finanziellen Problemen ein

Wie die paraguayische Zentralbank mitteilte, unterschritt die Solvenzquote von Ueno Bank nach Korrekturen der Bilanz weniger als die Hälfte des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestwerts. Damit verfügte das Institut nicht mehr über die erforderliche finanzielle Stabilität.

Die Behörden sahen sich deshalb gezwungen, ein Abwicklungsverfahren einzuleiten. Dabei sollen die Vermögenswerte der Bank gesichert und die Interessen der Kunden geschützt werden.

Besonders bemerkenswert ist das schnelle Wachstum des Geldhauses. Ueno hatte sich innerhalb weniger Jahre zu einer der bekanntesten Digitalbanken Paraguays entwickelt. Mit einem stark auf mobile Bankgeschäfte ausgerichteten Angebot erreichte das Unternehmen einen erheblichen Teil der Bevölkerung.

Nun steht die Zukunft der Bank auf dem Spiel.

Hunderte Millionen Dollar an Rentengeldern betroffen

Die Folgen reichen weit über private Bankkonten hinaus. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press liegen bei Ueno Bank auch öffentliche Gelder in Höhe von rund 800 bis 850 Millionen US-Dollar.

Darunter sollen sich etwa 380 Millionen Dollar der staatlichen Sozial- und Rentenversicherung IPS befinden. Die Behörden müssen nun klären, in welchem Umfang diese Gelder zurückgeholt werden können.

Ob tatsächlich Verluste entstehen und wie hoch diese ausfallen könnten, steht bislang nicht fest.

Die Krise hat damit auch eine politische Dimension. Präsident Santiago Peña hatte in der Vergangenheit wirtschaftliche Verbindungen zur Eigentümergruppe der Bank. Zudem trat der bisherige Zentralbankpräsident Carlos Carvallo nach der Schließung zurück. Er war zuvor selbst für ein Vorgängerunternehmen von Ueno tätig gewesen.

Ermittlungen gegen 27 Personen

Inzwischen beschäftigt der Fall auch die Justiz. Die paraguayische Staatsanwaltschaft teilte am 4. November mit, dass gegen 27 Personen wegen mutmaßlicher finanzieller Unregelmäßigkeiten ermittelt wird.

Im Mittelpunkt stehen unter anderem Kredite an Unternehmen, die mit der Bank verbunden waren. Nach Darstellung der Ermittler könnten dabei erhebliche Summen ohne ausreichende Sicherheiten vergeben worden sein.

Die untersuchten offenen Forderungen belaufen sich auf knapp 167 Millionen US-Dollar sowie weitere 343 Milliarden paraguayische Guaraní. Ob das Geld vollständig zurückgezahlt werden kann, ist unklar.

Die Ermittlungen dauern an. Eine strafrechtliche Schuld der Beschuldigten ist bislang nicht festgestellt.

Was passiert jetzt mit dem Geld der Kunden?

Für die betroffenen Kunden ist vor allem entscheidend, ob sie ihre Ersparnisse zurückbekommen.

Paraguay verfügt über eine gesetzliche Einlagensicherung. Diese schützt Guthaben grundsätzlich bis zu einer Höhe von 228,3 Millionen Guaraní, umgerechnet rund 33.000 US-Dollar, pro Einleger und Bank.

Die Zentralbank hat erste Auszahlungen von bis zu zehn Millionen Guaraní angekündigt. Weitere Maßnahmen sollen die Rückzahlung beschleunigen.

Für Guthaben oberhalb der gesetzlichen Sicherungsgrenze bleibt die Lage schwieriger. Hier hängt die Rückzahlung unter anderem davon ab, wie viele Vermögenswerte im Abwicklungsverfahren gesichert und verwertet werden können.

Die Zentralbank betont, dass die Probleme von Ueno Bank ein Einzelfall seien und keine allgemeine Krise des Bankensystems darstellten.