Krieg im Nahen Osten

Netanjahu hält an Eskalationskurs mit dem Iran fest

Benjamin Netanjahu bleibt seinem harten Ton gegen den Iran vor der Wahl in Israel treu. Die Wähler scheinen das Vertrauen in seinen Kurs jedoch zu verlieren.

Netanjahu hält an Eskalationskurs mit dem Iran fest

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei einer Pressekonferenz in Jerusalem. (Archiv)

Von Ole Rockrohr

Eine Woche vor der Parlamentswahl in Israel beteuert der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, an den Bestrebungen zum Sturz der iranischen Führung festzuhalten. „Wir müssen die Beseitigung des iranischen Regimes vollenden“, sagte er laut einer am Abend von seinem Büro verbreiteten Mitteilung. Für Israel sei dies das Wichtigste. Er habe erst am Sonntag wieder mit US-Präsident Donald Trump darüber gesprochen.

Solange die iranische Führung existiere, werde sie versuchen, Atomwaffen herzustellen, sagte Netanjahu. „Der einzige Weg, dies zu verhindern, ist der Sturz dieses Regimes.“ Der israelische Regierungschef hatte schon früher einen Machtwechsel im Iran angestrebt. Bei dem Ende Februar von Israel und den USA begonnenen Krieg wurden viele einflussreiche iranische Generäle und Spitzenpolitiker gezielt getötet. Der Sturz der Regierung blieb jedoch aus.

Netanjahu hatte am Dienstag laut israelischen Medienberichten überraschend US-Verteidigungsminister Pete Hegseth getroffen. Das US-Nachrichtenportal „Axios“ brachte Hegseths Besuch in Israel mit Spekulationen über eine mögliche erneute Eskalation im Konflikt mit dem Iran in Verbindung.

Minister Katz: Israel zerstört mehr als 60 Dörfer im Südlibanon

Netanjahu sagte weiter, dass Israels Armee in der einseitig eingerichteten „Sicherheitszone“ im Südlibanon die gesamte terroristische Infrastruktur der schiitischen Hisbollah zerstört habe.

Laut Angaben des israelischen Verteidigungsministers Israel Katz mussten alle rund 200.000 schiitischen Einwohner das Gebiet verlassen. In der Gegend leben unter anderem auch Christen. Katz zufolge wurden mehr als 60 Dörfer und 23.000 Häuser, die von der Hisbollah als Stützpunkte genutzt worden sein sollen, zerstört. Die israelische Armee werde sich nicht aus der Sicherheitszone zurückziehen, solange die Hisbollah nicht im gesamten Libanon entwaffnet sei, sagte Katz weiter. Israel will laut eigenen Angaben mit der Einrichtung der Zone Angriffe der Hisbollah auf den Norden des Landes verhindern.

Katz drohte zugleich mit neuen Bodeneinsätzen und der Einnahme von Gebieten im Südlibanon, sollte sich die Hisbollah einem iranischen Angriff auf Israel anschließen. Netanjahu kündigte derweil an, Israel werde demnächst mit dem Libanon Frieden schließen.

Schicksalswahlen für Benjamin Netanjahu

Am 27. Oktober wählen die Menschen in Israel ein neues Parlament. Dabei wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Netanjahu und seinem wichtigsten Herausforderer, dem Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot, erwartet. Neueste Umfragen zeigen Eisenkots Partei Jaschar mit 22 Prozent der Stimmen knapp vor Netanjahus Likud-Partei, die bei 20,2 Prozent steht.

Das israelische Parteiensystem ist traditionell sehr zersplittert. In der aktuellen Legislaturperiode teilen sich zehn Parteien die 120 Sitze in der Knesset. Seit 1992 konnte keine mehr als 30 Prozent der Wähler hinter sich vereinen.