Spitzenkandidaten im SWR

Netzkritik am Triell: „Trau keinem, der seine Mundart der Sendung anpasst“

Nach dem Ende der SWR-Wahlsendung mit Özdemir, Hagel und Frohnmaier geht die Diskussion im Netz weiter. Für viele gibt es einen klaren Verlierer – und es ist keiner der Kandidaten.

Netzkritik am Triell: „Trau keinem, der seine Mundart der Sendung anpasst“

Die Moderatoren haben bei der Diskussion mit Cem Özdemir und Manuel Hagel dem AfD-Mann Markus Frohnmaier (rechts) zu sehr von der Kette gelassen, fanden viele im Netz.

Von Eberhard Wein

Wer hat das Triell des SWR zur Landtagswahl in Baden-Württemberg gewonnen? Darüber wird auch im Netz nach Ende der Sendung am Dienstagabend heiß diskutiert.

Auf breiter Front versuchen die jeweiligen Parteigänger, ihren Kandidaten zu pushen, um im Netz die Deutungshoheit zu gewinnen. Die Erzählung der Grünen-Seite ist klar. Cem Özdemir sei der „einzige Erwachsene im Raum“. Er habe am wenigsten geredet, und gleichzeitig am meisten gesagt, schreibt ein junger Grünen-Büroleiter auf X.

Die Junge Union wirft sich hingegen für Hagel in die Bresche, wobei auch sie sich vor allem mit Özdemir befasst. Der grüne Spitzenkandidat stehe „konträr zu den Inhalten seiner Partei“ – sowohl beim Verbrenner-Aus als auch beim Thema Migration. Er sei ein „Wolf im Schafspelz“.

Triell im SWR: Altes Hagel-Interview ist auch im Netz Thema

Natürlich wird auch über das verunglückte, acht Jahre alte Hagel-Interview gelästert, in dem der damals 29 Jahre alte Politiker in Kneipenatmosphäre bei einem Bier von einem Besuch bei einer Realschulklasse mit überwiegend weiblicher Schülerschaft und einer Eva mit rehbraunen Augen berichtet.

Der sympathische #Hagel in dem 'Auf ein Bier mit...' Interview vs der aalglatte Phrasenmäher im #Triell.8 Jahre Parteipolitik sind eine lange Zeit.#swr#özdemir#tvdebattehttps://t.co/peoTeUm5Hw — Nebelparder (@ImNebelmeer) February 24, 2026

Im Triell wiederholt Hagel seine Bekenntnis vom Tag, die entsprechenden Äußerungen seien Mist gewesen, seine Frau habe ihm das schon vor acht Jahren klar gemacht. Offenbar habe ihm seine PR-Abteilung diese Erklärung aufgeschrieben, mutmaßt einer. Es sei doch frappierend, dass Vorurteile immer wieder bestätigt würden, heißt es beim X-Konkurrenten Bluesky. Es gibt aber auch einen User, der sich den Hagel aus dem legendären „Auf ein Bier“-Interview zurückwünscht. In acht Jahren Parteipolitik sei der „sympathische“ junge Mann zum „Phrasendrescher“ verkommen.

SWR-Triell: Netz diskutiert über Frohnmaier-Einladung

Vor allem aber reißen die Diskussionen nicht ab, ob es wirklich nötig und sinnvoll war, zu Manuel Hagel (CDU) und Cem Özdemir (Grüne) auch den AfD-Spitzenmann Markus Frohnmaier hinzuzuladen. Der will zwar Ministerpräsident werden, steht aber nirgends auf dem Wahlzettel. Eine Machtoption habe er auch nicht, weil keine andere Partei mit ihm koalieren wolle, heißt es immer wieder. Und Unsinn rede er noch dazu, finden viele im Netz. „Özdemir und Hagel erklären dem Braunmaier die Welt“, schreibt ein User auf dem Kurznachrichtendienst X.

Özdemir und Hagel erklären dem Braunmaier die Welt. Starker Auftritt #Triell#BW#SWR — ReginaSansibar (@ReginaSansibar) February 24, 2026

Seine eigene Fanbasis ist hingegen begeistert vom AfD-Co-Landeschef. Auf X hat er eine große Gemeinde. Zeitweise trendet der Hashtag #Frohnmaier sogar. Er sei „ein super Typ“ und „klarer Punktsieger“, heißt es auch. „Ich weiß nicht, was ihr alle immer habt“, wird er aus den eigenen Reihen gegen Kritik verteidigt. Einer initiiert sogar eine kleine Umfrage, die Frohnmaier zum klaren Sieger des Triells kürt – allerdings liegt die Teilnehmerzahl nur im zweistelligen Bereich.

Kritiker halten ihn hingegen schlicht für unwürdig. Der „Putin-Lakai“ bekomme es nicht einmal über die Lippen, dass der Kreml-Chef ein Kriegsverbrecher sei, heißt es. Außerdem lese er nur ab, merkt ein weiterer Nutzer an.

SWR-Triell: Nutzer sehen einen klaren Verlierer

Wenn schon der Sieger des Triells nicht feststeht, dann sind sich viele Zuseher zumindest über den Verlierer einig. Es ist das gewählte Format. Wenn man schon einem „Faschisten eine Bühne gebe“, dann gehe das nur mit Live-Faktencheck, schreibt ein Bluesky-User.

Es sei auch viel zu viel über Bundespolitik und überhaupt nicht über Schulpolitik – ein zentrales Landesthema – geredet worden, wird bemängelt. Die Moderatoren seien auch schlicht überfordert gewesen und hätten Frohnmaier nicht in die nötigen Schranken verwiesen.

Und was sagen diejenigen, die Zaungäste der Veranstaltung waren? So ganz unabhängig ist auch deren Urteil nicht: „Zwei Konservative, ein Verdachtsfall und keine Vorschläge für das Land“, fasst ein SPD-Parteigänger seine Erkenntnisse aus dem Abend zusammen. Ihr Spitzenkandidat Andreas Stoch musste ebenso zusehen, wie FDP-Mann Hans-Ulrich Rülke und die bisher nicht im Landtag vertretene Linke. Er würde „Hägele am ehesten in seinem Kreditinsitutut sehen“ mit Özdemir in der Werbeabteilung, fasst einer es zusammen. Frohnmaier wäre hingegen am besten in einem Untersuchungsausschuss aufgehoben.

Ohne dem Hägele zu nahe zu treten: Ich würde ihn eher in seinem Kreditinstitut sehen, mit dem Özdemir vielleicht in der Werbeabteilung. Den Frohnmaier am ehesten im Untersuchungsausschuss. #Triell#SWR#SWRTriellhttps://t.co/80uUH5Uf88 — Leopold Moritz Haenel  (@Moselrecht) February 24, 2026

Die Schlusserkenntnis eines Nutzers:

Merke: Traue keinem Politiker, der seine Mundartfärbung der jeweiligen TV-Sendung anpasst. #diedebatte#SWR#triell — bernhard ströbele (@holunderwald) February 24, 2026

Die Landtagswahl in Baden-Württemberg findet am 8. März statt. Die CDU mit Spitzenkandidat Manuel Hagel liegt in Umfragen vorn, Cem Özdemir und die Grünen sind ihr aber auf den Fersen.