Nordsee-Gipfel

Neue Energie-Gefahr für Europa

Wenn es um Rohstoffe geht, müssen die Europäer nun auch noch ihre Abhängigkeit von den USA verringern, kommentiert Rainer Pörtner.

Neue Energie-Gefahr für Europa

Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche beim Nordsee-Gipfel in Hamburg: sie ist im Bundeskabinett zuständig für Energiefragen.

Von Rainer Pörtner

Die Frage, wie sicher die Versorgung Europas mit Rohstoffen und Energie ist, bezog sich in den letzten Jahren vor allem auf zwei Länder: China und Russland. Es entwickelte sich ein breiter Konsens, dass in beiden Fällen die Abhängigkeit dringend verringert werden muss. Bezüglich der extremen Gasabhängigkeit von Moskau gelang die Korrektur erstaunlich schnell und gut.

Jetzt aber gibt es einen neuen Grund zur Sorge: den USA, die bisher auch auf diesem Feld eine Art Rückversicherer für die Europäer waren, ist nicht mehr zu trauen. US-Präsident Donald Trump will sein Land zu einer Energiesupermacht ausbauen, die über die Öl- und Gasmärkte ökonomischen und politischen Druck erzeugen kann. Europa steht plötzlich vor der Aufgabe, nun auch noch zusätzlich seine Energieabhängigkeit von Amerika verringern zu müssen, wenn es nicht erpressbar sein will.

Die Nordsee als „grünes Kraftwerk für Europa“

Mehrere Staaten Europas haben jetzt ihren Willen mit praktischen Abmachungen untermauert, die Nordsee zum „grünen Kraftwerk für Europa“ zu machen. Soll heißen: deutlich mehr Energie durch Windkraftwerke auf hoher See zu erzeugen. Tatsächlich ist der Ausbau der erneuerbaren Energien die einzig nachhaltige Option für Europa, um Energiesouveränität zu erreichen. Mehr Windräder, Solarpanels und Wasserkraftwerke sind nicht nur gut fürs Klima, sondern auch für Europas Selbstbehauptung in einem rauen politischen Umfeld.