Krieg gegen den Iran

Ohne die Ukraine kann Trump nicht

Ukrainische Drohnenpiloten schützen inzwischen im Nahen Osten US-Soldaten vor iranischen Angriffsdrohnen.

Ohne die Ukraine kann Trump nicht

Weltweit führende Experten: ein ukrainischer Soldat untersucht bei Kyjiv eine abgeschossene russische Shahed-Drohne iranischer Bauart.

Von Franz Feyder

Wolodymyr Selenskyj muss sich die Augen gerieben haben, als die Depesche aus Washington am 5. März auf seinem Schreibtisch landete. US-Präsident Donald Trump fragte seinen Amtskollegen, ob die Ukraine seinen Soldaten im Krieg gegen den Iran beispringen könnten. Mit Drohnenpiloten, die sich seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine im Februar 2014 darauf spezialisiert haben, feindliche Drohnen abzufangen. Die USA verfügen über solches Spezialwissen nicht.

Selenskyj also soll helfen, amerikanische Soldaten zu verteidigen. Der Mann, den Trump immer wieder abwatscht. Dem er Munition und Flugabwehr verweigert – außer Europäer kaufen sie in den USA. Der zusehen muss, wie Trump die Ukraine an Russland verschachert: Ein rohstoffreiches Viertel des Landes fällt nach russisch-amerikanischen Vorstellungen an den Aggressor; die Hälfte der ukrainischen Einnahmen an verbleibenden seltenen Erden an die USA.

„Schon am nächsten Tag brach unser Team auf“, sagt Selenskyj. Ziel war erst Jordanien, dann weitere US-Basen in der Golfregion: Am 1. März starben sechs amerikanische Soldaten beim Einschlag einer iranischen Shahed-Drohne in das provisorische US-Operationszentrum im Hafen des kuwaitischen Shuaiba.

Dass ausgerechnet die Ukraine helfen soll, wirkt überraschend. Doch im Krieg gegen Russland hat sich das Land zum weltweit erfahrensten Akteur im Kampf gegen Loitering-Munition entwickelt: unbemannte Flugkörper, die über einem Zielgebiet kreisen, Ziele mittels Sensoren selbstständig oder ferngesteuert identifizieren und anschließend im Sturzflug zerstören. Vor allem wissen ukrainische Piloten wie iranische Shahed-136 abgefangen werden, die Russland jede Nacht in großer Zahl einsetzt. Tausende dieser Drohnen feuerten sie in den vergangenen Jahren auf ukrainische Städte.

Kostengünstige Abfangdrohnen entwickelt

„Wir mussten schnell lernen“, sagte der frühere ukrainische Luftwaffenoffizier Anatolij Chraptschynskyj. „Wenn der Feind jede Nacht Hunderte Drohnen schickt, entwickelt man zwangsläufig Methoden, sie effizient zu stoppen.“ Die wichtigste: Drohnen gegen Drohnen. Ukrainische Entwickler bauen kleine Abfangdrohnen. Sie steigen auf, verfolgen das Ziel und rammen es oder sprengen sich in seiner Nähe. Systeme wie die „Sting“ kosten nur wenige Tausend Euro.

Ein entscheidender Punkt. Eine Shahed-136 kostet zwischen 30 000 und 50 000 Euro. Moderne Flugabwehrraketen mehrere Millionen. „Mit einer Patriot-Rakete eine Shahed abzuschießen ist möglich, aber ökonomisch absurd“, sagt der ukrainische Luftverteidigungsexperte Serhij Beskrestnow. „Wir mussten Lösungen finden, die deutlich billiger sind.“

Weitere elf Staaten im Nahen Osten wollen die Hilfe der Ukraine

Die ukrainische Lösung besteht aus einem ganzen System. Radarstationen und Beobachtungsposten melden anfliegende Drohnen. Mobile Teams stehen bereit, oft mit Maschinengewehren und Wärmebildgeräten. Wenn nötig, steigen Abfangdrohnen auf. In vielen Fällen verfolgen Piloten die Shaheds minutenlang durch die Nacht, bevor sie angreifen.

„Es ist wie Luftkampf“, beschrieb ein ukrainischer Drohnenpilot in Kiew. „Du siehst nur einen Punkt im Wärmebild und weißt: Verlierst du ihn, tötet er.“ Diese Erfahrung macht ukrainische Spezialisten auch für andere interessant. Inzwischen haben weitere elf Staaten Selenskyj um Hilfe gegen iranische Drohnen gebeten.