Der Träger der Klinik im Stuttgarter Süden hat beim Stuttgarter Amtsgericht Insolvenz angemeldet. Bei den Patienten löst die Nachricht gemischte Reaktionen aus. Man lobt die ärztliche Versorgung und würde einen möglichen Stellenabbau oder gar das Aus sehr bedauern.
Das Stuttgarter Marienhospital blickt einer ungewissen Zukunft entgegen.
Von Rainer Roth
Stuttgart - Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH einen Antrag auf Insolvenz beim Stuttgarter Amtsgericht gestellt hat – was auch das Marienhospital in Stuttgart betrifft. Zwar betonte die Geschäftsführung umgehend, dass der Klinikbetrieb zunächst ohne Einschränkungen weiterlaufen soll. Allerdings sorgt die Nachricht vor Ort für Verunsicherung, wie eine Umfrage unserer Redaktion zeigt.
„Schockiert“ und „überrascht“ sind zwei Schlagworte, die vor dem Marienhospital am Donnerstag häufiger fallen. Schließlich kam die Botschaft für viele Patienten aus dem Nichts. So auch für Ute Blind. Die 55-jährige muss regelmäßig für MRT-Untersuchungen ins Marienhospital und sei mit den Behandlungen bisher immer sehr zufrieden gewesen.
Dennoch macht sie sich Sorgen, dass sich dies durch das laufende Insolvenzverfahren ändern könnte. „Ich hoffe der Betrieb läuft wie gewohnt weiter, sonst muss ich mir ein neues Krankenhaus suchen.“ Dabei denkt sie nicht nur an sich selbst, sondern auch an die Angestellten: „Es tut mir für die Beschäftigten leid“, ergänzt sie mit Blick auf einen möglichen Stellenabbau.
Denn die Insolvenz betrifft den gesamten Träger, die Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH, zu der neben dem Marienhospital auch die Vinzenz Klinik und die Vinzenz Therme in Bad Ditzenbach sowie die Luise von Marillac Klinik in Bad Überkingen gehören. Insgesamt arbeiten rund 3000 Beschäftigte in dem Verbund. Das Marienhospital selbst zählt mit seinen mehreren Hundert Betten und zahlreichen Behandlungsfällen pro Jahr zu den wichtigen Säulen der medizinischen Versorgung in Stuttgart und darüber hinaus.
Nicht nur deshalb sagt Heinrich Kaiser: „Es wäre für mich unvorstellbar, wenn es das Marienhospital nicht mehr geben würde.“ Überhaupt fühlt sich der ehrenamtliche Mitarbeiter im Begleitdienst eng mit der Klinik verbunden – nicht zuletzt, weil er dort vor 75 Jahren geboren wurde und seine ganze Familie auf eine lange Geschichte mit dem Marienhospital zurückblickt.
Die veränderte Lage im Krankenhaus nimmt er durch seine ehrenamtliche Tätigkeit schon länger wahr. „Wenn man mit den Angestellten spricht, hat man ihre Sorgen gespürt“, sagt er. Nun hofft er, dass Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, sodass sich die Klinik wirtschaftlich stabilisieren und der Betrieb wie gewohnt weiterlaufen kann.
„Ich finde es sehr schade. Das ist ein sehr schönes Institut mit super Ärzten“, bedauert auch Alain Tchamdjou die Insolvenz. Er habe erst am Donnerstag von der Nachricht erfahren, die er ebenfalls als „unvorstellbar“ bezeichnet. Da er bereits seit 2019 regelmäßig in die Klinik muss, hofft er auf einen positiven Ausgang – zumal er direkt in der Nähe wohnt und voraussichtlich noch länger auf ärztliche Behandlung angewiesen sein wird.
Doch es gibt auch Stimmen, die der Zukunft deutlich gelassener entgegenblicken. „Ich bin da relativ entspannt. Es gibt in Stuttgart ja noch mehr Krankenhäuser“, teilt etwa der 29-jährige Marcel mit. Bei ihm steht demnächst eine Operation an, weshalb er zu Voruntersuchungen ins Marienhospital muss. Da bisher alles positiv verlaufen sei, habe er bislang keine Einschränkungen wahrgenommen. Gleichzeitig ergänzt er, dass eine Schließung schlecht für die Stadt und die Mitarbeiter vor Ort wäre.
Deutlich kritischer blickt Angela Lang auf die Lage. Die 64-Jährige besucht ihren Mann im Marienhospital, der sich dort einer schwierigen Zahn-Operation unterziehen musste. Zwar lobt sie das Personal und die Versorgungsqualität in der Klinik. Dennoch stört sie sich am Gesundheitssystem allgemein – gerade mit Blick auf die Pleite. „Uns als Steuer- und Krankenkassenbeitragszahler wundert so was schon.“
Dabei empfindet auch sie Mitgefühl mit den Angestellten, die aus ihrer Sicht nun die Fehler der Führungsebene ausbaden müssen. „Die Mitarbeiter können nichts dafür. Die Leute, die Dinge beschließen, sitzen halt da oben.“