Lässt sich das für April geplante Rattengiftverbot noch abwenden? Mehrfach hatte es Verwirrung um den Termin gegeben – geschätzt leben 300 Millionen Ratten in Deutschland.
Ratten lieben Biomüll – einige Städte schaffen daher die blauen Beutel ab.
Von Michael Maier
Wer bisher ein Rattenproblem in Haus oder Garten hatte, fuhr in den Baumarkt, kaufte für rund 20 Euro eine Köderbox und löste das Problem in Eigenregie. Doch damit ist bald Schluss.
Die Europäische Union und nationale Behörden schieben dem freien Verkauf von wirksamem Rattengift an Privatpersonen demnächst einen Riegel vor. Für den Sommer, in dem die Tiere ihre Fortpflanzungsperiode haben, sollte man sich jetzt bevorraten.
Es geht um die nationale Umsetzung EU-Biozid-Verordnung (528/2012), die 2026 eine neue Stufe erreicht. Doch das Vorhaben entwickelt sich zunehmend zu einem Politikum. Per Mail an unsere Redaktion hatte eine Sprecherin der EU-Kommission zum Jahreswechsel unaufgefordert auf kritische Berichterstattung reagiert und auf die vorrangige Zuständigkeit der Mitgliedstaaten bei der Aussetzung oder Verlängerung der Zulassung von Rattengiften verwiesen.
Bis zu 300 Millionen Ratten – Verwirrung um Stichtag
Während das Datum für das Verkaufs-Aus definitiv näher zu rücken scheint, läuft in Deutschland eine Debatte über drohende Plagen durch Ungeziefer, Tierschutz und die Frage, wie wir künftig mit den geschätzt 300 Millionen Ratten im Land umgehen sollen.
Um den Stichtag hatte es zuletzt Verwirrung gegeben. Zum 1. Januar machten die Behörden einen Rückzieher, dann war vom 30. Juni und vom 1. April 2026 die Rede. Durch Vorgaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) herrscht nun aber Klarheit für den Handel.
Rattengift-Verbot ab April 2026
Tierschutz vs. Rattenplage
Das Ziel der EU-Biozidverordnung ist der Schutz von Mensch, Haus- und Wildtier. Die Gifte (Blutgerinnungshemmer) wirken zeitverzögert, was bei Raubvögeln, Füchsen oder Haustieren zu fatalen Sekundärvergiftungen führt, wenn sie vergiftete Ratten fressen.
Kritiker warnen indes eindringlich vor einer unkontrollierbaren Rattenplage und wollen das Verbot für Privatleute noch stoppen. Ein einziges Rattenpaar kann pro Jahr über mehrere Generationen bis zu 2.000 Nachkommen zeugen. Wenn Hausbesitzer künftig 400 Euro für einen ohnehin überlasteten Kammerjäger zahlen müssen, anstatt für 20 Euro selbst einzugreifen, befürchten Experten eine massive Ausbreitung der Nager.
Rattenfalle mit Elektroschock und App?
Da die chemische Lösung bald aus den Regalen verschwindet und klassische Schlagfallen oft nutzlos sind (Ratten lernen aus den Fehlern ihrer Artgenossen und warnen sich über Ultraschall), rüstet der Markt massiv auf. Start-ups wittern ein Millionengeschäft und entwickeln völlig neue Ansätze:
Schwarzmarkt für Rattengift in Europa?
Das Rattengift-Verbot zwingt uns zum Umdenken. Für Bürger bedeutet das bürokratische Fristen-Chaos vor allem eines: Die Schädlingsbekämpfung wird ab Frühjahr 2026 deutlich teurer und komplizierter.
Das im Prinzip gut funktionierende „Ratting“ – also das gezielte Jagen von Ratten durch Hunde ist in Deutschland übrigens ebenfalls verboten. Katzen tun sich mit den aggressiven Nagern hingegen mitunter relativ schwer.
Ob in der EU nun ein Schwarzmarkt für Rattengift entstehen könnte, bleibt offen. Möglicherweise gelangen die Stoffe auch nach dem Stichtag noch aus anderen Ländern in die EU. In der Schweiz soll aber ebenfalls ein Verbot kommen.