Debatte um KI-Strategie

Rektoren kritisieren CDU-Plan für neue KI-Universität in Baden-Württemberg

Das Land gründet eine KI-Nachwuchsschmiede in Heilbronn. Die CDU will lieber eine neue Universität nur für KI.

Rektoren kritisieren CDU-Plan für neue KI-Universität in Baden-Württemberg

Gründer der KI-Nachwuchsschmiede (von links nach rechts): Gunther Friedl, Karla Pollmann, Peter Middendorf, Winfried Kretschmann, Petra Olschowski, Jan Hesthaven und Oliver Kraft

Von Bärbel Krauß

Zufriedene Gesichter gab es bei den Vertretern der Universitäten ebenso wie bei Wissenschaftsministerin Petra Olschowski und Ministerpräsident Winfried Kretschmann (beide Grüne). Das lag nicht an der heiteren Tanzszene auf dem Gobelin im Staatsministerium, vor dem die Gründungsvereinbarung des Graduierten- und Forschungszentrums „Connaix“ in Heilbronn unterzeichnet wurde.

Tatsächlich waren die Beteiligten überzeugt, mit ihrer Kooperation einen wesentlichen Schritt in die Zukunft gemacht zu haben. Ab 2029, wenn der Aufbau abgeschlossen sein soll, steckt das Land 30 Millionen Euro in das Projekt. Dann sollen zehn Professoren sechzig Doktoranden und zwanzig Wissenschaftler nach der Promotion qualifizieren. Diese Forscher sollen nach dem Willen der Initiatoren bei der Entwicklung der nächsten KI-Generation ganz vorne mitspielen. Alle drei Hochschulen verhandeln nach Aussage ihrer Rektoren Karla Pollmann (Tübingen), Peter Middendorf (Stuttgart) und Jan Hesthaven (KIT) aktuell über Berufungen oder stehen unmittelbar vor der Verpflichtung von Topexperten für Connaix.

Schneller als bei Universitäten üblich

„Wir wollen dieses Research-Zentrum schneller zur Anwendung bringen als es in universitären Prozessen sonst üblich ist“, erklärte Oliver Kraft, Vizepräsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), der bei dem Pressegespräch neben seiner eigenen Hochschule auch für die Universitäten Stuttgart und Tübingen sprach. „Es wird entscheidend, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern und Forschungsergebnisse schneller in die Wirtschaft zu übertragen.“ Das neue Zentrum habe das Zeug, „einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts und zur technologischen Souveränität Europas leisten“.

Der Ehrgeiz, mit dem das Projekt vorangetrieben wird, könnte, wie Krafts Aussage belegt, kaum größer sein. Die Bedeutung von KI für die Wirtschaftsentwicklung Baden-Württembergs hoben auch Kretschmann und Olschowski hervor. „Wir brauchen exzellent ausgebildete KI-Expertinnen für Robotik, Chipdesign und Cybersicherheit“, sagte der Regierungschef. Mit dem neuen Institut werde Baden-Württemberg zu einem führenden KI-Standort Europas. Laut Wissenschaftsministerin Olschowski gibt es im Fachbereich KI im Land bereits 600 Professorinnen und Professoren. „Genug ist das nicht“, sagte sie. Um den großen Bedarf an KI-Expertise zu decken, müssten bei den Pensionierungen der nächsten Jahre Professuren anderer Fachrichtungen umgewidmet werden.

Reallabor für schnellen Transfer

„In Heilbronn entsteht ein Reallabor, in dem KI-Lösungen sofort unter realen Bedingungen validiert und in die Anwendung gebracht werden können“, ergänzte Gunther Friedl für die Dieter-Schwarz-Stiftung. Sie stellt nicht nur Räume und Infrastruktur bereit, sondern ermöglicht auch den Zugang zu den am Innovationsparks für künstliche Intelligenz (IPAI) beteiligten Unternehmen.

CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel propagiert im Wahlkampf allerdings die Gründung einer zehnten Landesuniversität für KI als Alternativkonzept, das er bei einer Pressekonferenz vor kurzem erstmals skizzierte. „Wir wollen die herausragenden Institutionen in Heilbronn, im Cyber-Valley, beim KIT und anderen zu einer Alliance zusammenbinden unter dem Dach der KI-Universität“, so Hagel. Die Hochschule solle eine technische Universität mit Schwerpunkt Anwendungsorientierung werden, Master- und Promotionsstudiengänge anbieten und von Anfang an voll digital arbeiten. „Den Standort werden wir ausschreiben“, kündigte Hagel an.

Hochschulchefs skeptisch gegenüber Universitätsneugründung

Auf Nachfrage reagierten die an Connaix beteiligten Universitäten mit Skepsis auf die Idee einer KI-Universität. „Wir vertreten sehr ehrwürdige Universitäten mit einem breiten Forschungsspektrum“, erklärte Peter Middendorf, Rektor der Universität Stuttgart. „Ob ein so enger thematischer Fokus eine gute Idee ist, sehe ich skeptisch.“ Er verwies auf die Haltung aller Landesrektoren, wonach eine solide Finanzierung für alle Hochschulen wichtig sei und ließ die Sorge durchblicken, das die Bestandshochschulen angesichts einer Neugründung mit Einbußen konfrontiert sein könnten.

„Wir kennen weltweit monothematische Universitäten. Nur sind die nicht erfolgreich“, ergänzte KIT-Präsident Jan Hesthaven. Er beschrieb universitäre Strukturen zudem als Hemmnis für Agilität und Schnelligkeit. „International müssen wir konkurrenzfähig sein“, ergänzte Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Der richtige Weg ist, komplementäre Kräfte der vielfältigen Hochschulen im Land zu bündeln.“