Um die Unabhängigkeit zu sichern, braucht Bosch eine Rendite von sieben Prozent. Davon ist das Unternehmen weit entfernt – auch wegen der Kosten für den Stellenabbau.
Bosch-Chef Stefan Hartung hält an den Konzernzielen fest – doch in diesem Jahr hält er sie für unerreichbar.
Von Klaus Köster
Der Stuttgarter Bosch-Konzern hat im vergangenen Jahr mit einem Betriebsgewinn von 1,7 Milliarden Euro sein ursprüngliches Ertragsziel weit verfehlt. Der Gewinn brach um fast die Hälfte ein; die Rendite lag bei rund zwei Prozent und damit deutlich unterhalb der sieben Prozent, die das Unternehmen als Zielwert anstrebt. Das Ziel, diesen Wert im laufenden Jahr zu erreichen, hat Bosch bereits verworfen. Nun setzt man auf das Jahr 2027 – frühestens.
Ein riesiger Kostenblock waren mit einer Ergebnisbelastung von rund 2,7 Milliarden Euro die Rückstellungen für den Personalabbau. Das Unternehmen will in den kommenden Jahren rund 22 000 Arbeitsplätze streichen.
Bei einem gegenüber dem Vorjahr kaum veränderten Umsatz von 91 Milliarden Euro entspricht dies einer Renditebelastung von drei Prozent. Ohne diese Aufwendungen hätte der Gewinn somit bei rund 4,4 Milliarden Euro gelegen, zweieinhalb mal so hoch wie er tatsächlich ausgefallen ist.
Da sich die tatsächlichen Ausgaben für Abfindungen und andere Zahlungen für den Personalabbau über die kommenden Jahre verteilen, ist die Ergebnisbelastung zunächst deutlich höher als der tatsächliche Abfluss von Geld. In den nächsten Jahren, wenn die Gelder abfließen, dürfte die Entwicklung dann umgekehrt sein.
Nicht nur Jobabbau verhagelt das Ergebnis von Bosch
Auch ohne die Abbaukosten wäre das Ergebnis deutlich hinter dem Zielwert zurückgeblieben. Die schwache Konjunktur und die neuen Handelshemmnisse, etwa in Form der gestiegenen Zölle der USA, sind neben den Aufwendungen für die Stellenstreichungen die größten Faktoren, die das Ergebnis belasteten.
Der Personalabbau soll dazu beitragen, das Unternehmen weiterhin wirtschaftlich robust, finanziell unabhängig und zukunftssicher aufzustellen. Allein im Bereich Mobility habe sich durch den Strukturwandel hin zur Elektromobilität sowie einen sehr hohen Preis- und Wettbewerbsdruck in der globalen Automobilindustrie eine jährliche Kostenlücke von rund 2,5 Milliarden Euro aufgetan – in Relation zu Renditezielen des Bereichs.
„Auch ein Stiftungsunternehmen muss die Existenzsicherung im Blick behalten und kann betriebswirtschaftliche Realitäten nicht ignorieren“, erklärt Bosch-Stefan Hartung.
Das Jahr 2026 hat das Unternehmen fast schon abgeschrieben – Bosch erwartet in diesem Jahr weiter einen „immer intensiveren Wettbewerb unter widrigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“. Erst 2027 rechnet man in einzelnen Märkten mit deutlichen Verbesserungen.
Fahrzeugsoftware ist für Bosch ein Wachstumstreiber
Chancen auf eine Belebung des Geschäfts sieht Bosch in Bereichen, in denen das Unternehmen stark engagiert ist – etwa in der softwaregetriebenen Mobilität. Diese werde sich zwar zunächst noch verhalten entwickeln, sich aber vor allem im kommenden Jahrzehnt nachdrücklich beschleunigen, so Hartung. Auf zehn Milliarden Euro beziffert Hartung das Volumen der Kundenaufträge, die man allein im vergangenen Jahr mit Lösungen für das automatisierte Fahren, für die dazugehörige Sensorik und mit zentralen Fahrzeugrechnern habe abschließen können.
Als Hemmschuh für die wirtschaftliche Entwicklung in Europa sieht Hartung die „verbreitete Skepsis in der Bevölkerung gegenüber technologischem Fortschritt“ an. Eine Umfrage des Bosch-Tech-Kompass hatte ergeben, dass weniger als zwei Drittel der Deutschen an die Wirkung des technischen Fortschritts glauben, in Frankreich sogar noch weniger. Dies sei ein „höchst alarmierendes Zeichen“, so Hartung.
Überaus unzufrieden äußert sich der Bosch Chef mit dem Ergebnis der jahrelangen Verhandlungen um eine Aufhebung des Verbrennerverbots, das die EU für 2035 verhängt hatte. Zwar schließt die EU den Verkauf von Plugin-Hybriden und so genannten Range Extendern, bei denen die Batterie des elektrischen Antriebs durch einen Verbrennungsmotor an Bord aufgeladen werden kann, nicht mehr aus – aber zugleich würden die Hybride an anderer Stelle des Regelwerks so streng reguliert, dass sich an der Situation nichts ändere. Dabei könnten solche Fahrzeuge einen maßgeblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten, vor allem wenn sie mit klimaneutralen Kraftstoffen genutzt werden.