Superstar singt in Oberhausen

Ricky Martin bittet zum Tanz: "Fühl dich einfach mal frei"

Vor seinem Konzert in Oberhausen verspricht Ricky Martin etwas Urlaub vom Alltag. Der «Maria»-Sänger erzählt, wie er den globalen Latin-Pop-Hype erlebt und warum er sich gern noch einmal outen würde.

Ricky Martin bittet zum Tanz: "Fühl dich einfach mal frei"

Am 27. Juni tritt Ricky Martin in der Arena Oberhausen auf. (Archivbild)

Von Von Philip Dethlefs, dpa

London - Vor seinem Deutschland-Comeback ist Superstar Ricky Martin die große Vorfreude anzumerken. "Es wird verrückt werden", schwärmt der puerto-ricanische Sänger im Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Mit dieser Tour war ich bereits fast auf der ganzen Welt – in Lateinamerika, Australien, im Nahen Osten sowie in den USA und Kanada. Aber Europa darf natürlich nicht fehlen."

"Livin' la Vida Loca" in Oberhausen

Am 27. Juni tritt Ricky Martin in der Arena Oberhausen auf – sein einziges Deutschland-Konzert auf dieser Tournee. Angesichts der angespannten Weltlage sieht er seine Shows als Flucht aus dem Alltag. "Wir leben in einer Zeit voller Kriege. Aber wer möchte ständig daran denken?", sagt der 54-Jährige, aus seinem Haus in Los Angeles zugeschaltet, via Zoom. "Bei meinen Konzerten fühlen sich die Leute wie im Urlaub."

Klar, dass sich Fans auf Hits wie "Livin' la Vida Loca", "She Bangs" oder "Maria" freuen dürfen. Letzterer machte Martin weltbekannt – in Deutschland mit etwas Verspätung. Das Lied war in vielen Ländern längst ein Hit, als es 1997 Platz 3 der deutschen Charts erreichte. Zur Fußball-WM 1998 landete Martin mit "La Copa de la Vida" den nächsten Welthit und sang fortan auch auf Englisch.

Dass lateinamerikanische Musik heute dank Shakira, Bad Bunny oder Karol G weltweit den Mainstream prägt, freut ihn. "Ich liebe es!" Damals habe er Latin-Elemente in den Mainstream-Pop gemischt. Heute sei alles auf Spanisch und komplett lateinamerikanisch. "Wir zeigen der Welt die Musik, die man hört, wenn man durch die Straßen Puerto Ricos geht oder in die Clubs. Ich finde das einfach wunderbar."

Wäre es nach seiner Plattenfirma gegangen, hätte er "Maria" übrigens gar nicht veröffentlicht. "Ein Produzent sagte zu mir: "Ricky, das ist das Ende deiner Karriere."" Bis dahin war er für Herzschmerz-Balladen bekannt gewesen. Den Stilwechsel zum mitreißenden Tanzflächen-Sound trauten sie ihm nicht zu. "Ich habe ihnen das Gegenteil bewiesen."

"Nicht nur als Schmusesänger am Mikrofon stehen"

Der Sänger, der gerade an seinem ersten Album seit elf Jahren arbeitet, legt Wert darauf, sich künstlerisch keine Grenzen zu setzen. "Das Publikum muss spüren, dass man authentisch und offen ist - ohne Einschränkungen. Genau das hat die Menschen erreicht", betont er. "Ich wollte tanzen. Ich wollte nicht einfach nur als Schmusesänger am Mikrofon stehen."

Das Tanzen ist ihm nach wie vor wichtig - auf der Bühne und davor. "Es ist egal, ob du Rhythmus hast oder nicht – beweg dich einfach", sagt er lachend und deutet im Sitzen ein paar Tanzbewegungen an. "Wen interessiert schon, was andere denken? Fühl dich einfach mal für zwei Stunden frei. Darum geht es bei meinen Konzerten. Mehr brauche ich nicht. Ich liebe das Tanzen."

Ricky Martin sieht blendend aus. Voll durchtrainiert, mit Buzz-Cut-Frisur und getrimmtem Vollbart wirkt er jünger als 54. "Ich bin gesund und fühle mich stark", bestätigt er. "Ich mache Dehnübungen und gehe ständig ins Fitnessstudio. Deshalb ist die Energie, die du heute auf meinen Konzerten spürst, dieselbe wie vor 10 oder 15 Jahren."

Seit der Kindheit im Showgeschäft

Der Start seiner Solokarriere liegt 35 Jahre zurück. Ein Star war er im Latein-amerikanischen Raum schon viel früher: Als Kind spielte er in Werbespots, ab seinem zwölften Lebensjahr war er Mitglied der populären Boygroup Menudo ("Hold Me") und anschließend einer der Hauptdarsteller der mexikanischen Seifenoper "Alcanzar una Estrella II".

Die Schauspielerei hat inzwischen wieder mehr Raum in seinem Leben eingenommen. "Ich bin ein Geschichtenerzähler", erklärt er. "Wenn ich singe, erzähle ich eine Geschichte. Und auch als Schauspieler erzähle ich Geschichten. Deshalb fasziniert mich die Schauspielerei."

Zuletzt war er neben Kristen Wiig und Laura Dern in der Serie "Palm Royale" zu sehen. Darin spielt Martin einen schwulen Barkeeper namens Robert im Jahr 1969. In einer Zeit, in der Homosexualität noch ein Tabuthema war, muss Robert seine Beziehung zu einem Polizisten geheim halten.

Umfeld warnte vor öffentlichem Coming-out

Im echten Leben hatte Ricky Martin 2010 sein öffentliches Coming-out. "Viele Leute haben mir gesagt, es wäre das Schlimmste, was ich tun könnte", erinnert er sich. Doch das kam für den Sänger, der zu diesem Zeitpunkt bereits Zwillinge hatte, nicht infrage. "Warum sollte ich meine Gefühle verstecken?"

Die Befürchtung - auch in seinem privaten Umfeld - war, dass er Millionen weiblicher Fans verlieren könnte. Doch wie schon bei "Maria" ließ er sich nicht beirren. "Damals ging es um meine Bedürfnisse als Künstler, nun war es Zeit, sich um meine Bedürfnisse als Mann zu kümmern", sagt er. "Außerdem hatte ich Kinder. Sollte ich denen etwa beibringen zu lügen?"

Die Befürchtungen bestätigten sich nicht. Heute blickt der vierfache Vater glücklich zurück. "Ich wünschte, ich könnte mich noch einmal outen, weil es sich einfach großartig angefühlt hat. Es war wunderschön."

Mit 54 ist er als Mann und als Künstler mit sich im Reinen - meistens. "Wir Künstler sind dermaßen unsicher. Ein bisschen geht es mir noch immer so. Aber ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht habe", betont Ricky Martin. "Das Leben war bisher einfach wundervoll."

Ricky Martin bittet zum Tanz: "Fühl dich einfach mal frei"

"Ich bin gesund und fühle mich stark", sagt der 54-jährige Ricky Martin. (Archivbild)