Rieras kurzes Kapitel in Frankfurt

Die Amtszeit von Albert Riera bei der Eintracht dauert nur 104 Tage. Es ist das Ende eines Missverständnisses.

Von Lars VÖLKERINK

Frankfurt - Geräuschlos wollte Albert Riera natürlich nicht abtreten. Er sei „traurig“, schrieb der exzentrische Mallorquiner, dass Eintracht Frankfurt „nur 20 Prozent der Kraft von Albert“ genutzt habe. Dennoch, versicherte Riera nach seiner Entlassung auf Instagram, gehe er „in Frieden“. 

Von Frieden war während seiner Amtszeit aber nur wenig zu spüren. Anfang Februar hatte der Spanier die Nachfolge von Dino Toppmöller angetreten. Was folgte, war ein 104-tägiger Frankfurter Fiebertraum voller sportlich schwankender Leistungen, skurriler Pressekonferenzen und interner Unstimmigkeiten. Am Sonntagabend beendete die Vereinsführung um Sportvorstand Markus Krösche „nach einer offenen und ehrlichen Analyse der sportlichen Entwicklung“ schließlich das große Missverständnis.

Dabei gingen die Probleme mit Riera weit über das Sportliche hinaus. Als Tabellenachter der Fußball-Bundesliga verpasste die Eintracht erstmals seit sechs Jahren das internationale Geschäft, Riera sorgte aber vor allem abseits des Platzes für Aufsehen. Im Umgang mit Medien und der Mannschaft wirkte der Spanier unberechenbar. 

Interne Unstimmigkeiten gipfelten in einem Zwist mit Stürmer Jonathan Burkardt, der Riera nach einem Treffer in Dortmund Anfang Mai beschimpft haben soll und eine 20 000-Euro-Strafe aufgebrummt bekam. Große Teile der Kabine hatte Riera da wohl längst verloren.  Und auch bei den Fans kippte die Stimmung. Beim 2:2 gegen den VfB Stuttgart am Samstag wurde Riera erst ausgepfiffen und dann mit einem Plakat gerügt („Nada de gracias, Alberto“; sinngemäß: „Danke für nichts, Alberto“). Riera bedauerte, dass er während seiner Zeit „mit vielen Problemen konfrontiert war“ und führte etwa fehlende Vorbereitungszeit an.

Das gescheiterte Experiment Riera wirft dabei auch kein gutes Licht auf Krösche. Der Sportvorstand, schrieb die Hessenschau in einem Kommentar, sei auf einen „Blender“ hereingefallen. Doch nun geht es für die Eintracht und Krösche an die Aufräumarbeiten. Nachfolger für Riera werden schon gehandelt. Laut „Bild“ sollen der Ex-Dortmund-Coach Mike Tullberg (40), Al-Ahli-Trainer Matthias Jaissle (38) und der frühere Eintracht-Coach Adi Hütter (56) die heißesten Kandidaten auf den Posten sein.