Schwäbische Alb

Rosenstein: „Ein Mittelgebirge kann man nicht absichern“

Die Ruine Rosenstein bei Heubach gilt als eines der schönsten Ausflugsziele im Land – doch die dortigen Felsen haben es in sich.

Rosenstein: „Ein Mittelgebirge kann man nicht absichern“

Rettungshubschrauber am Rosenstein im April 2026.

Von mic/red

Zwei Stürze, zwei Schwerverletzte – der Rosenstein bei Heubach im Ostalbkreis zählt zu den beliebtesten Ausflugzielen der Schwäbischen Alb. Doch die Felsen rund um die malerische Burgruine sind auch immer wieder Schauplatz ernster Unfälle – zuletzt am 25. April 2026.

Bereits im September 2025 war ein 22-Jähriger am Ostfelsen des Rosensteins bei Heubach in die Tiefe gestürzt – und das nicht aus zehn Metern, wie die Polizei zunächst meldete, sondern aus rund 60 Metern. Der junge Mann überlebte schwerverletzt.

Zwei schwere Unfälle 2025/2026 am Rosenstein

Ein Notfallsanitäter der Bergwacht Schwäbisch Gmünd musste sich die gesamte Höhe abseilen, um ihn zu erreichen. Schließlich wurde der Verletzte mit einer Seilwinde und einem Rettungshubschrauber der Bundeswehr geborgen – ein aufwändiger Einsatz, der deutlich zeigt, wie unzugänglich das Gelände ist.

Keine sieben Monate später, im April 2026, nun der nächste schwere Unfall: Eine 29-jährige Frau war am Abend gegen 19.45 Uhr mit einer Klettergruppe auf einer Route unterhalb der Burgruine Rosenstein unterwegs, als sie beim Aufstieg den Halt verlor und sieben Meter tief auf einen Felsvorsprung stürzte. Die Bergwacht rettete sie und übergab sie dem Rettungsdienst, der sie ins Krankenhaus transportierte. Zwei alarmierte Hubschrauber kamen diesmal nicht zum Einsatz.

Gefährlicher Ostfelsen am Rosenstein

Der Ostfelsen gilt als Teil des Problems: Er ist nicht bewaldet, das Gelände fällt steil ab, und es gibt keinerlei Sicherungen. Gegenüber der Presse brachte es ein Polizeisprecher im September auf den Punkt: „Ein Mittelgebirge kann man nicht absichern.“ Das mag etwas barsch klingen und im rauen Ton der Ostalb gesagt sein, ist aber gleichzeitig eine ernüchternde Mahnung für all jene, die sich dort aufhalten.

Die fehlende Absicherung trifft auf ein Gebiet, das von Kletterern, Wanderern und Mountainbikern gleichermaßen frequentiert wird. Eine bewirtschaftete Hütte in der Nähe, die Burgruine als beliebtes Ausflugsziel und die spektakuläre Aussicht ziehen das ganze Jahr über Menschen an – darunter auch solche, die die Risiken des Geländes unterschätzen. Die Unfälle passieren dabei nicht nur unerfahrenen Besuchern, wie der Fall der 29-Jährigen zeigt, die Teil einer organisierten Gruppe war.

Rosenstein & Co. – wilde Felsen auf der Schwäbischen Alb

Der Rosenstein ist indes kein Ausnahmephänomen. Einige Felsformationen der Schwäbischen Alb locken durch ihre Wildheit und Ursprünglichkeit – und genau das macht sie gleichzeitig gefährlich. Lose Steine, feuchte Felsen, ungesicherte Abstiege und plötzlich einsetzende Dämmerung können auch für erfahrene Naturfreunde zur Falle werden.

Das Gelände verlangt mitunter Respekt, gute Ausrüstung und realistische Selbsteinschätzung. Dass beide Verunglückten am Rosenstein überlebt haben, ist letztlich dem schnellen und professionellen Einsatz der Bergwacht und weiterer Rettungskräfte zu verdanken.