Auswärtiges Amt

Rückholflüge vom Persischen Golf – wer zahlt die Rechnung?

Gestrandet in Dubai und Abu Dhabi: Regierungen holen tausende Urlauber aus Nahost zurück. Manche müssen dafür blechen, andere nicht. Es gibt auch einen Run auf Privatjets.

Rückholflüge vom Persischen Golf – wer zahlt die Rechnung?

Evakuierte Reisende werden überschwänglich in Europa begrüßt.

Von Michael Maier

Bewegende Bilder von den ersten Nahost-Rückkehrern, die sichtlich froh über ihre Ankunft in der Heimat sind. Zehntausende deutsche Urlauber sitzen nach der jüngsten Eskalation um Iran aber noch an den Drehkreuzen Abu Dhabi und Dubai fest.

Während manche Nationen Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um ihre Landsleute aus dem Krisengebiet herauszuholen, beschränkt sich die deutsche Rückhol-Aktion zunächst auf Kinder, Kranke und Schwangere.

Auch Begleitpersonen dürfen jedoch mitreisen: „So herzlos sind wir jetzt nicht, dass wir die Eltern da zurückzulassen“, meinte Außenamtssprecher Martin Giese auf Journalisten-Nachfrage mit leicht verzogenem Gesicht und ironischem Unterton bei der Bundespressekonferenz in Berlin - bevor er dann ernster wurde und meinte, der Außenminister habe sich ja ebenfalls schon dazu geäußert, und Kinder hätten „natürlich ein Anrecht“, mit ihren Eltern zu reisen.

Kostenbeteiligung für die Rückholaktion aus Dubai

Klar ist: „Einen Anteil der Kosten werden auch die Reisenden übernehmen müssen.“ Dieser wird sich laut Giese aber im Rahmen der regulären Flugpreise bewegen oder darunter liegen. Das sei im Konsulargesetz so vorgesehen. Näheres wollte das Auswärtige Amt auf Anfrage nicht mitteilen.

Auch das britische Außenministerium betrachtet staatlich gecharterte Rettungsflüge als kommerzielle Flüge. Bei vergangenen Evakuierungen (etwa aus Israel) verlangte das UK pauschal 300 Pfund (rund 350 Euro) pro Sitzplatz. Die Begründung: Es sei nicht Aufgabe der Allgemeinheit, für die individuellen Reisekosten einzelner Bürger aufzukommen.

Spanien fliegt Bürger mit Militärmaschinen aus

Spanien wählt dagegen einen anderen Weg: Bei Evakuierungen aus Kriegs- und Konfliktzonen setzt die Regierung oft auf Transportmaschinen der eigenen Luftwaffe. Da diese Einsätze als staatliche Schutzmaßnahme für Bürger in Lebensgefahr gelten, übernimmt der spanische Staat in der Regel die kompletten Kosten für den Flug.

Amtshilfe für EU-Residenten

Sollte man als Deutscher zum Beispiel einen Wohnsitz auf Mallorca haben, kann man sich also vertrauensvoll an die spanische Botschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten wenden. Diese ist im Rahmen der Konsularhilfe nach den europäischen Verträgen auch für EU-Residenten im eigenen Land zuständig und dürfte bereitwillig helfen, während manch anderer auf das Auswärtige Amt angewiesen bleibt und womöglich noch länger festsitzen könnte.

Run auf Privatflugzeuge

Einen Trost hat AA-Sprecher Martin Giese aber für alle Landsleute bereit – hierbei sogar ganz ohne Ironie im Gesicht: Die Ausreisesituation habe sich inzwischen etwas entspannt. Wie lange die Reisewarnung und Ausnahmesituation für Dubai noch bestehen bleibt, lässt sich aber nicht mit Sicherheit sagen.

Außenminister Johann Wadephul (CDU) musste sich inzwischen für seine bei „Caren Miosga“ im ARD-Programm getätigte Aussage entschuldigen, dass Dubai-Reisende sinngemäß ja „selbst schuld“ seien. Sein Ministerium hatte im Vorfeld des Kriegs indes lediglich eine Warnung für Israel ausgegeben.

Laut Medienberichten gibt es in Dubai und Abu Dhabi aktuell jedenfalls einen Run auf Privatflugzeuge – „Eigenverantwortung“ sozusagen. Der Luftraum über den Emiraten ist zumindest zeitweise wieder geöffnet.